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Kultur

18 Tote bei Bandenterror in Rio

Stundenlange Schießereien in Brasilien fordern zivile Opfer. Offenbar handelt es sich um eine Warnung an die Sicherheitsbehörden und den neuen Gouverneur.

Ausgebrannter Bus (Foto: AP)

Nach dem Angriff auf einen Bus

Eine Gewaltserie von Drogen-Gangs hat im brasilianischen Rio de Janeiro mindestens 18 Menschen das Leben gekostet. Der Chef der Sicherheitsbehörden der Stadt, Roberto Precioso, erklärte am Donnerstag (28.12.2006), Mitglieder der Drogenmafia hätten mit Maschinengewehren und Granaten Polizeireviere angegriffen und Busse angezündet. Offenbar handele es sich um eine Machtdemonstration der Banden vor der Vereidigung eines neuen Gouverneurs am 1. Januar.

Sieben Menschen verbrannten in den Bussen, wie Precioso weiter erklärte. Zwei weitere Menschen wurden erschossen, darunter ein Straßenverkäufer, der ins Kreuzfeuer geriet. Unter den Opfern waren auch zwei Polizisten. Sieben Gangmitglieder sollen getötet worden sein. 14 Zivilpersonen und 8 Polizisten wurden verletzt. Es habe stundenlange Schießereien zwischen der Polizei und Verbrechern gegeben. Drei Männer seien festgenommen worden. Die Behörden gingen nach Angaben von Precioso davon aus, dass die Angriffe aus dem Inneren einer Haftanstalt angeordnet wurden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Polizei "verhindert Schlimmeres"

Die meisten Überfälle ereigneten sich im Norden von Rio de Janeiro, schreibt die Internetausgabe der Zeitung "O Globo". Die Angriffsserie begann dem Bericht zufolge auf der Autobahn von Rio de Janeiro nach Sao Paulo. Die Täter hielten den Verkehr an und forderten die Fahrgäste zweier Busse auf, auszusteigen. Anschließend setzten sie die Fahrzeuge in Brand. Einige der Passagiere hätten nicht mehr rechtzeitig aussteigen können. Die meisten Todesopfer gab es in einen Fernreisebus, der vom Bundesstaat Espirito Santo in die Wirtschaftsmetropole São Paulo unterwegs war. Etwa 30 zum Teil maskierte Männer hätten das voll besetzte Fahrzeug zum Halten gezwungen und sofort in Brand gesetzt. Im Wrack des Fahrzeugs seien mindestens sieben verkohlte Leichen geborgen worden, hieß es. Später griffen Gang-Mitglieder Polizeiwachen ebenfalls im Norden der Metropole an. Außerdem wurde eine Polizeiwache im Nobelviertel Lagoa beschossen.

Wie Precioso sagte, habe die Polizei "Schlimmeres verhindern können". Der künftige Gouverneur Rios, Sergio Cabral versicherte, er werde nicht davor zurückschrecken, den Einsatz nationaler Sicherheitseinheiten in Rio bei der Zentralregierung in Brasilia zu beantragen.

Sicherheitsbedenken bei Silvesterpartys

In Brand gesetztes Auto (Foto: AP)

Fahrzeuge wurden in Brand gemeldet

Vor dem Hintergrund der erwarteten Silvester-Massenpartys mit Millionen Teilnehmern an den Stränden der Zuckerhutmetropole versuchte Bürgermeister Cesar Maia derweil, die Bevölkerung zu beruhigen. Er werde die Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Zum Jahresende werden in Rio auch viele Persönlichkeiten aus dem Ausland erwartet. Unter anderen wolle Italiens Außenminister Massimo D'Alema Silvester in Rio erleben, schrieb "O Globo". Insgesamt werden in Rio zum 31. Dezember nach amtlichen Angaben 550.000 Touristen - davon 40 Prozent aus dem Ausland - erwartet.

Medien spekulierten, die Attentatswelle in Rio könne auch eine Antwort der Mafia auf die Zunahme so genannter Privat-Milizen in den Armenvierteln, den Bastionen der Drogenbanden, sein. Die von Soldaten, Polizisten und Feuerwehrmännern gebildeten illegalen Gruppen bekämpften die "Narcos" seit Monaten mit zunehmendem Erfolg.

Erst im Mai dieses Jahres waren in São Paulo bei einer großen Attentatswelle der Mafia sowie bei Vergeltungsaktionen der Polizei innerhalb weniger Tage etwa 120 Menschen ums Leben gekommen. Die Angriffe auf Sicherheitsbeamte wurden nach Behördenangaben von der von inhaftierten Drogenbossen gegründeten Mafiagruppe "Erstes Hauptstadt-Kommando" verübt. (rri)

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