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Schauspieler im Gespräch

1976: Interview mit Hans Söhnker

"Ich habe alles getan, was vor die Flinte kam" - Hans Söhnker über die Anfänge seiner schauspielerischen Karriere

Hans Söhnker (1965)

Hans Söhnker (1965)

Statt Kaufmann wurde er Schauspieler. Er drehte über 100 Filme, spielte Theater, war auch im Fernsehen präsent - Hans Söhnker wurde eine Karriere zuteil, um die ihn so mancher seiner Kollegen sicherlich beneidete. Ein charmanter Star im gesamten Verlauf seiner schauspielerischen Laufbahn, "der Schwarm von Omas und Teenagern", wie der "Kölner Stadt Anzeiger" vom 11.10.68 zu konstatieren wusste.

Schauspieler statt Kaufmann

Geboren wurde Hans Albert Edmund Söhnker am 11.10.1903 in Kiel. Sein Vater hatte für ihn den Beruf eines Kaufmanns ins Auge gefasst und schickte ihn zunächst auf eine Höhere Handelsschule. Doch der junge Schüler fühlte sich vielmehr vom Theater angezogen. Es gelang ihn schließlich seinen Vater zu überzeugen, und so konnte Hans Söhnker Schauspielunterricht nehmen. Zu seinen Lehrern zählte unter anderem auch Gustaf Gründgens. Als 19-Jähriger bekam er sein erstes Engagement: Hans Söhnker debütierte nun auf den Brettern des Kieler Schauspielhauses. Doch bald sollten auch andere Bühnen ihre Pforten für den Debütanten öffnen. So ging er 1924 über Frankfurt (Oder) nach Danzig, wo auch sein musikalisches Talent zum Vorschein kam, später nach Baden-Baden, Chemnitz und Bremen. Doch der Durchbruch sollte ihm vor allem in Berlin gelingen: Hans Söhnker wurde 1933 bei der Ufa vorstellig und bekam nach einigen Probeaufnahmen seine erste Filmrolle. Und das gleich als Partner einer Schauspielerin, die zu diesem Zeitpunkt schon ein gefeierter Star war.

Singend in die Prominenz

Hans Söhnker in dem Film Hallo Fräulein (1949)

Hans Söhnker in dem Film "Hallo Fräulein" (1949)

"Der Zarewitsch" hieß der Operettenstreifen von Victor Janson, in dem Hans Söhnker 1933 an der Seite von Martha Eggert sein Filmdebüt gab. Der Anfang war getan. Gleich folgten weitere Filme mit ihm aus der "leichten" Sparte: "Schwarzwaldmädel", "Ich sing' mich in dein Herz hinein", „Große Chance“ oder "Die Czardasfürstin" sind nur einige von ihnen. Und bald kamen weitere Rollen, die die Popularität des jungen Schauspielers immer weiter steigern sollten. So spielte er etwa mit Heinz Rühmann in dem Streifen "Der Mustergatte", er wirkte mit in den Filmen "Die Fledermaus", in der Komödie "Frau nach Maß" von Helmut Käutner oder auch in dem einzigen deutschen Film mit Ingrid Bergman "Die vier Gesellen". Ein neuer Stern war nun auf dem Ufa-Himmel aufgegangen, der sich endgültig in der Riege der Erfolgsgaranten unter den Schauspielern etabliert hatte. Auch das Spektrum seiner Rollen wurde immer breiter: zunehmend übernahm Hans Söhnker auch ernstere Rollen und bewies sich als hervorragender Charakterdarsteller. Dabei zeigte er sich auch von seiner menschlichen Seite: während des Nazi-Terrors soll er mit anderen Schauspielern immer wieder Juden vor den Nazis versteckt haben. Aufgrund einer Äußerung von Zarah Leander verlangte Goebbels von der Prominenz der damaligen Schauspieler ein "Treue-Bekenntnis zum Führer". „Der Spiegel“ vom 25.1.47 zitiert das Bekenntnis von Hans Söhnker mit den Worten: "Ich glaube an unseren Führer so, wie ich an den Sieg glaube." Raffinierter hätte man sich aus der Affäre kaum ziehen können.

Hans Söhnker (re.) und Hans Leibelt (li.) im Schlosspark Theater Berlin (1946)

Hans Söhnker (re.) und Hans Leibelt (li.) im Schlosspark Theater Berlin (1946)

Das Nachkriegskino und das Fernsehen

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Karriere von Hans Söhnker weiter. Noch 1945 trat er auf der Bühne des Schlosspark Theaters in Berlin auf. Immer wieder kehrte der Schauspieler auf die Bühne zurück. So trat er unter anderem an den "Münchner Kammerspielen", am Berliner "Schiller-Theater" oder auch am "Thalia-Theater" in Hamburg auf. Und bald sollte auch der deutsche Film auf den populären Hans Söhnker zugreifen. Der Anfang im Nachkriegsdeutschland kam 1948. In diesem Jahr kam in die Kinos ein Film, der in die Filmgeschichte eingehen sollte: man nannte den Streifen "Film ohne Titel". In den Hauptrollen in dieser romantischen Satire waren Hildegard Knef und Hans Söhnker zu sehen. Auf den Internet-Seiten des Filmmagazins Cinema ist über diesen Streifen nachzulesen: "Einer der klügsten deutschen Nachkriegsfilme: Amüsant und visionär nimmt er Kinoklischees aufs Korn, die wenig später Deutschlands Leinwände beherrschen sollten." Sowohl für den Regisseur wie auch für die Darsteller wurde dieser Film zum großen Erfolg, dem bald weitere folgen sollten. Insbesondere in den 50er-Jahren war Hans Söhnker von der Kino-Leinwand nicht weg zu denken. Zunehmend begann der Schauspieler auch für das Fernsehen zu arbeiten. Hier wirkte er vor allem in populären Serien mit. Es waren solche Serien wie etwa "Der Forellenhof", wo er den Hotelchef Otto Buchner spielte, oder die 13-Telige Reihe "Meine Schwiegersöhne und ich", in der er die Rolle des Schriftstellers Johannes Rosen übernahm. Und immer wieder gastierte Hans Söhnker in Krimireihen wie "Die fünfte Kolonne" oder "Der Alte". Insgesamt zählt man über 100 Filme, in denen er mitgewirkt hatte. Das Bundesverdienstkreuz, das "Filmband in Gold" oder auch ein Bambi sind nur einige der Auszeichnungen, mit denen Hans Söhnker geehrt wurde. Er starb am 20.4.81 in Berlin. Im Mai 1976 sprach Ilse Werner im Studio der Deutschen Welle mit Hans Söhnker über seine Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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