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Schauspieler im Gespräch

1976: Interview mit Hanne Wieder

"Ich fand die Sache fabelhaft" - Hanne Wieder über ihre Zeit beim Düsseldorfer Kom(m)ödchen

Hanne Wieder mit Günter Pfitzmann in Geschichten zu zweit

Hanne Wieder mit Günter Pfitzmann in "Geschichten zu zweit"

Sie war Schauspielerin, Regisseurin, Kabarettistin und Chansonsängerin, spielte beim Theater und beim Film und ihr Gesicht und ihre Stimme waren für das Publikum unverkennbar. Hanne Wieder gehörte jahrelang zum deutschen Kulturbetrieb der Nachkriegszeit.

"Schliff" beim Kabarett

Das Licht der Welt erblickte Hanne Wieder am 8.5.25 (nach eigenen "geschönten" Angaben 8.5.29) in Hannoversch-Münden. Mit 15 Jahren begann sie ihre schauspielerische Ausbildung an der Schauspielschule des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe. Bereits nach einem Jahr debütierte sie auf den Theaterbrettern: 1945 sang sie am gerade wiedereröffneten Theater in Stuttgart. Es war der Beginn eines Aufstiegs zur späteren "Veteranin deutscher Bissigkeit und Satire", wie sie die "Kölnische Rundschau" am 20.3.69 bezeichnete. Ihren kabarettistischen "Schliff" bekam Hanne Wieder in Düsseldorf: vier Jahre lang war sie dort von 1948 an am Kabarett "Kom(m)ödchen". Weitere Stationen waren das Hamburger Kabarett "Rendezvous" und das "Theater im Zimmer", das 1948 von Helmuth Gmelin gegründet wurde. Ab 1956 ging sie dann nach München, zum Kabarett "Kleine Freiheit", an dem sie drei Jahre lang mitwirkte. Doch inzwischen wurde auch der Film auf Hanne Wieder aufmerksam.

Debüt beim Film

Hanne Wieder (2 v.li.) in dem Film Das Mädchen Rosemarie (1958)

Hanne Wieder (2 v.li.) in dem Film "Das Mädchen Rosemarie" (1958)

1958 hatte der Film "Das Mädchen Rosemarie" von Rolf Thiele seine Premiere, der in Ansätzen an den Fall der Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt erinnerte. Hanne Wieder übernahm dort die Rolle der Marga. Und obwohl der "Skandalfilm" mit dem "echten" Fall wenig gemeinsam hatte, wurde er mehrfach ausgezeichnet: so etwa in Venedig mit dem Premio Pasinetti und dem Preis der Deutschen Filmkritik. Hanne Wieder war nun auch beim Film angekommen. Und es folgten bald weitere Filmengagements: in der Komödie "Mit Eva fing die Sünde an" oder auch in dem Musik-Film "Das Spukschloß im Spessart", einem "Grusical", wie ihn "Die Zeit" am 23.12.60 bezeichnete. Hanne Wieder war auch in zahlreichen Fernsehproduktionen zu sehen. So unter anderem in der TV-Serie "Immer Ärger mit der Wirtin", oder auch in dem Dauerrenner "Der Alte". Insgesamt konnte sie auf drei Dutzend Rollen zurückblicken, die sie beim Film übernahm.

Auf den Theaterbrettern

Neben dem Film und dem Kabarett blieb Hanne Wieder auch dem Theater verbunden. Ihre Theaterengagements führten sie an das Nordmark-Landestheater in Schleswig, an die Münchner Kammerspiele und an die Kleine Komödie in München. In Zürich und in Luzern übernahm sie auch Rollen in Musicals: unter anderem in "Can-Can" und in "Kiss me Kate" von Cole Porter. Hanne Wieder nahm auch zahlreiche Platten auf, auf denen sie vorwiegend Chansons sang und sie betätigte sich auch als Synchronsprecherin. Zusammen unter anderen mit Senta Berger, Romy Schneider oder auch Vera Tschechowa gehörte sie zu den Unterzeichnerinnen der Kampagne "Wir haben abgetrieben!", die 1971 von der Feministin Alice Schwarzer gegen den Paragraphen 218 initiiert wurde. Hanne Wieder starb am 11.5.90 in Feldafing. Zahlreich Gazetten würdigten sie in ihren Nachrufen als eine hervorragende Schauspielerin. "Der Spiegel" vom 25.5.90 schrieb unter anderem: "In Kinofilmen, Musicals und Fernsehproduktionen spielte sie nun sämtliche Rollen von der Nonne bis zur Nutte, überzeugend vor allem als schlagfertige Komödiantin…".

Im September 1976 sprach DW-Redakteur Klaus Goetze-Claren mit Hanne Wieder über ihre Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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