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Schauspieler im Gespräch

1985: Interview mit Gert Westphal

"Glücklich bin ich immer, wenn ich Goethe lesen darf" - Gert Westphal über seine Tätigkeit als Rezitator

Schauspieler Gert Westphal

Schauspieler Gert Westphal

"Ihm würde man auch zuhören, wenn er aus dem Telephonbuch vorträgt" schrieb "Die Zeit" am 24.08.84 und für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 19.02.87 war er "ein Mensch, der Stimme wurde." Gert Westphal konnte auf eine Karriere zurückblicken, die ihm die Bezeichnung "Vorleser der Nation" brachte.

An den Bremer Kammerspielen

Geboren wurde Gert Westphal am 05.10.20 in Dresden. Dort wuchs er auf und ging nach dem Abitur am Realgymnasium Dresden-Blasewitz an das Dresdner Konservatorium, wo er eine Schauspielausbildung begann. Diese sollte jedoch 1940 durch seine Einberufung in den Kriegsdienst unterbrochen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam nun die erste Begegnung mit dem Theater: Gert Westphal wurde als Schauspieler an den Bremer Kammerspielen engagiert. Doch der "richtige" Anfang sollte noch bis 1948 auf sich warten lassen.

Der schnelle Aufstieg

Bremen war auch jene Stadt gewesen, die für Gert Westphal schicksalhaft wurde: 1948 ging er als Oberspielleiter zu Radio Bremen und leitete dort die Hörspielabteilung. Sein Debüt in diesem Metier gab er in dem Stück „Nun singen sie wieder“ von Max Frisch. Die Arbeit bei Radio Bremen ging über fünf Jahre, bis Gert Westphal schließlich 1953 zum Südwestfunk in Baden-Baden wechselte. Zunächst übernahm er dort die Leitung der Hörspielabteilung, später wurde er Chefregisseur der Fernsehspielabteilung. Beim Südwestfunk begegnete Gert Westphal auch dem 1957 verstorbenen Regisseur Max Ophüls, der zur damaligen Zeit für den Sender mehrere Hörspiele inszenierte. Diese Begegnung sollte für die weitere Arbeit von Gert Westphal sehr wichtig werden. "Ungeduld des Herzens", "Das weiße Haus", "Unwiederbringlich" oder "Rausch der Verwandlung" sind nur einige Bespiele von Hörspielen, die er für den Südwestfunk inszenierte. Und es blieb nicht nur bei dem einen Sender. Gert Westphal war als Sprecher sowie Regisseur an nahezu allen bundesdeutschen Rundfunkanstalten gefragt. Zudem übernahm er auch die Regie zum Beispiel am Thalia-Theater in Hamburg, am Württembergischen Staatstheater Stuttgart oder am Zürcher Schauspielhaus, dem er über zwanzig Jahre angehörte. Dort übernahm er Charakterrollen der Klassik und der Moderne.

Der „König der Vorleser“

Der Schauspieler, Regisseur und Rezitator Gert Westphal verfolgt am Dienstag (24.10.2000) anlaesslich einer Feier zu seinem 80. Geburtstag im Zuercher Stadthaus eine Laudatio.

Gert Westphal am 24.10.2000 in Zürich

Katia Mann, die Ehefrau des Schriftstellers Thomas Mann, nannte einmal Gert Westphal "des Dichters obersten Mund" und dieser Rolle wurde er mehr als gerecht. Auf Schallplatte, bei öffentlichen und privaten Vorträgen wie auch im Rundfunk trug Gert Westphal über 200 Texte der Weltliteratur vor. "Joseph und seine Brüder" von Thomas Mann, Theodor Fontanes "Stechlin" oder "Effie Briest", Goethes "Dichtung und Wahrheit" oder "Wahlverwandtschaften" – die Liste der Texte, die er in seinem Repertoire hatte, liest sich sehr anspruchsvoll. Gert Westphal schreckte aber auch nicht vor der so genanten Trivialliteratur zurück und beteiligte sich als Sprecher unter anderem an einigen Filmproduktionen des Süddeutschen Rundfunks. Ähnlich umfangreich wie die Palette seiner Rundfunklesungen und Schallplattenaufnahmen ist auch die Liste der Preise und Auszeichnungen, mit denen Gert Westphal geehrt wurde. Der Literaturpreis des Kantons Zürich, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, Deutscher Schallplattenpreis oder auch das Goldenes Verdienstzeichen von Salzburg sind nur einige von ihnen. Auch die Presse war stets voller Lob für seine Leistungen gewesen. So nannte ihn etwa Petra Kipphoff in der "Zeit" vom 24.08.84 den "König der Vorleser", dessen Stimme für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 19.02.87 "niemals langweilig wird." Diese Stimme verstummte für immer am 10.11. 02 - Gert Westphal erlag in Zürich einem Krebsleiden.

Im Juni 1985 sprach DW-Mitarbeiter Klaus Colberg mit Gert Westphal unter anderem über seine Karriere als Schauspieler und Rezitator.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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