1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Schauspieler im Gespräch

1973: Interview mit Evelyn Künneke

"Ich bin so sprachbegabt wie ein Papagei" - Evelyn Künneke beherrschte sechs Sprachen

Evelyn Kuenneke. Kuenneke whose tune

Schauspielerin Evelyn Künneke

Ihr schauspielerisches und privates Leben hatten viel gemeinsam: abwechselnd Höhen und Tiefen durchzogen es in den Jahren, dennoch spielte sie im Theater und Film, sie sang und tanzte im Variete, später ersang sie sich sieben goldene Platten, trat auch im Fernsehen auf und brachte es schließlich zu dem Spitznamen "Deutschlands heißeste Oma". Evelyn Künneke war eine der schrillerndsten Persönlichkeiten im deutschen Kulturbetrieb.

Der erste Schlager

Das Licht der Welt erblickte Evelyn Künneke am 15.12.21 in Berlin als Tochter des bekannten Operettenkomponisten Eduard Künneke und einer Opernsängerin. Mit siebzehn Jahren begann ihr Weg auf die Bühne und vor die Kamera. Zunächst trat Evelyn Künneke als Solotänzerin in der Berliner Staatsoper auf, dann trat sie bei Varietes und im Kabarett auf und bald entdeckte sie auch das Chanson und den Swing für sich. Bei so viel Präsenz dauerte es auch nicht lange, bis der Film auf die junge und attraktive Schauspielerin aufmerksam wurde. Ein Film mit Marianne Hoppe und Hans Söhnker mit dem Titel "Auf Wiedersehen Franziska" von 1941 sollte Evelyn Künneke zum Erfolg verhelfen. Dort stand sie zum ersten Mal in einer kleinen Nebenrolle vor der Kamera, doch ein Lied, das sie in diesem Film sang, erwies sich als Schlager: "Sing, Nachtigall sing" wurde nach "Lili Marleen" zum zweiten Ohrwurm der Nation und der Soldaten, bei denen Evelyn Künneke oft als "Wehrmachtsbetreuerin" auftrat. Der Sprung nach oben war nun geschafft.

Sieben Mal Gold

Evelyn Kuenneke alias Eva-Susanne Kuenneke: Die deutsche Saengerin, Taenzerin und Schauspielerin in den 90er Jahren.

Evelyn Kuenneke

Nach dem Ende des Zweiten Wltkrieges setzte Evelyn Künneke ihre vielseitige Karriere fort. Vor allem in den 50er- und 60er-Jahren steigerte sie ihre Popularität mit Schallplatten und Filmen. Es waren meistens Musikfilme und Komödien, in denen sie mitwirkte. Filme wie "Heimliches Rendezvous", "Die verschleierte Maja" oder auch "Große Starparade" sind nur einige von ihnen. 1958 drehte sie den letzten aus diesem Genre: die Revue-Produktion der DDR "Meine Frau macht Musik". Und allein für ihre Musikaufnahmen wurde sie sieben Mal mit der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Danach sollte es etwas ruhiger um die Schauspielerin werden.

Schauspielerin Helen Vita (Jahrgang 1928) Miot der Schauspielerinnen Helen Vita und Brigitte Mira (nicht im Bild) ging Evelyn Künneke auf Tournee

Mit der Schauspielerinnen Helen Vita und Brigitte Mira (nicht im Bild) ging Evelyn Künneke auf Tournee

Das Comeback

Ein Comeback im Film erlebte Evelyn Künneke in den 70er-Jahren: so spielte sie etwa in dem Film "Faustrecht der Freiheit " von Rainer Werner Fassbinder. Mit dem nicht minder bedeutenden Regisseur Rosa von Praunheim drehte sie den Dokumentar-Film "Ich bin ein Antistar. Das skandalöse Leben der Evelyn Künneke". Das Porträt der Schauspielerin, die selbst von ihrem schrillen und glamourösen Leben erzählt, war ein voller Erfolg. Es wurde auch in New York, im Museum of Modern Art gezeigt. Spätestens von da an nannte sich Evelyn Künneke selbst nunmehr "die Fette aus Dingsda", der "Antistar" und die "Callas der Subkultur". Später gesellte sich noch der Spitzname „"eutschlands heißeste Oma" hinzu. Diese Bezeichnung geht auf den Refrain eines von ihren Schlagern zurück. Evelyn Künneke entwickelte nun eine rege Tätigkeit: so gastierte sie mit ihren Chansons auf verschiedenen Kleinkunstbühnen, brachte die nächste Langspielplatte heraus, absolvierte Fernsehshows und ging schließlich mit Helen Vita und Brigitte Mira mit der Revue "Drei alte Schachteln" auf Tournee. 2001 trat sie das letzte Mal vor die Kamera: in der Komödie "Ausziehn!" von Peter Morlock. Evelyn Künneke starb am 28.4.01 in Berlin.

Im Mai 1973 besuchte Evelyn Künneke die DW und erzählte DW-Redakteur Wolfgang Sauer über ihr Leben.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

Audio und Video zum Thema