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Schauspieler im Gespräch

1974: Interview mit Peter Lühr

"Das ist eine wunderbare Erholung für mich" - Peter Lühr über seine Gastspiele außerhalb der Münchner Kammerspiele

Peter Lühr in dem Lustspiel Das kleine Hofkonzert (1976)

Peter Lühr in dem Lustspiel "Das kleine Hofkonzert" (1976)

Er war vor allem ein Mensch der Theaterbretter, der mit zunehmendem Alter auch sein Schauspiel zur völligen Perfektion entwickelte und vor allem den Münchner Kammerspielen zum Ruhm verhalf. Er war aber auch in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, und das mit dem gleichen großen Erfolg. Und noch eine Besonderheit zeichnete ihn aus: er stand niemals in den Schlagzeilen der einschlägigen Skandalpresse. Peter Lühr gehörte zu den ganz Großen des deutschen Theaterbetriebs, den er entscheidend mitprägte.

Der Perfektionist

Peter Lühr kam am 3.5.1906 in Hamburg zur Welt und verbrachte dort nach eigenen Angaben eine behütete und sorglose Kindheit. Nach dem Abitur wollte er den Beruf eines Sängers oder Tänzers ergreifen, doch schließlich verwarf er diese Pläne und nahm Schauspielunterricht. Bald debütierte er auch auf der Theaterbühne – am Kleinen Lustspielhaus in Hamburg. Es folgten weitere Engagements in Harburg, Dessau, Kiel, Kassel, Düsseldorf und Leipzig. 1947 sollte für den Schauspieler ein Schicksalsjahr werden: der damalige Intendant der Münchner Kammerspiele Erich Engel holte ihn an diese Bühne, und dort sollte Peter Lühr rund 40 Jahre tätig bleiben. Im Laufe der Jahre verfeinerte er seine Schauspielkunst und wurde an den Münchner Kammerspielen "zu einer Instanz", "zum Gewissen der Inszenierungen, an denen er teilnahm", wie die "Süddeutsche Zeitung" vom 22.6.81 schrieb. Und sein Repertoire wuchs ebenfalls ständig, so dass Peter Lühr sowohl Rollen des klassischen Theaters als auch der Moderne mühelos übernehmen konnte. Unvergessen bleiben seine Erfolge als Oppenheimer in Heinar Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer" oder auch als Estragon in "Warten auf Godot" von Samuel Beckett, um nur einige zu nennen. Peter Lühr betätigte sich auch als Regisseur. So inszenierte er mit großem Erfolg unter anderem den "Kirschgarten" von Anton Tschechow oder auch das Versdrama von Pedro Calderón de la Barca "Das Leben ist ein Traum". Doch es sollte nicht nur das Theater von der hohen Kunst des Schauspielers profitieren.

Vier Dutzend Filmrollen

Peter Lühr *03.05.1908-15.03.1988 Schauspieler, BRD - Aufnahme 1987

Peter Lühr (1987)

Bereits drei Jahre nach seinem Engagement an den Münchner Kammerspielen wurde auch der Film auf Peter Lühr aufmerksam. 1950 stand er zum ersten Mal vor der Kamera: in einer Nebenrolle in dem Film "Der Mann, der zweimal leben wollte" von Viktor Tourjansky, mit Rudolf Forster in der Hauptrolle als Professor Hesse. Es folgten dann weitere Rollen in Filmen wie "Es geschah am 20. Juli" von Georg Wilhelm Pabst, "Der Richter und sein Henker" von Franz Peter Wirth oder auch in dem Kriegsdrama "Hunde, wollt ich ewig leben?" von Frank Wisbar. Auch bei der Verfilmung der "Buddenbrooks" 1959 war Peter Lühr als Dr. Langhals dabei. Ebenfalls dabei war er in dem Film-Essay "Hitler - Ein Film aus Deutschland" von Hans-Jürgen Syberberg. Peter Lühr war auch in verschiedenen Fernsehproduktionen zu sehen. So unter anderem in den Krimi-Serien "Der Kommissar", "Der Alte" oder "Derrick". Ferner wirkte er in TV-Serien mit wie "Jean-Christophe" oder auch in der Verfilmung der "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" von Thomas Mann. Insgesamt konnte Peter Lühr auf knapp vier Dutzend Filmrollen zurückblicken. Für seine schauspielerischen Leistungen wurde er 1981 mit dem kulturellen Ehrenpreis der Stadt München ausgezeichnet. Die "Süddeutsche Zeitung" vom 22.6.81 bemerkte in diesem Zusammenhang: "Diese Ehrung trifft einen, der sich nicht nach dergleichen gedrängt hat." Peter Lühr starb am 15.3.88 in München. Die Gazetten ehrten ihn in ihren Nachrufen als einen der größten deutschen Schauspieler. So schrieb "Der Spiegel" vom 21.03.88 unter anderem: "Er konnte alles, und weil er es konnte, sah alles ganz leicht aus."

Im Dezember 1974 sprach DW-Mitarbeiter Klaus Colberg mit Peter Lühr über seine Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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