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Sportgeschichten

1975: Interview mit Rollo Gebhard

"In erster Linie habe ich die Nachrichten gehört und es ist eigenartig wie einen aus dieser Entfernung jede Kleinigkeit interessiert" - Rollo Gebhard über den Kontakt zur Heimat über die Deutsche Welle bei seinen Reisen

Weltumsegler Rollo Gebhard (2010)

Weltumsegler Rollo Gebhard (2010)

Drei Mal segelte er um die Welt, dabei als erster Deutscher im Alleingang. Während seiner Reisen überstand er Stürme, Kollisionen und einen Piratenüberfall. Rollo Gebhard war eine wahre Legende des deutschen Segelsports.

Quer durch das Mittelmeer

Das Licht der Welt erblickte Rollo Gebhard am 7.7.1921 in Salzburg. Nach dem Abitur in Dresden erwarb er bei der Luftwaffe umfassende Kenntnisse in Fotografie. Diese sollten sich später auf seinem weiteren Lebensweg als sehr nützlich erweisen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rollo Gebhard in Garmisch-Partenkirchen ansässig, versuchte sich als Schauspieler und führte einen Schallplattenladen. Erst als 35-Jähriger, nach dem frühen Tod seiner Frau, kam er auf den Geschmack des Segelns. Seine ersten Schritte als Segler machte Rollo Gebhard am Starnberger See auf der Hansa-Jolle "Solveig I". Drei Jahre dauerte es, bis er seine erste längere Segeltörn unternahm: 1959 durchquerte er das Mittelmeer, ein Jahr später plante er bereits eine längere Reise. Und diese sollte sich als abenteuerlich herausstellen.

Unter den Piraten

Rollo Gebhard (re.) erhält eine Spende von dem Schauspieler Sigmar Solbach für seine Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (1998)

Rollo Gebhard (re.) erhält eine Spende von dem Schauspieler Sigmar Solbach für seine Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (1998)

1960 machte sich Rollo Gebhard auf die nächste Seereise, die über das Mittelmeer und das Rote Meer in den Indischen Ozean führen sollte. Auf dieser Reise ging er in einer Bucht des Hadramaut vor Anker. Was dann passierte, wusste "Der Spiegel" vom 17.1.66 zu berichten: "als er an seinem Ankerplatz erwachte, sah er sich von Seeräubern umgeben, die nicht zur Statisterie eines Ali-Baba-Films, sondern zur Wirklichkeit des Arabischen Meeres gehörten." Nachdem er dem Anführer sein Transistorradio geschenkt hatte und die Piraten sich in der Vorratskammer des Seglers bedienten, durfte Rollo Gebhard nun weitersegeln. Drei Jahre später stellte der Abenteurer einen Rekord auf: in nur dreißig Tagen überquerte er im Alleingang den Atlantik mit dem 5,60 m langen Sperrholzboot "Solveig II". Damit war er der zehnte Mensch seit 1876, der es mit einem Boot unter sechs Meter Länge schaffte, wie "Der Spiegel" weiter zu berichten wusste. Doch es standen noch viel längere Reisen bevor.

Weltumsegler Rollo Gebhard im Hamburger Hafen zusammen mit seiner zweiten Frau Angelika auf seinem Motorboot Solveig VII (2001)

Weltumsegler Rollo Gebhard im Hamburger Hafen zusammen mit seiner zweiten Frau Angelika auf seinem Motorboot "Solveig VII" (2001)

40.000 Kilometer ohne Hafen

Um noch mehr Erfahrung reicher, startete Rollo Gebhard zu seiner ersten Weltumseglung. Diese absolvierte der Einhand-Segler allein in drei Jahren, 1967-1970, auf dem 7,30 m langen Fahrtenkreuzer "Solveig III". Damit war er der erste Deutsche, der eine solche Reise meisterte. Die zweite Weltumseglung dauerte vier Jahre und fand 1975-1979 statt. Während dieser Reise filmte und fotografierte Rollo Gebhard fleißig und nutzte dieses Material später für seine Vorträge, Filme und Bücher. Sein bekanntestes Werk, "Ein Mann und ein Boot", erschien 1980. Die längste Weltreise unternahm Rollo Gebhard zusammen mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Angelika Zilcher im Jahr 1983. Sie verbrachten auf der "Solveig IV" acht Jahre und stellten dabei auf dem Rückweg noch einen Rekord auf: in sechs Monaten legten sie 40.000 Kilometer zurück, ohne in irgendeinem Hafen vor Anker zu gehen. Nach seiner Rückkehr gründete der Tierschützer die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V., die bis heute sehr aktiv ist. Später ist der Segler auf ein Motorboot umgestiegen und bereiste vor allem europäische Gewässer. Rollo Gebhard wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem auch mit dem Bundesverdienstkreuz. Er starb am 27.12.13 in Bad Wiessee am Tegernsee.

Im März 1975 traf für die DW Gert Chlebinsky Rollo Gebhard auf seinem Boot und befragte ihn zu seiner zweiten Weltumseglung.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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