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Schauspieler im Gespräch

1975: Interview mit Karin Hübner

"Ich konnte machen, was ich wollte, ich war immer My Fair Lady" - Karin Hübner über ihren größten Erfolg

ARCHIV - Die deutsche Schauspielerin Karin Hübner spielt in dem im Berliner Hebbel-Theater inszenierten Theaterstück Piroschka die Titelrolle (1958)

Karin Hübner in Piroschka

Mit 22 Jahren war sie eine gefeierte Schauspielerin, doch Anfang der 60er-Jahre wurde sie zu einem Star, der sich mit einer Rolle in die Herzen des Publikums sang. Karin Hübner wurde als die deutsche Eliza Doolittle aus dem Musical "My Fair Lady" über Nacht zum Liebling des Publikums. Aber der Erfolg hatte auch seine Schattenseite.

Erster Erfolg mit Piroschka

Karin Hübner mit Paul Hubschmid in My Fair Lady

Karin Hübner mit Paul Hubschmid in "My Fair Lady"

Karin Hübner kam am 16.9.36 in Gera zur Welt. Die Bühnentätigkeit wurde ihr mit in die Wiege gelegt, denn ihre beiden Eltern waren Opernsänger. So absolvierte sie nach dem Abitur eine schauspielerische Ausbildung an der Max-Reinhardt-Schauspielschule in Berlin und spielte anschließend ihre ersten Rollen auf den Berliner Bühnen. Und der erste Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: am Hebbeltheater spielte Karin Hübner 1958 in der Inszenierung des Romans von Hugo Hartung "Ich denke oft an Piroschka" mit und eroberte als "Piroschka" das Publikum. Die Regie führte damals der bekannte Schauspieler und Regisseur Wolfgang Spier. Der Grundstein für eine erfolgreiche Schauspielkarriere war nun gelegt und es sollten noch drei Jahre verstreichen, bis dann schließlich der große Durchbruch kommen sollte.

Karin Hübner mit Wolfgang Lukschky in My Fair Lady (1963)

Karin Hübner mit Wolfgang Lukschky in "My Fair Lady" (1963)

Eliza Doolittle

1961 war das Jahr der Karin Hübner: im Oktober wurde am Theater des Westens die deutsche Erstaufführung des Musicals "My Fair Lady" gespielt, zu dem Frederick Loewe die Musik geschrieben hatte. Karin Hübner wurde zur ersten deutschen Eliza Doolittle und praktisch über Nacht deutschlandweit berühmt. Mit von der Partie waren auch Paul Hubschmid als Professor Higgins, Rex Gildo als Freddy und Friedrich Schoenfelder als Oberst Pickering. In dieser Rolle feierte sie auch große Erfolge auf den Bühnen von Hamburg, München, Wien und Zürich - insgesamt 850 Mal. Das Musical wurde auch auf Schallplatte eingesungen, die ebenfalls zu einem großen Erfolg wurde. "Der Spiegel" vom 16.12.64 wusste in diesem Zusammenhang zu berichten: "Vom Langspiel-Konzentrat der Berliner 'My Fair Lady'-Inszenierung – mit Karin Hübner als Eliza Doolittle und Paul Hubschmid als Professor Higgins – verkaufte die Hamburger 'Phillips Ton Gesellschaft' ohne nennenswerte Werbeanstrengungen in drei Jahren 500 000 Exemplare." Laut der gleichen Spiegelausgabe wurde dieser Erfolg auch mit der ersten deutschen "Diamantenen Schallplatte" gewürdigt. Auch Karin Hübner wurde 1962 in Berlin ausgezeichnet mit dem Preis der Jungen Generation in der Sparte "Darstellende Kunst". Alle Wege zum Ruhm standen ihr nun offen.

6 Monate auf Bewährung

Gegenüber ihrem großen Erfolg in "My Fair Lady" bleibt die Anzahl der Filme, in denen Karin Hübner mitwirkte, recht übersichtlich. Ihr Debüt vor der Kamera gab sie 1955 in dem Fernsehfilm "Peter Schlemihl". Es folgten im Laufe der Jahre weitere Filmrollen, die ihr angeboten wurden – knapp über zwei Dutzend. So wirkte sie unter anderem in Filmen wie "Die lustige Witwe" an der Seite von Peter Alexander mit, spielte auch in zwei Filmen aus der Reihe "Tatort" und stand auch in dem Krimi "Hotel Royal" an der Seite von Joachim Fuchsberger vor der Kamera. Dennoch - für das Publikum blieb sie die unvergessene Eliza Doolittle. Zunehmend machten aber der Schauspielerin auch private Schwierigkeiten zu schaffen. Bis schließlich etwa die "Süddeutsche Zeitung" am 16.9.82 zu melden wusste: "Karin Hübner als Brandstifterin vor Gericht". Davor lag ein Selbstmordversuch der Schauspielerin durch Anzünden der eigenen Wohnung. Die 1. Strafkammer des Landgerichts München verurteilte Karin Hübner schließlich zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Nach einigen weiteren Versuchen, beruflich wieder Fuß zu fassen, zog sie sich 1987 aus dem Showgeschäft völlig zurück. Karin Hübner starb am 25.7.06 in München.

Im Juli 1975 sprach DW-Redakteurin Ellen Gödde mit Karin Hübner über ihre schauspielerische Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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