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Schauspieler im Gespräch

1972: Interview mit Heidemarie Hathayer

"Ich war sehr ungern dort" - Heidemarie Hathayer über ihre Zeit bei der Operette

Die Schauspielerin Heidemarie Hatheyer, aufgenommen 1954. Sie wurde am 08.04.1918 in Villach in Kärnten geboren und starb am 11.05.1990 in Zollikon nahe Zürich. Foto: Votava +++(c) dpa - Report+++

Deutschland Schauspielerin Heidemarie Hatheyer

Sie war ein Star auf der Theaterbühne und auf der Leinwand. Ihre Karriere begann 1936 in Wien, die sie bald in Berlin fortsetzte und wo sie auch bereits nach vier Jahren mit einer Filmrolle zur Berühmtheit wurde. Heidemarie Hatheyer war eine Schauspielerin, von der etwa „Die Welt“ am 10.6.78 zu berichten wusste: "Wenn die Hatheyer spielt, rast das Theaterpublikum". Sie war aber auch ein Star, der noch im hohen Alter die Kamera nicht scheute.

„Die Geierwally“

Zur Welt kam Heidemarie Hatheyer am 8.4.1918 in Villach in Kärnten. Ursprünglich wollte sie eine journalistische Laufbahn einschlagen, doch dann entschied sie sich anders: eine schauspielerische Ausbildung war nun ihr Ziel. Diese absolvierte sie dann auch bei Anna Kainz in Wien. Ihre ersten Schritte auf der Bühne machte Heidemarie Hatheyer in dem Wiener "Kabarett am Naschmarkt", bald jedoch, 1936, wurde sie am Theater an der Wien engagiert, wo sie in der Operette "Axel vor der Himmelstür" neben Zarah Leander spielte. Nach nur einem Jahr wurde sie an die Münchner Kammerspiele verpflichtet, wo sie bald durch ihre erste Rolle bekannt wurde: als Anuschka in dem Drama "Der Gigant" von Richard Billinger. Der unaufhaltsame Aufstieg begann: Luis Trenker ermöglichte Heidemarie Hatheyer das Debüt in der Kinowelt, indem er sie 1937 für sein Epos "Der Berg ruft" engagierte. Doch erst drei Jahre später sollte sich der ganz große Erfolg einstellen. In der Literaturverfilmung "Die Geierwally" von Hans Steinhoff übernahm Heidemarie Hatheyer die Rolle der Wally Fender und wurde mit dieser Figur "über Nacht" berühmt.

Auf Wanderschaft

Szene aus dem Film Ich klage an (1941)

Szene aus dem Film "Ich klage an" (1941)

Nach dem Riesenerfolg auf der Kinoleinwand war es nur eine Frage der Zeit, dass auch führende deutsche Theaterhäuser auf die Schauspielerin aufmerksam wurden. 1940 kam dann auch ein Ruf aus Berlin: 1942 holte Gustaf Gründgens Heidemarie Hatheyer ans Berliner Staatstheater, wo sie weitere Erfolge feierte und auch einige Filme drehte. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb ihre Rolle in dem Film "Ich klage an", der die Problematik der Sterbehilfe zum Inhalt hatte und so die staatliche Euthanasie-Praktiken bestärken sollte, nicht unumstritten. Jedoch bereits 1946 stand Heidemarie Hatheyer wieder auf der Bühne. Ihr erstes Nachkriegsengagement führte sie an das Staatsschauspiel und an die Kleine Komödie in München. Doch es sollte kein Dauerzustand werden. Bald feierte die Schauspielerin wieder Erfolge in Berlin, am Berliner Schillertheater, dem schloss sich ein Engagement in Düsseldorf bei Gustav Gründgens an, gefolgt von einem Aufenthalt in Hamburg am Thalia-Theater und ein erneutes Engagement in Berlin, diesmal am Renaissance-Theater, machte nun zunächst die "Odyssee" rund. Doch ein Theater unter den vielen sollte für Jahre ihre "schauspielerische Heimat" werden.

Der Rausschmiss

In der Spielssaison 1955/56 erhielt Heidemarie Hatheyer ein Engagement am Züricher Schauspielhaus. Dort spielte sie zunächst mit großem Erfolg in der schweizerischen Uraufführung des Dramas "Requiem für eine Nonne" von William Faulkner mit. Dieses Engagement an dieser Bühne sollte sich dann festigen, denn Heidemarie Hatheyer gehörte dem Ensemble sechsundzwanzig Jahre an. Dieses jahrelange Verhältnis endete jedoch mit einer Enttäuschung für die Schauspielerin. Der neugewählte Direktor des Schauspielhauses, Gerd Heinz, erklärte 1982, dass er "keine Möglichkeit sehe, sie je wieder zu verwenden." In diesem Zusammenhang fragte die "Weltwoche" am 14.7.82: „… ob allein Regisseure heute noch im deutschsprechenden Raum sich dermaßen asozial aufführen können, wie nicht Heinz alleine das tut, sondern eine ganze Anzahl der sogenannten 'Jung-Regisseure, die fast alle von sich behaupten, sie seien Linke.'" Heidemarie Hatheyer spielte nun an zahlreichen anderen Bühnen, unternahm auch Tourneen, bis sie sich schließlich eine Pause verordnete. Diese dauerte fünfundzwanzig Jahre. 1988 kehrte sie auf die Leinwand zurück mit einer Rolle, die ihr großen Erfolg brachte: sie übernahm die Titelrolle in dem Film „Martha Jellneck“ von Kai Wessel. Zu den zahlreichen Ehrungen, mit denen Heidemarie Hatheyer ausgezeichnet wurde, gehören unter anderem der Grillparzer-Ring oder auch das Filmband in Gold. Sie starb am 11.5.90 in Zollikon in der Schweiz.

Im September 1972 sprach DW-Redakteur Klaus Goetze-Claren mit Heidemarie Hatheyer unter anderem über ihre Karriere.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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