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Schauspieler im Gespräch

1971: Interview mit Lucy Millowitsch

"Persönlich hasse ich Schwänke" - Lucy Millowitsch über die Gründe ihrer späteren Bühnenabstinenz

Außenansicht vom Millowitsch-Theater

Außenansicht vom Millowitsch-Theater

Ihr Name steht für Köln wie der Kölner Dom. Lucy Millowitsch, die ältere Schwester des beliebten Schauspielers Willy Millowitsch, war der Stadt und ihrem Familientheater über das ganze Leben verbunden. Doch die populäre Volksschauspielerin zeichnete sich auch durch ihre menschliche Seite aus.

Eine traditionsreiche Theaterfamilie

Lucy Millowitsch kam am 8.11.1905 in Chemnitz zur Welt. Und dass sie den Beruf einer Schauspielerin ergreifen würde, war für sie vorbestimmt. Denn sie stammte aus einer Schauspielerfamilie, die sich schon über Generationen den Theaterbrettern verschrieben hatte. Bereits im 18. Jahrhundert hatten ihre Vorfahren ein Puppentheater gegründet. Schon recht früh stand Lucy Millowitsch mit ihrem Vater und mit ihrem Bruder Willy auf der Bühne, bis schließlich 1936 auch das eigene Theater, das Millowitsch-Theater, gegründet wurde, in dem dem Publikum leichte Unterhaltung serviert wurde. Die Popularität von Lucy Millowitsch wuchs mit jeder Vorstellung, so dass schließlich auch der Film auf sie aufmerksam wurde. Das erste Mal stand sie vor der Kamera in dem Drama "Die Unbekannte" von Frank Wisbar. Bald folgten weitere Filmrollen, in denen die junge Schauspielerin ihr Talent zu beweisen wusste. So spielte sie unter anderem in den Filmen "Komödianten" von Georg Wilhelm Pabst, in der Komödie "Kornblumenblau" von Hermann Pfeiffer oder auch in dem Drama "Mein Leben für Irland" von Max W. Kimmich. Doch das Familientheater sollte für Lucy Millowitsch immer im Vordergrund bleiben.

Neubeginn in Köln

In einem Brief an Lucy Millowitsch ist unter anderem zu lesen "Liebe Frau Lucy! Haben Sie herzlichen Dank für Ihren Brief vom 2. Januar. Ich hoffe mit Ihnen, dass das Jahr 1948 doch den Anfang der Besserung bringen wird. Einmal wird für das deutsche Volk ja doch wieder eine bessere Zeit kommen, wenn es sich nicht selbst aufgibt." Der Absender des Briefes: Konrad Adenauer. Und die Bekanntschaft war bei weitem nicht zufällig. Denn auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Kölner Oberbürgermeisters öffnete Lucy Millowitsch gemeinsam mit ihrem Bruder Willy bereits im September 1945 ihr Theater wieder für das Publikum. Der spätere Bundeskanzler war nämlich der Meinung: "Die Leute sollen wieder wat zu lachen haben!" Das Volksstück "Das Glücksmädel" wurde bald zu einem großen Erfolg. Und es sollte nicht nur bei dem einen bleiben.

Bei den Indianern Venezuelas

Im Oktober 1953 fand in der Bundesrepublik eine Premiere statt, die die Popularität von Lucy Millowitsch und ihrem Bruder noch weiter steigern sollte. Der NWDR, der heutige WDR, übertrug zum erstem Mal in der Geschichte des Fernsehens eine Aufführung eines Theaterstücks. Mit dem Schwank "Der Etappenhase" wurde Lucy Millowitsch bundesweit über Nacht zum Star. Weitere Übertragungen aus dem Millowitsch-Theater folgten bald, wobei sich für diese Zeit die Straßen immer häufiger leerten. Doch die Schauspielerin hatte zunehmend auch andere Interessen entwickelt. Denn Lucy Millowitsch bereiste gerne die Welt. Ihr Augenmerk fiel besonders auf Venezuela. Dort engagierte sie sich für die Verbesserung der problematischen Lage der eingeborenen Indianer. Und dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann, Josef Haubrich, kennen, dessen Nachlass sie später betreute. Bis heute ist seine Kunstsammlung in Köln zu bewundern. Lucy Millowitsch starb am 21.6.90 in Köln.

Im Oktober 1971 sprach Marianne Schickert-Asbrock für die DW mit Lucy Millowitsch über ihr bewegtes Leben.

Autor: Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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