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Sportgeschichten

1986: Interview mit Hans Günter Winkler

"Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg" - Hans Günter Winkler über Misserfolge beim Einzel- und Mannschaftswettbewerb beim CHIO Aachen

Hans Günter Winkler

Hans Günter Winkler (3.3.2016)

Er ist bis heute der erfolgreichste Springreiter aller Zeiten. Mit seiner Stute Halla wurde er mehrfach Weltmeister und Olympiasieger. Hans Günter Winkler wurde im Verlauf seiner Karriere zur Ikone des deutschen Springsports.

Hans Günter Winkler

Hans Günter Winkler (1988)

Doch kein Reiteroffizier

Zur Welt kam Hans Günter Winkler am 24.6.1926 in Wuppertal-Barmen. Nach einer unbeschwerten Kindheit nahm er sich vor, Reiteroffizier zu werden, seine Pläne wurden jedoch von dem Zweiten Weltkrieg durchkreuzt. Nach dem Zerfall des Dritten Reiches fand Hans Günter Winkler eine Anstellung bei der Landgräfin von Hessen in Kronberg, wo er zugleich auch eine Ausbildung als Dressurreiter erhielt. Später, nach einer Ausbildung zum Kaufmann, verdiente er seinen Lebensunterhalt bei einer Firma. 1951 trat er dem Reitverein Warendorf bei und die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bei dem deutschen Springchampionat belegte er den dritten Platz. Schon ein Jahr zuvor wurde Hans Günter Winkler von dem Landgestüt Dillenburg als Ausbilder engagiert. Er sollte sich um eine Vollblutstute Namens Halla kümmern und man ahnte damals nicht, dass aus diesem Paar bald Stars werden sollten.

Die "Wunderstute" Halla

Olympia 1956, Winkler siegt auf Halla in Stockholm

Hans Günter Winkler auf seiner "Wunderstute" Halla beim Jagdspringen während der Olympischen Spiele in Stockholm (1956)

Zwar gewann Hans Günter Winkler 1952 die deutsche Springmeisterschaft zum ersten Mal auf einem anderen Pferd, es war jedoch die Stute Halla, mit der er zum Springsport-Mythos wurde. Die Stute selbst wurde zu einer wahren Sportlegende bei den olympischen Sommerspielen 1956 in Stockholm, beim zweiten Durchlauf. Hans Günter Winkler hatte sich zuvor einen Muskelriss in der Leiste zugezogen und musste mit starken schmerzstillenden Medikamenten und Betäubungsmittel behandelt werden, so dass er sich kaum noch im Sattel halten konnte. Praktisch im Alleingang absolvierte Halla den zweiten Durchlauf fehlerfrei und sicherte der deutschen Mannschaft und Hans Günter Winkler in Einzelwertung die Goldmedaille. Insgesamt verzeichnete H.G.W., wie er im Kollegenkreis genannt wurde, über zehn Dutzend Turniersiege mit Halla, die zum erfolgreichsten Springpferd Deutschlands wurde. Die Popularität der Stute war so groß, dass man ihr in Warendorf, dem Sitz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, ein Denkmal setzte.

Hans Günter Winkler

Hans Günter Winkler mit seinem Pferd Enigk beim Reitturnier in Wiesbaden (undatiert)

Im Guinnessbuch der Rekorde

Hans Jürgen Winkler kann auf eine nicht zu übertreffende Bilanz seiner Reiterkarriere zurück blicken. Sechs Mal nahm er an den Olypischen Spielen teil und gewann dort vier Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille. Der Ausnahmereiter erkämpfte bei fünf Europameisterschaften drei Bronzemedaille, und je eine Gold- und Silbermedaille. Zwei Mal wurde er Weltmeister. Mit seinen Siegen wurde er ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen. Wie sich Hans Günter Winkler in dem Buch von Karl Seeger "Was große Sportler erlebten" erinnert, wollte ihn eine Gruppe spanischer Sportler während der WM 1954 "müde schwimmen", um ihren spanischen Landsmann größere Chancen zu verschaffen. Doch Hans Günter Winkler blieb umsichtig und konnte dann schreiben: "Ich gewann meine erste Weltmeisterschaft". Am 8.7.86 titelte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter anderem: "Noch ein Auftritt vor großem Publikum". Gemeint war der Abschied von Hans Günter Winkler vom aktiven Sport. Dennoch blieb er noch über Jahre dem Reitsport erhalten, indem er das Amt des Bundestrainers übernahm. Für seine Verdienste um den Reitsport wurde Hans Günter mit unzähligen Ehrungen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großen Bundesverdienstkreuz.

Im Juli 1986 sprach DW-Redakteur Hans-Peter Detmer mit Hans Günter Winkler unter anderem über den Trainingsstand der deutschen Reiterequipe.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer

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