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Schauspieler im Gespräch

1977: Interview mit Paula Wessely

"Zu dieser Zeit musste man sich in Berlin bestätigen" - Paula Wessely über ihren schauspielerischen Durchbruch

Paula Wessely (1981)

Paula Wessely (1981)

Unter den Schauspielerinnen war sie die "Grande Dame", ja die "Großfürstin" des deutschsprachigen Theaters, ein Star, dessen Glanz bis ins hohe Alter leuchtete. Paula Wessely gehörte zu den beliebtesten und am meisten gefeierten Darstellerinnen sowohl beim Film als auch beim Theater, das stets ihre stärkste Domäne blieb. Zugleich war sie eine Schauspielerin, die sich auch als Produzentin betätigte.

Durchbruch in Berlin

Paula Wessely kam am 20.1.1907 in Wien zur Welt. Nach Beginn ihrer schauspielerischen Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien setzte sie diese am Max-Reinhardt-Seminar fort. Bereits im Alter von 17 Jahren bekam sie ihr erstes Engagement. 1924 spielte sie am Deutschen Volkstheater in Wien, wo sie zwei Jahre lang blieb. Weitere Engagements führten sie an das Neue Deutsche Theater in Prag, dann wieder ans Deutsche Volkstheater und an das Wiener Theater in der Josefstadt. Ihre Popularität wuchs ständig, so dass sie auch zu einem Gastspiel am Deutschen Theater Berlin eingeladen wurde. Hier sollte nun der ganz große Durchbruch kommen. In Berlin spielte Paula Wessely 1932 die Rose Bernd aus dem gleichnamigen Drama von Gerhart Hauptmann. In seiner Wessely –Biographie beschreibt Oskar Maurus Fontana das Resultat: "Der Erfolg ihrer Rose Bernd war unvergleichbar, er hatte sie mit einem einzigen Ruck auf den Gipfel einsamer Größe emporgehoben. Die Titelseite der 'Berliner Illustrierten' brachte ihren Kopf als Rose Bernd – und das bedeutete die höchste Anerkennung, die das Berlin von damals zu vergeben hatte." Es war der Beginn einer sagenhaften schauspielerischen Karriere.

Ein "Ausrutscher"

Paula Wessely vor dem Wiener Burgtheater, dem sie jahrelang angehörte (1977)

Paula Wessely vor dem Wiener Burgtheater, dem sie jahrelang angehörte (1977)

1934 kam der Film "Maskerade" von Willi Forst in die Kinos. Paula Wessely spielte dort Leopoldine Dur, die Vorleserin der Fürstin Metternich. Diese aufwändige Produktion wurde zu einem außergewöhnlichen Erfolg und machte auch die Schauspielerin international zum Star. Oskar Maurus Fontana berichtet hierzu: "Ihre Leopoldine Dur eroberte in allen fünf Erdteilen die Herzen." Es folgten weitere Filme mit Paula Wessely: noch im gleichen Jahr nach dem Welterfolg kam der Film „So endet eine Liebe“ von Karl Hartl in die Kinos, ein Jahr darauf "Episode" von Walter Reisch – die Schauspielerin drehte in der Folgezeit einen Film pro Jahr, bis sie sich schließlich 1941 für einen Propagandafilm der Nazis einspannen ließ. Auf ausdrücklichen Befehl von Goebbels wurde der Film "Heimkehr" gedreht, in dem die angeblichen polnischen Übergriffe auf „Volksdeutsche“ geschildert wurden und den Überfall auf Polen rechtfertigen sollten. Paula Wessely spielte dort eine der Hauptrollen. Während der Nazi-Zeit entstanden noch drei weitere Filme mit der Schauspielerin, doch es sollte bei dem einen Propagandastreifen bleiben. Zugleich bekundete Paula Wessely offen ihre Solidarität mit den jüdischen Kollegen, was ihr den erneuten Einstieg in den Beruf nach dem Zweiten Weltkrieg ebnete.

Paula Wessely als Sophie von Angerspang in dem Film Späte Liebe (1943)

Paula Wessely als Sophie von Angerspang in dem Film "Späte Liebe" (1943)

Großfürstin des Theaters

Auch nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs hielt die Popularität von Paula Wessely unvermindert an. "Der Engel mit der Posaune" hieß der erste Nachkriegsstreifen, den sie an der Seite ihres Mannes Attila Hörbiger drehte. Es folgten noch weitere Filme mit der Schauspielerin – über ein Dutzend, wobei sie bei manchen auch als Produzentin fungierte. Jedoch ungeachtet ihrer Tätigkeit beim Film blieb Paula Wessely vor allem dem Theater eng verbunden. Bereits 1946 stand sie in Wien wieder auf der Theaterbühne, und Wien sollte auch zu ihrer schauspielerischen Heimat werden. 1953 wurde sie in das Ensemble des Burgtheaters aufgenommen und glänzte dort in unzähligen Rollen. So bleiben etwa ihre Titelrolle in Schillers "Maria Stuart" oder auch das Gretchen in Goethes "Faust" genauso unvergessen, wie auch ihre Rolle der Ella Rentheim in dem Stück "John Gabriel Borkmann" von Henrik Ibsen. So zahlreich wie ihre Rollen waren auch die Preise, mit denen die Schauspielerin, die Theatergeschichte schrieb, geehrt wurde. So wurde Paula Wessely unter anderem mit der Josef-Kainz-Medaille, dem Großen Silbernen Ehrenzeichen der Republik Österreich oder auch dem Filmband in Gold ausgezeichnet. Paula Wessely starb am 11.5.00 in Wien.

Im Oktober 1977 blickte DW-Mitarbeiter Robert Stauffer mit Paula Wessely auf den Verlauf ihrer beispiellosen Karriere.

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