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Schauspieler im Gespräch

1981: Interview mit Luis Trenker

"Das war gar nicht meine Eitelkeit, mein Starrsinn oder mein Geltungsdrang" - Luis Trenker über seine Tätigkeit als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Personalunion

Luis Trenker als Johann August Sutter in dem Film Der Kaiser von Kalifornien (1936)

Luis Trenker als Johann August Sutter in dem Film "Der Kaiser von Kalifornien" (1936)

In über fünf Dutzend Filmen – darunter einer stattlichen Anzahl von Kurzfilmen – führte er Regie. Die Onlinefilmdatenbank ofdb.de weist ihn in über vierzig Filmen als Darsteller aus, in einer ähnlichen Anzahl von Filmen fungierte er als Produzent. Er war einer der ersten Stunde des deutschsprachigen Films, den auch Joseph Goebbels zu "erledigen" suchte, wie der "Tagesspiegel" vom 4.10.92 zu berichten weiß. Luis Trenker war im Laufe der Jahre zu einer Legende geworden, die aus dem Genre des Bergfilms nicht weg zu denken ist.

Architekt und Bergführer

Luis Trenker bei Peter Alexander in dder ZDF-Sendung Wir gratulieren (1982)

Luis Trenker bei Peter Alexander in der ZDF-Sendung "Wir gratulieren" (1982)

Das Licht der Welt erblickte Luis Trenker am 4.10.1892 in St. Ulrich in Südtirol. Nach dem Abitur, das er in Innsbruck erlangte, begann er an der Technischen Hochschule in Wien ein Studium der Architektur. Nach dem Ersten Weltkrieg, an dem er teilnahm und der sein Studium unterbrach, schloss er es 1924 ab und arbeitete zunächst in einem Architektenbüro und nebenbei als Bergführer. Und eben diese Nebentätigkeit sollte sich für Luis Trenker als schicksalshaft erweisen. Denn als Bergführer wurde er für den Film entdeckt. Der Regisseur und Pionier des Bergfilms Arnold Fanck engagierte 1924 Luis Trenker für die Hauptrolle in dem Film "Berg des Schicksals". Zwei weitere Filme folgten noch, bevor sich die Wege der beiden trennten, doch der junge Architekt wollte von Film nicht mehr lassen und ging 1927 nach Berlin. Nur ein Jahr brauchte Luis Trenker, um seinen ersten Erfolg verbuchen zu können: der Stummfilm "Der Kampf ums Matterhorn", bei dem er Drehbuchauto, Hauptdarsteller und Aufnahmeleiter war, wurde zu einem großen Erfolg. Es war die Verfilmung des gleichnamigen Bergsteigerromans von Carl Haensel. Doch da war schon der Tonfilm auf dem Vormarsch, und nun sollte auch Luis Trenker von dieser Entwicklung profitieren.

Der Kaiser von Kalifornien (D 1935/36, Luis Trenker) Quelle: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Berlin

Szene aus dem Film "Der Kaiser von Kalifornien" mit Luis Trenker (1936)

Drehverbot in Deutschland

Der Erfolgskurs von Luis Trenker setzte sich fort: "Berge in Flammen", "Der verlorene Sohn", "Der Kaiser von Kalifornien", "Der Berg ruft" und "Liebesbriefe aus dem Engadin" sind nur einige der Filme, die nun entstanden. Fast alle diese Produktionen hatten vor allem Themen seiner Tiroler Heimat zum Inhalt: so etwa die Verbundenheit mit der Natur und eine tiefe Heimatliebe. Und es waren Botschaften, die auch bei den Nazis auf Wohlwollen tarfen. Doch die ablehnende Haltung von Luis Trenker gegenüber dem Nazi-Regime führte letztendlich zu einem Drehverbot in Deutschland. Der "Tagesspiegel" vom 4.10.92 zitiert in diesem Zusammenhang aus dem Tagebuch des Propagandaministers Joseph Goebbels: "Nachmittags empfange ich Luis Trenker. … Ein Schuft und vaterlandsloser Geselle. Hinhalten und eines Tages erledigen." Angesichts des Drehverbots siedelte Luis Trenker nun nach Italien um, wo er seine Arbeit fortsetzte. Als Schauspieler wurde er nur noch einmal für einen deutschen Propagandafilm engagiert. Da schrieb man aber schon das Jahr 1943.

Der Geschichtenerzähler

Luis Trenker starb im Alter von 98 Jahren am 12.4.90

Luis Trenker starb im Alter von 98 Jahren am 12.4.90

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Luis Trenker in seine Heimat zurück und beschäftigte sich zunächst mit Kultur- und Dokumentarfilmen, vernachlässigte aber auch nicht das Genre des Spielfilms. Es entstanden noch zahlreiche Streifen, bei denen er als Regisseur, Drehbuchautor oder Produzent fungierte, und das nicht selten in Personalunion. Doch bald sollte ihn auch das Fernsehen für sich entdecken: Luis Trenker entpuppte sich bald als ein begnadeter Erzähler. Und er hatte viel zu erzählen, denn dies tat er vierzehn Jahre lang. Und es waren Geschichten aus seinem Leben, von seiner Arbeit, aber auch aus seiner Kindheit. Luis Trenker wurde zur Kultfigur. Erzählen konnte er aber auch auf eine andere Weise. Der vielseitige Schauspieler veröffentlichte zwei Dutzend Romane und Erzählungen, davon einige in Zusammenarbeit mit anderen Autoren. Die ansehnliche Liste der Auszeichnungen, mit denen Luis Trenker geehrt wurde, enthält unter anderem das Filmband in Gold oder auch das Bundesverdienstkreuz. Luis Trenker starb am 12.4.90 in Bozen.

Im Dezember 1981 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Luis Trenker über einige Stationen seiner Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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