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Schauspieler im Gespräch

1974: Interview mit Tatjana Sais

"Ich habe eigentlich immer wieder von vorne angefangen" - Tatjana Sais über den Verlauf ihrer Karriere

Tatjana Sais (1959)

Tatjana Sais (1959)

Mit vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf der Bühne: als Ballettelevin an der Frankfurter Oper. Später spielte sie an verschiedenen Theaterbühnen und in Filmen. Doch entdeckt wurde sie für das Kabarettmetier, dem sie dann auch Jahre die Treue hielt. Tatjana Sais gehörte zu der obersten Liga im deutschen Vor- und Nachkriegskulturbetrieb.

Früher Start

Zur Welt kam Tatjana Sais am 28.1.1910 in Frankfurt am Main. Eine Theaterbühne betrat sie zum ersten Mal am Alter von vier Jahren und absolvierte später eine Tanz- und Schauspielausbildung. Das erste Engagement ließ nicht lange auf sich warten. Als "Charakterspielerin und jugendliche Salondame", wie der "Tagesspiegel" vom 27.1.80 zu berichten weiß,  wurde sie mit siebzehn Jahren an das „Neue Theater“ in Frankfurt  für die Aufführung der "Dreigroschenoper" verpflichtet. Knapp fünf Jahre sammelte sie nun ihre Erfahrungen, bis sie 1932 nach Berlin umsiedeln und nun hier an ihrer Karriere arbeiten sollte.

"Katakombe" und "Tatzelwurm"

Die Kabarettistin Tatjana Sais als Fräulein Schröder in einer Probe zur Erstaufführung des Musicals Cabaret am 29.12.1978 am Berliner Theater des Westens

Die Kabarettistin Tatjana Sais als "Fräulein Schröder" in einer Probe zur Erstaufführung des Musicals Cabaret am 29.12.1978 am Berliner Theater des Westens

"Der Spiegel" vom 29.12.49 berichtete über die Anfänge von Tatjana Sais in Berlin mit folgenden Worten: "In ihrem ersten Berliner Jahr, 1932, spielte sie nicht, sie probte nur. An acht verschiedenen Bühnen. Überall kam die Pleite der Aufführung zuvor." Bis die junge Schauspielerin nun ein Engagement an der Berliner Volksbühne erhielt, wo sie auch zahlreich Rollen übernahm. Doch der eigentliche Erfolg kam etwas später: Werner Fink, der Gründer und Leiter des Kabaretts "Katakombe", entdeckte Tatjana Sais für diese Bühne, auf der sie nun als Diseuse sehr erfolgreich wurde. Außerdem bekam sie auch einige Rollenangebote vom Film. Nach dem Verbot des Kabaretts 1935 durch die Nazis, entschloss sich Tatjana Sais ein eigenes Kabarett zu gründen: der "Tatzelwurm" machte seine Tore auf. Dort traf sie den Kabarettisten, Komponisten und Pianisten in Personalunion Günter Neumann, und diese Begegnung sollte sich als schicksalhaft für die junge Schauspielerin erweisen: er wurde für viele Jahre ihr Ehemann. Diese Verbindung sollte sich auch nach dem Krieg noch über Jahre als produktiv erwiesen.

Tatjana Sais gehörte zu den Gründern des Kabaretts Die insulaner

Tatjana Sais gehörte zu den Gründern des Kabaretts "Die Insulaner"

"Die Insulaner"

In den frühen Nachkriegsjahren gehörte Tatjana Sais mit ihrem Ehemann 1948 zu den Gründern des legendären Radio-Kabaretts des Rias-Senders "Die Insulaner". Dieses Programm gehörte viele Jahre zum Repertoire des Senders und wurde zunächst im Hörfunk und später auch im Fernsehen ausgestrahlt. Im gleichen Jahr kam auch ein Film aus der Feder von Günter Neumann in die Kinos: die "Berliner Ballade". Diese Satire erzählte die Geschichte eines Heimkehrers nach Berlin, der sich in der zerstörten Stadt nicht zurecht findet. An der Seite von Gert Fröbe, der mit seinem "Otto Normalverbraucher" dem deutschen Publikum endgültig bekannt wurde, spielte Tatjana Sais die weibliche Hauptrolle und der Streifen wurde zu einem großen Erfolg. Es folgten nun einige weitere Filme, in denen Tatjana Sais mitwirkte. So etwa die Filme "Herrliche Zeiten", "Wir Wunderkinder" oder auch "Dr. med. Hiob Prätorius" mit Heinz Rühmann in der Titelrolle. Daneben nahm sie auch Schallplatten mit Chansons auf und trat auf den Theaterbühnen von Hamburg, Berlin und Bremen auf. Tatjana Sais starb am 26.2.81 in Berlin. Die Gründung der Günter-Neumann-Stiftung, die zur Förderung der Arbeit auf dem Gebiet des Kabarett- und Revuetheaters geschaffen wurde, geht auf ihre Initiative zurück.

Im August 1974 sprach DW-Redakteur Klaus Götze-Claren mit Tatjana Sais über ihre Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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