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Schauspieler im Gespräch

1976: Interview mit Dorothea Wieck

"Ich muss zugeben, es war für mich ein Bruch" - Dorothea Wieck über ihren Erfolg in dem Film "Mädchen in Uniform"

Dorothea Wieck (1934) / Personen, Portrait, Porträt, Rosen-Rüschen, Mode

Dorothea Wieck Schauspielerin

Ihren ersten Theatervertrag erhielt sie mit 16 Jahren in Wien am Theater in der Josefstadt, und sie soll ihn während einer Schülerreise abgeschlossen haben. Danach drehte sie auch einige Filme, bis schließlich 1931 der ganz große Durchbruch kam, der sie auch nach Hollywood führte. Doch trotz einiger weiterer beachtlicher Rollen blieb Dorothea Wieck für viele das Fräulein von Bernburg aus dem Filmerfolg "Mädchen in Uniform".

Merkwürdige Schülerfahrt

Dorothea Wieck kam am 3.1.1908 in Davos zur Welt. Sie wurde in eine Familie hineingeboren, die eine reiche künstlerische Vergangenheit vorzuweisen hatte. Unter anderem war sie auch mit Clara Schumann, mit der Gattin des Komponisten Robert Schumann, eng verwandt. Und recht früh begann sie sich für die Szene zu begeistern: mit zwölf Jahren erhielt sie Tanzunterricht und mit 15 Jahren begann sie ein Schauspielstudium bei Maria Moissi. Während einer Schülerfahrt nach Wien soll sie auch ihren ersten Vertrag beim Theater geschlossen haben: das Theater in der Josefstadt bot ihr die ersten Rollen an. Doch bald wurde auch Otto Falckenberg, der damalige Direktor und künstlerische Leiter der Münchner Kammerspiele, auf sie aufmerksam, der sie dann auch verpflichtete. In München glänzte sie in Carl Zuckmayers Schauspiel "Schinderhannes". Doch bald sollte auch der Film die junge Schauspielerin für sich entdecken.

Schicksalhafte Uniform

Dorothea Wieck in den 30-er Jahren

Dorothea Wieck in den 30-er Jahren

Ihren ersten Film drehte Dorothea Wieck 1926: es war die Komödie von Franz Seitz "Heimliche Sünder". Noch im gleichen Jahr stand die junge Schauspielerin in zwei weiteren Filmen vor der Kamera. Nach einigen weiteren Filmrollen kam nun der endgültige und ganz große Durchbruch. 1931 kam der Spielfilm "Mädchen in Uniform" der österreichischen Regisseurin Leontine Sagan in die Kinos. Dort spielte Dorothea Wieck die Rolle der Lehrerin Fräulein von Bernburg. Der Film wurde zu einem internationalen Erfolg und machte auch die Darstellerin international bekannt. Diese Bekanntheit reichte auch bis nach Übersee: die Paramount-Gesellschaft in Hollywood bot Dorothea Wieck einen Vertrag an, den sie auch annahm. In Hollywood stand sie allerdings nur zwei Mal vor der Kamera: in den eher unbedeutenden Filmen "Wiegenlied" und "Wo ist das Kind der Madeleine F." Da sie aber auch unter den Verdacht geriet, für die Nazis dort Spionage zu betreiben, kehrte Dorothea Wieck 1935 nach Deutschland zurück. Hier widersetzte sie sich den Absichten der Machthaber, sich als "Märtyrerin des Nationalsozialismus" feiern zu lassen, die sie dann beruflich fast gänzlich aufs "Abstellgleis" setzten.

Dorothea Wieck und Karlheinz Böhm in einer Szene aus dem Film Unternehmen Schlafsack (1955)

Dorothea Wieck und Karlheinz Böhm in einer Szene aus dem Film "Unternehmen Schlafsack" (1955)

Eine Schauspielschule in Berlin

"Der Spiegel" vom 1.10.47 konnte unter anderem melden: "Dorothea Wieck, die Berliner Bühnen- und Filmschauspielerin, ist nicht tot, wie fälschlicherweise nach dem Bombenangriff auf Dresden 1944 berichtet wurde." Vermutlich meinte das Magazin die Bombenangriffe vom Februar 1945, bei denen die Schauspielerin 4 Tage lang nach dem Angriff verschüttet gewesen sein und schwer verletzt überlebt haben soll. Dennoch versuchte sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder als Schauspielerin Fuß zu fassen. Sie spielte wieder Theater und wirkte auch an einigen Filmproduktionen mit. So war sie unter anderem in dem Drama "Das seltsame Leben des Herrn Bruggs" von Erich Engel, in dem Heimatfilm "Das Forsthaus in Tirol" von Hermann Kugelstadt oder auch in dem Drama "Anastasia – die letzte Zarentochter“ von Falk Harnack zu sehen. Zeitweise betrieb Dorothea Wieck auch eine Schauspielschule in Berlin, die sie 1961 gründete und sechs Jahre lang leitete. Doch ihren großen Erfolg aus dem Streifen "Mädchen in Uniform" konnte sie nicht mehr wiederholen. Dorothea Wieck starb am 19.2.86 in Berlin. In zahlreichen Nachrufen wurde nochmals an sie erinnert, und so schrieb etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 22.2.86 unter anderem: "Es scheint, als sei ihr Durchbruch zugleich der Höhepunkt ihrer Laufbahn geblieben. Ewige Jugend mit 'Mädchen in Uniform', über das Leben hinaus."

Im Februar 1976 sprach DW-Redakteur Klaus Goetze-Claren mit Dorothea Wieck über ihre Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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