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Sport

1924 wird in Chamonix auch der Winter olympisch

28 Jahre nach der Wiedergeburt der Olympischen Spiele 1896 in Athen kommen auch die Wintersportler endlich ausgiebig zum Zug. 1924 treffen sich im französischen Chamonix 258 Eis- und Schneesportler zum fairen Wettstreit.

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Das Olympiastadion von Chamonix 1924

1896 gab es die ersten Olympischen Sommerspiele der Neuzeit, die von Pierre de Coubertin initiiert wurden. Schon damals gab es immer wieder Bestrebungen im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), auch Wintersportarten ins Programm aufzunehmen. Nachdem es 1908 in London zum ersten Mal Eiskunstlaufwettbewerbe gab, ist die Geburtsstunde der Olympischen Winterspiele aber erst 1924.

Eine von den Organisatoren der Sommerspiele von Paris veranstaltete 13-tägige „Wintersportwoche“ im französischen Chamonix wird zwei Jahre später auf der IOC-Session in Lissabon nachträglich zu den ersten Olympischen Winterspielen aufgewertet. Schon 1925 wurde beschlossen, ab 1928 im vierjährigen Rhythmus auch Winterspiele zu veranstalten.

14 Goldmedaillen werden vergeben

Chamonix 1924 Olymische Winterspiele Langlauf

Der norwegische Skilangläufer Thorleif Haug

Die ersten Winterspiele 1924 waren mit den heutigen nicht zu vergleichen. Während bei den 21. Winterspielen im kanadischen Vancouver gut 2.500 Sportler teilnehmen werden, waren es in Chamonix nur 258, davon 13 Frauen. Auch sonst war alles noch ein bisschen kleiner, so der Sporthistoriker Karl Lennartz: „Damals gab es 14 Wettbewerbe, heute dagegen weit über 70. Aber die Grundlage war da: Man spielte Eishockey, es gab das Bobfahren, es hat Skisprung gegeben und Langläufe. Aber Rennrodeln oder die Alpin Ski gab es noch nicht.“

Die Idee, Wintersportarten ins olympische Programm zu nehmen, wurde von Beginn an von mehreren Nationen im IOC unterstützt. Allerdings hatten besonders die Skandinavier etwas dagegen, weil sie schon seit 1901 eigene Nordische Winterspiele hatten. Das IOC machte trotzdem den Weg frei für die erste olympische Wintersportwoche.

Coubertin war gegen Winterspiele

Pierre de Coubertin Vater der modernen olympischen Spiele

Wollte keine Winterspiele: Pierre de Coubertin

Dabei soll es sogar IOC-Präsident Pierre de Coubertin überstimmt haben, erzählt Karl Lennartz: „Ihm passten Winterspiele nicht, aber richtig begründen konnte er das nicht. Ihm passte auch die Teilnahme von Frauen und der entstehende Gigantismus nicht. Er resigniert dann 1925 und tritt als IOC-Präsident zurück. Aber 1924 hat er, was eigentlich ein Widerspruch ist, an der Siegerehrung in Chamonix mitgewirkt. Wohl deshalb, weil er Franzose war, die Spiele in Frankreich waren und seine Freunde das Ganze organisierten.“

Chamonix 1924

Eiskunstläuferin Sonja Henie

In Chamonix schmücken sich noch heute viele Geschäfte, Restaurants und Museen mit Bildern und Andenken von dem kleinen Großereignis von vor 85 Jahren. Gut 10.000 Zuschauer sollen sich die Wettbewerbe angesehen haben, bei denen echte Stars an den Start gingen, so Lennartz: „Da war zum Beispiel der Norweger Thorlauf Haug, der im Skilanglauf drei Goldmedaillen gewann. Außerdem trat zum ersten Mal die Eiskunstläuferin Sonja Henie in Erscheinung. Sie wurde zwar im Alter von elf Jahren nur Letzte. Aber danach gewann sie in ihrer Karriere dreimal olympisches Gold, wurde zehn Mal Weltmeisterin und später Profiläuferin.“

Auch Bergsteiger werden Olympiasieger

Chamonix Frankreich Bergmassiv Mont Blanc

Olympische Spiele am Fuße des Montblanc

Museumsreif sind heute auch die Zeugnisse über den Alpinismus-Wettbewerb. 1924 gab es zum ersten Mal bei Olympia Goldmedaillen für die beste bergsteigerische Leistung: Geehrt wurden 13 Teilnehmer einer Mount-Everest-Expedition von 1922. Nach den Spielen 1936 verschwand der Alpinismus aber wieder aus dem Programm.

Anders verhält es sich mit dem Biathlon, das heute sehr populär ist. 1924 demonstrierten Militärpatrouillenläufer diesen Sport ein erstes Mal - wenn auch in etwas anderer Form, so Lennartz: „Soldaten liefen eine Strecke auf Skiern ab und schossen alle paar Kilometer auf Ballons. Im Ziel wurde die Gesamtzeit gestoppt und für jeden nicht getroffenen Ballon gab es Strafzeiten. Die Biathleten haben sich lange gegen einen Zusammenhang mit dem Militärpatrouillenlauf gewehrt. Heute sind sie toleranter und erkennen ihn als Vorläufer ihres Sports an.“

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