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Fokus Südosteuropa

20 Jahre Mazedonien – und Streit um Namen

Mazedonien feiert zum 20. Mal den Tag seiner Unabhängigkeit. Der Weg zu dem erklärten Ziel einer EU- und NATO-Mitgliedschaft hat sich bislang als schwierig erwiesen. Die größte Hürde: der Namensstreit mit Griechenland.

Eine mazedonische Flagge und Menschen (Foto: Petr Stojanovski)

Hartnäckiger Namensstreit unter Nachbarn

Vor 20 Jahren gingen die Mazedonier an die Wahlurnen. Sie sollten darüber entscheiden, ob sie die Unabhängigkeit haben wollten. Das Votum der mazedonischen Bürger beim Referendum vom 8. September 1991 war überwältigend: Fast 98 Prozent der Stimmberechtigten stimmten für einen eigenständigen und unabhängigen Staat nach dem Zerfall Jugoslawiens. Übereinstimmendes Ziel der Politik und des Großteils der Gesellschaft war die EU- und NATO-Mitgliedschaft eines demokratischen und wirtschaftlich erfolgreichen Mazedoniens. Bald hat sich aber gezeigt, dass der Weg lang wird.

Große Hindernisse

Landkarte der auseinander driftendn Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawien (Grafik: DW)9_symbolbild_zerfall_jugoslawiens_länder.psd

Mazedonien wandte sich auch von Belgrad ab

Die Anerkennung der Eigenstaatlichkeit durch die westlichen Länder hatte sich mehrere Jahre hingezogen. Eine von der EU eingesetzte Schiedskommission stellte schon Anfang 1992 fest, dass von allen Teilrepubliken Ex-Jugoslawiens nur Slowenien und Mazedonien alle Bedingungen erfüllten, um international anerkannt zu werden. Deutschland hat bald danach im Alleingang Slowenien und Kroatien anerkannt, Mazedonien aber erst 1996. Mazedonien ist aber nicht gleich entschieden in Richtung Eigenständigkeit geschritten, sondern versuchte zuerst, zusammen mit Bosnien und Herzegowina, die zerfallende jugoslawische Föderation zu retten. Erst mehr als anderthalb Jahre nach der Unabhängigkeit konnte Mazedonien 1993 UNO-Mitglied werden. Aber nur unter der provisorischen Bezeichnung FYROM (former Yugoslav Republic of Macedonia) - wegen des griechischen Einspruchs gegen den offiziellen Staatsnamen der Republik Mazedonien.

Mazedonien musste mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges in den anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawien und mit zwei Embargos kämpfen. Davon ein internationales gegen Serbien und ein einseitiges Handelsembargo von Griechenland gegen Mazedonien. Während des Kosovo-Krieges 1999 nahm das arme Land vorübergehend 300.000 Flüchtlinge aus dem Kosovo auf. 2001 stand Mazedonien selber am Rande eines Bürgerkrieges. 2005 erlangte das Land Kandidatenstatus für den Beitritt in die EU, wartet aber noch immer auf einen Termin für die Aufnahme der Beitrittsverhandlungen. Seit 2008 ist Mazedonien reif für die NATO-Mitgliedschaft, finden auch die Mitgliedsstaaten des Militärbündnisses selber. Trotzdem ist es noch nicht in die Allianz aufgenommen worden.

Zwischen Abgrund und Koexistenz

Zwei Probleme blieben in den vergangenen 20 Jahren auf der Tagesordnung: der Namensstreit mit Griechenland und die interethnischen Beziehungen in dem multiethnischen Staat. Mit der zweiten Frage konnte Mazedonien besser als die anderen in der Region umgehen. Mit dem nach dem bewaffneten Konflikt 2001 vom Westen vermittelten Ohrider-Rahmenabkommen wurde der Konflikt zwischen den aufständischen Albanern und den Sicherheitskräften des Staates beigelegt, aber auch die Grundlage für das Zusammenleben aller Volksgruppen in Mazedonien geschaffen.

Die allgemeine Lage der albanischen Minderheit ist wesentlich besser geworden. Sie ist paritätisch in den staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen vertreten. Darüber hinaus ist eine der albanischen politischen Parteien regelmäßig Partner in der Regierungskoalition. Albanisch wird als Amtssprache in dem Parlament gesprochen und die albanische Flagge darf legal neben der mazedonischen gehisst werden. Es sind zwar keine idyllischen, aber doch annehmbare interethnische Beziehungen, die das Potenzial zur Weiterentwicklung haben.

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