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Schauspieler im Gespräch

1973: Interview mit Maria Wimmer

"Ich habe die Briefszene vorgesprochen, die hauptsächlich stumm ist, ich habe halt gespielt" – Maria Wimmer erinnert sich an ihre Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Leipzig

Maria Wimmer

Schauspielerin Maria Wimmer

Es waren nicht viele Filme, in denen sie mitwirkte – etwas über zwei Dutzend an der Zahl, doch umso fester stand sie auf den deutschsprachigen Theaterbühnen. Man nannte sie "die Callas des Wortes" und sie war eine der größten Tragödinnen vergangener Jahrzehnte. Maria Wimmer legte eine sagenhafte Karriere hin, die ihr auch so manche wertvolle und bedeutende Auszeichnung bescherte.

Der Karrierestart

Geboren wurde Maria Wimmer am 27.1.1911 in Dresden. Nach dem Abitur absolvierte sie an der Leipziger Schauspielschule eine Ausbildung und bekam bald ihr erstes Engagement. 1932 begann am Stettiner Stadttheater eine Karriere, die später eine der größten Tragödinnen hervorbringen sollte. Nach zwei in Stettin verbrachten Jahren ging Maria Wimmer nach Frankfurt am Main, wo sie drei Jahre an den Städtischen Bühnen tätig war. Es folgten weitere Engagements am Schauspielhaus Hamburg und schließlich in München, wo sie am Residenztheater und den Kammerspielen tätig war.

Die "Callas des Wortes"

Maria Wimmer, die seit 1957 als freie Schauspielerin arbeitete, gastierte nun an zahlreichen Bühnen des deutschsprachigen Theaters und erreichte bald den Ruf einer hervorragenden Tragödin. An den Kammerspielen in München, an den Städtischen Bühnen Düsseldorf, an der Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Zürich, am Wiener Burgtheater, am Schillertheater Berlin und am Renaissance-Theater Berlin feierte sie große Erfolge mit ihrer Interpretation solcher klassischen Frauenrollen wie das Gretchen, Maria Stuart oder auch Lady Macbeth, um nur einige wenige aus ihrem imposanten Repertoire zu nennen. Doch Maria Wimmer brillierte auch bei Inszenierungen moderner Literatur. Beeindruckt von ihrer Interpretationskunst, bezeichnete bald die Kritik diese Charakterdarstellerin als "die Callas des Wortes". Bereits 1967 wurde Maria Wimmer eine große Ehre zuteil. Anlässlich ihres 65-jährigen Bühnenjubiläums stiftete Tilla Durieux ein wertvolles Collier für außerordentliche Leistungen einer Schauspielerin. Erste Trägerin dieser Auszeichnung für zehn Jahre wurde Maria Wimmer. Und es sollte nicht nur bei der einen bleiben.

Der Orden "Pour le Mérite“

1973 wurde Maria Wimmer mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet

1973 wurde Maria Wimmer mit dem Orden "Pour le Mérite" ausgezeichnet

Im Gegensatz zum Theater, hat Maria Wimmer relativ wenige Filmrollen angenommen. Das erste Mal stand sie vor der Kamera 1950, in dem Drama von Harald Braun "Der fallende Stern". Dort übernahm sie die Rolle der erwachsenen, depressiven Elisabeth Hollreiser. Im Laufe der Jahre folgten weitere Filme, in denen sie mitwirkte. So spielte sie etwa in dem Streifen "Sauerbruch – Das war mein Leben" aus dem Jahr 1953 oder auch in der ARD-Miniserie "Die Dämonen". Ihren letzten Film drehte Maria Wimmer 1980, die Komödie "Kolportage" von Peter Weck. Im Jahre 1973 wurde sie als erste Schauspielerin mit dem Orden "Pour le mérite für Wissenschaft und Künste" ausgezeichnet. Ein Jahr darauf wurde ihr das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern verliehen. Einen späten großen Erfolg feierte die Schauspielerin mit dem Monologstück von Marty Martin "Gertrude Stein Gertrude Stein Gertrude Stein". Maria Wimmer starb am 4.1.96 in der Schwarzwälder Klinik Bühlerhöhe.

Im März 1973 sprach DW-Mitarbeiterin Elisabeth Bachtler mit Maria Wimmer über ihre schauspielerische Arbeit.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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