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Schauspieler im Gespräch

1987: Interview mit Bernd Eichinger

"Ich entwickle mit dem Regisseur die Konzeption" - Bernd Eichinger über sein Vorgehen bei einer Filmproduktion

Bernd Eichinger (2010)

Bernd Eichinger (2010)

"Filmlegende", "Tycoon in Turnschuhen" – dies sind nur zwei von vielen Beinamen, mit denen er bezeichnet wurde. Bernd Eichinger war Regisseur, Schauspieler und vor allem Filmproduzent, der knapp sechs Dutzend Filme produzierte - bei manchen war er auch der Drehbuchautor. Oft agierte er in mehreren Funktionen in Personalunion. Und kaum ein anderer prägte mit seiner Persönlichkeit das Weltkino, wie er. Ein Weltstar eben, der es aus der bayerischen Provinz bis nach Hollywood schaffte.

Die "Solaris-Zeit"

Bernd Eichinger mit seinem Ehrenauszeichnung des Deutschen Filmpreises (2010)

Bernd Eichinger mit seiner Ehrenauszeichnung - de Deutschen Filmpreis (2010)

Zur Welt kam Bernd Eichinger am 11.4.49 in Neuburg an der Donau. Seine Kindheit verbrachte er in Rennertshofen und in einem katholischen Internat im Bayerischen Wald. Nach dem Abitur in München studierte er an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film Regie. Bereits während des Studiums war er schon für die Bavaria Filmgesellschaft tätig, doch bald sollte er auch seine eigene Produktionsfirma gründen. Solaris hieß die erste Firma, die Bernd Eichinger zusammen mit Peter Genée amtlich am 19.11.74 eintragen ließ. Den Namen für seine erste Produktionsfirma entlehnte er dem Titel eines Science-Fiction-Romans von Stanislaw Lem aus dem Jahr 1961, der 1972 erstmals ins Deutsche übersetzt wurde. Und bald sollte sich der erste Erfolg einstellen: Bernd Eichinger produzierte 1975 den Film "Falsche Bewegung", eine moderne Adaption des Romans "Wilhelm Meisters Lehrjahre" von Johann Wolfgang von Goethe, bei dem Wim Wenders Regie führte. Die Kritik zeigte sich von dem Film begeistert und er wurde mit dem Deutschen Filmpreis in sechs Kategorien ausgezeichnet: für Regie, Darstellerische Leistungen, für Kameraführung, fürs Drehbuch, für den Filmschnitt und schließlich für die Musik. Der Startschuss für eine internationale Karriere war nun gefallen.

Bernd Eichinger mit seinem Team aus dem Film Das Parfum (2005)

Bernd Eichinger mit seinem Team aus dem Film "Das Parfum" (2005)

Einstieg bei der "Neuen Constantin"

Bernd Eichinger entfaltete nun eine rege Tätigkeit und produzierte nun mehrere anspruchsvolle Filme, von denen manche sich eines großen Erfolges erfreuten. Einer von ihnen, der Film von Hans Geißendörfer "Die gläserne Zelle", wurde auch für einen Oscar nominiert. Das Jahr 1979 brachte für Bernd Eichinger eine Wende: er erwarb 25% der Verleihfirma Constantin-Film, die damals in finanzielle Not gerate war und von dem Likörhersteller Ludwig Eckes übernommen wurde. Detlef Dreßlein und Anne Lehwald schreiben in der Eichinger-Biografie in diesem Zusammenhang: "Er legte sofort los. Das Aufeinandertreffen des agilen Draufgängers, noch immer keine dreißig Jahre alt, und dem alteingesessenen deutschen Unternehmen, gefangen in seinen Traditionen und Strukturen, aber auch mit sehr erfahrenen und engagierten Mitarbeitern, fiel heftig aus." Mehrere Mitarbeiter wurden entlassen, das Verleihprogramm wurde umgekrempelt. Ein Jahr später erhöhten sich seine Anteile an der Firma auf 50%, er wurde geschäftsführender Gesellschafter und begann mit dem Aufbau der "Neuen Constantin" nach seinen eigenen Vorstellungen. Denn Bernd Eichinger wollte Filme nicht nur verleihen, sondern auch produzieren.

Literaturbestseller als Erfolgsrezept

Sean Connery als Franziskanermönch William von Baskerville in dem Film Der Name der Rose (1986)

Sean Connery als Franziskanermönch William von Baskerville in dem Film "Der Name der Rose" (1986)

Die Idee von Bernd Eichinger war, Literaturbestseller zu verfilmen. "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" hieß nun der erste Film, den die "Neue Constantin" unter ihm produzierte. Und er wurde zu einem bis dahin nie gewesenen Kassenerfolg in der Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms: den ca. 6 Mio. DM an Produktionskosten standen rund 38 Mio. DM als eingespielte Summe gegenüber. Und Bernd Eichinger produzierte mit sicherem Instinkt weitere Kinoerfolge. "Die unendliche Geschichte", "Der Name der Rose", "Der bewegte Mann", "Ich und Er", "Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders", "Der Baader Meinhof Komplex", oder auch "Der Untergang", in dem die zwölf letzten Tage des Dritten Reiches gezeigt werden, sind nur einige Beispiele von Filmen, die die weltweite Popularität von Bernd Eichinger im Laufe der Jahre festigten. Bernd Eichinger wurde zu einer Legende des Films. Und unendlich lang ist auch die Liste der Preise und Ehrungen, mit denen er bedacht wurde. Mehrere Deutsche Filmpreise, mehrere Bambis und Bayerische Filmpreise, schließlich das Bundesverdienstkreuz – sind nur einige von ihnen. Zuletzt wurde er posthum mit dem Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin geehrt. Bernd Eichinger starb unerwartet am 24.1.11 in Los Angeles. In unzähligen Nachrufen wurde er von der Presse als einer der größten deutschen Filmemacher gewürdigt.

Im Januar 1987 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Bernd Eichinger über seine Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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