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Schauspieler im Gespräch

1975: Interview mit Rudolf Platte

"Man soll nicht etwa glauben, Klamotte macht keinen Spaß" – Rudolf Platte über seine unzähligen Komödienrollen

Rudolf Platte (1961)

Rudolf Platte (1961)

Es herrscht Uneinigkeit bei den Angaben über die Anzahl der Filme, in denen er mitgewirkt hat. Die einen geben über 200 Streifen, die anderen knapp 300 an. Fest steht jedenfalls, dass der beliebte Schauspieler bis zu acht Filme im Jahr zu drehen vermochte. Rudolf Platte machte seinen Weg vom Provinztheater über den "Klamottier vom Dienst" ("Neue Zürcher Zeitung", 09.09.74) bis zum Charakterdarsteller – die Palette der Rollen war enorm.

Start in der Scheune

Rudolf Platte in dem Film Der Mann, der sich selber sucht (1950)

Rudolf Platte in dem Film "Der Mann, der sich selber sucht" (1950)

Zur Welt kam Rudolf Platte am 12.02.1904 in Dortmund und bereits als Teenager fasste er den Entschluss zum Theater zu gehen. So brach er das Gymnasium ab und begann an seiner schauspielerischen Karriere zu arbeiten. Der "Kölner Stadt Anzeiger" vom 03.12.66 zitiert Rudolf Platte mit folgenden Worten: "Mein erstes Engagement bekam ich dann an einem Harzer Wintertheater, das für die Bauern in einer Scheune Vorstellungen gab." Der Anfang war nun gemacht und es sollte eine Karriere werden, die sich nicht nur auf die Theaterbühne beschränken sollte. Sein weiterer Weg führte Rudolf Platte über kleinere und größere Bühnen in Düsseldorf, Bad Harzburg, Hildesheim und Wuppertal, bis er schließlich an das Lobe-Theater in Breslau kam. Dort entdeckte ihn Victor Barnovski und holte den jungen Schauspieler, dem offensichtlich das Komische am meisten lag, nach Berlin. 1927 wurde Rudolf Platte zum "Wahlberliner" und bald sollte sich seine Karriere nicht nur beim Theater, sondern auch beim Film entfalten.

Rudolf Platte mit Caterina Valente in dem Film Das einfache Mädchen (1957)

Rudolf Platte mit Caterina Valente in dem Film "Das einfache Mädchen" (1957)

"Klammotier vom Dienst"

Rudolf Platte wurde nun zunehmend zu einem gefragten Schauspieler auf den Berliner Bühnen und übernahm dort sowohl ernste wie auch komische Rollen. Und eben die Komik wurde bald zum Markenzeichen des Schauspielers, das ihm über Jahrzehnte anhaftete. Das Debüt beim Film kam 1929, mit einer Nebenrolle in dem Streifen "Revolte im Erziehungsheim". Doch erst über eine Nebenrolle in der Komödie "So ein Flegel" mit Heinz Rühmann von 1934 wurde Rudolf Platte für den Film endgültig entdeckt - dort spielte er den Tanzmeister Rettig. Es folgten nun unzählige Filme mit Rudolf Platte, die ihn zu einem der populärsten Komiker der Branche machten. Und es waren vor allem Allerweltsrollen, in die er meisterlich schlüpfte: Diener, kleine Ganoven, trottelige Kleinbürger – die Palette der Figuren war enorm. Noch 1974 nannte ihn die "Neue Zürcher Zeitung" den "Klammotier vom Dienst", als sie ihn anlässlich des 70. Geburtstages würdigte. Doch es sollte sich im Verlauf seiner Karriere erweisen, dass Rudolf Platte auch als Charakterdarsteller große Leistungen vollbringen konnte.

Schuster Voigt

Rudolf Platte in Berlin (1975)

Rudolf Platte in Berlin (1975)

Sein erster Erfolg als Charakterdarsteller kam 1955: Rudolf Platte spielte mit großem Erfolg in dem Spielfilm "Mamitschka" von Rolf Thiele den Vater einer kinderreichen böhmischen Familie, die nach dem Krieg zunächst in einem Auffanglager Zuflucht findet. Die "Neue Zürcher Zeitung" vom 09.02.74 erinnerte in diesem Zusammenhang: "Ein über zwei Jahrzehnte lang verhinderter Charakterkomiker war zu entdecken." Die erste Schicht der "Klammottenschablone" war nun abgelegt. Fünf Jahre später kam dann der ganz große Erfolg: als Schuster Voigt in der Fernsehverfilmung von "Der Hauptmann von Köpenick". "Ebenbürtig einem Werner Kraus, einem Max Adalbert" – so die gleiche NZZ. Und gerade das Fernsehen mit seinen Produktionen wurde zunehmend zum Wirkungsfeld von Rudolf Platte. Oft war der Schauspieler in den Krimiserien "Der Kommissar" und "Derrick" oder auch in anspruchvollen Fernsehspielen zu sehen. Und dennoch blieb für Rudolf Platte noch genügend Zeit, sich noch seiner "dritten Karriere" zu widmen: sowohl in den 60-er wie auch 70-er Jahren stand er auch auf der Theaterbühne und feierte Erfolge als Volksschauspieler, der sich aber auch als ernsthafter Charakterdarsteller immer wieder bewies. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, mit denen Rudolf Platte geehrt wurde, gehören unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und das Filmband in Gold. Rudolf Platte starb am 18.12.84 in Berlin. Sein Vermögen vermachte er dem Hermann-Gmeiner-Fonds zur Förderung der SOS-Kinderdörfer.

Im Oktober 1975 besuchte DW-Redakteur Klaus Goetze-Claren Rudolf Platte in seinem Haus in Berlin und sprach mit ihm über seine schauspielerische Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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