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Schauspieler im Gespräch

1986: Interview mit Peter Schamoni

"Für unser Jahrhundert hat Deutschland eigentlich wenig Positives in der Welt angerichtet" - Peter Schamoni über die Gründe seiner Beschäftigung mit der Romantik

Peter Schamoni (1997)

Peter Schamoni (1997)

Im deutschen Filmgeschäft war er vieles: Produzent, Drehbuchautor, Schauspieler und auch Cutter. Und er gehörte zu jenen 26 jungen deutschen Filmemachern, die vor fünfzig Jahren in ihrem "Oberhausener Manifest" die Weichen für den Neuen Deutschen Film stellten. Peter Schamoni konnte auf ein "Filmleben" zurückblicken, in dem er "ein beeindruckendes Stück Filmgeschichte" schrieb, wie ihn mal Horst Seehofer lobte.

Das „Oberhausener Manifest“

Szene aus dem Film Moskau 1957

Szene aus dem Film "Moskau 1957"

Das Licht der Welt erblickte Peter Schamoni am 27.3.34 in Berlin, und dass er schließlich beim Film seine Karriere machen wollte, lag nicht zuletzt auch an seiner Familie. Denn sein Vater war Filmwissenschaftler und seine Mutter war Cutterin und Drehbuchautorin. So studierte Peter Schamoni nach dem Abitur Kunst-, Literatur- und Theatergeschichte und nahm zusätzlich an der Münchner Schauspielschule Unterricht. Sein Regievolontariat machte er am Bayerischen Staatstheater. Bereits im Alter von 23 Jahren begann er seine ersten Filme zu drehen, bei denen er sich als Autor, Regisseur und Produzent betätigte. Meist waren es Kurzfilme, die von der Kritik viel Lob erfuhren. Den Anfang machte der Dreißigminuter "Jazz im Kreml", bei dem er Regie führte und das Drehbuchkonzept erstellte. Kurz darauf hatte auch sein Film "Moskau 1957" Premiere. Und bald folgten weitere Kurzfilme, die Peter Schamoni immer mehr Anerkennung brachten. Den endgültigen künstlerischen Durchbruch schaffte er mit dem Film "Brutalität in Stein“ von 1961, der die Dimensionen der nationalsozialistischen Architektur und ihre Wirkung und Nutzung während der Nazi-Zeit untersuchte. Es war zugleich auch die Zeit des "Aufbruchs" für den deutschen Film: 1962 verkündeten 26 junge Filmmacher bei den "8. Westdeutschen Kurzfilmtagen" in Oberhausen ein Manifest, in dem sie die Erneuerung des deutschen Film postulierten. Dieses ging später als "Oberhausener Manifest" in die Filmgeschichte ein. Zu den Unterzeichnern gehörte auch Peter Schamoni, der als Spielfilmregisseur noch vier Jahre auf seinen ersten Erfolg warten sollte.

Dreharbeiten zu Zur Sache, Schätzchen (1967)

Dreharbeiten zu "Zur Sache, Schätzchen" (1967)

Die ersten Spielfilme

"Schonzeit für die Füchse" hieß nun 1966 das Erstlingswerk von Peter Schamoni auf dem Gebiet des Spielfilms, das die Geschichte zweier junger Intellektueller aus dem Großbürgertum erzählt, die sich mit der bürgerlichen Gesellschaft arrangieren, obwohl sie ihr immer abgeneigt waren, erzählt. Für diesen Film "regnete" es Priese: einen "Silbernen Bären" bei der Berlinale 1966 und drei Bundesfilmpreise. Und es sollte knapp drei Jahre dauern, bis sich auch ein erster kommerzieller Erfolg einstellte. Es war der Film "Zur Sache Schätzchen", den seine Firma "Peter Schamoni Filmproduktion" 1968 in die Kinos brachte und der sich einer großen Beliebtheit beim Publikum erfreute. Es war zugleich auch der Durchbruch für eine Schauspielerin, die sich bis heute eine große Popularität erhalten hat: Uschi Glas. Es folgten zahlreiche weitere Filme von Peter Schamoni, in denen er unterschiedliche Funktionen ausübte – manchmal auch mehrere in Personalunion. So etwa in dem Porträt des Wiener Künstlers Friedensreich Hundertwasser, in dem er Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und schließlich auch Kommentarautor war. Diese Arbeitsamkeit brachte ihm in diesem Fall sogar eine Oscarnominierung. Obwohl Peter Schamoni dem kommerziellen Film durchaus zugeneigt war, so waren es vor allem biografische Filme, mit denen er sich am liebsten beschäftigte. Einige von ihnen hatten auch einen großen Erfolg.

Erfolgreich mit Portraits

Künstlerin Niki de Saint Phalle wurde von Peter Schamoni ebenfalls porträtiert

Künstlerin Niki de Saint Phalle wurde von Peter Schamoni ebenfalls porträtiert

So erzielte Peter Schamoni 1983 einen Erfolg etwa mit der Filmbiografie "Frühlingssinfonie", in der er die Liebesgeschichte zwischen Clara Wieck und Robert Schumann zeichnete und die erst vor Gericht gegen Claras Vater ihr glückliches Ende fand. Nastassja Kinski und Herbert Grönemeyer übernahmen in diesem Film die Hauptrollen, Peter Schamoni schrieb dazu das Drehbuch, war Produzent und konnte es sich nicht nehmen lassen, auch eine Rolle zu übernehmen: die des Verlegers Härtel. Einen nicht minder erfolgreichen Film lieferte der Allrounder mit der Biographie von Max Ernst mit dem Titel: "Max Ernst – Mein Vagabundieren, meine Unruhe", bei der er wieder als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion fungierte. Weitere biografische Filme, die Peter Schamoni produzierte, waren unter anderem der Dokumentarfilm "Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely" oder auch "Wilhelm II – Majestät brauchen Sonne", ein Porträt des letzten deutschen Kaisers. "Der Spiegel" vom 25.10.99 schrieb über diese Dokumentation unter anderem: "Doch Schamoni zeigt den 'brillantesten Versager der Weltgeschichte' keineswegs als Clown. Er lässt Mario Adorf einfühlsam den Kommentar sprechen und dazwischen originale Wilhelm-Texte majestätisch von Otto Sander vortragen." Dieser Film brachte Peter Schamoni auch den Bayrischen Filmpreis ein, doch es war nicht die einzige Auszeichnung, die ihm während seiner Karriere zuteil wurde. So erhielt er unter anderem mehrere Bundesfilmpreise, auch wurde er auf dem internationalen ART-Filmfestival in Montreal geehrt. Peter Schamoni starb am 14.6.2011 in München.

Im November 1986 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Peter Schamoni über einige seiner Arbeiten.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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