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Wirtschaft

15 Jahre fairer Handel

Dass "Hilfe für Kleinbauern" nicht für kleinwüchsige Landwirte aus der Eifel gedacht ist – mit solchen Missverständnissen musste TransFair bei seiner Gründung aufräumen, denn vor 15 Jahren war das Konzept völlig neu.

Eine mit dem TransFair-Siegel versehene Banane, Foto: Jörg Carstensen

TransFair-Pürodukte feiern Geburtstag

Am Anfang standen eine gute Idee, Unklarheit über die Umsetzung und ein verwirrender Name: Als "Arbeitsgemeinschaft Kleinbauerncafé" kam die Fairhandelsidee Ende der 80er-Jahre in Deutschland auf den Markt. Das führte durchaus zu Missverständnissen, erinnert sich Dieter Overath, von Anfang an und bis heute Geschäftsführer der später als "TransFair" gegründeten deutschen Siegelinitiative, die am Freitag (15.6.07) ihr 15-jähriges Bestehen feiert: "Hier hatte ich es mit der grotesken Situation zu tun, dass ich nicht die Anrufe aus Lateinamerika bekam, sondern aus der Eifel, von Bauern, die anfragten, ob sie mit 1,55 Meter Körpergröße Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft kleiner Bauern werden könnten," so Overath lächelnd. "Spätestens da wurde mir klar, dass wir einen Namen brauchten, der es klarer auf den Punkt bringt, wofür wir seinerzeit eingetreten sind."

Die Magdeburger Röstfein Kaffee GmbH mit TransFair-Kaffee, Foto: dpa

Mit Kaffee fing die Idee des fairen Handels an

Der Name und ein passendes Logo - damals noch eine zweigeteilte Figur mit zwei Töpfen – wurden nach längeren Debatten gefunden. Doch es blieb eine zweite Frage offen: Wie sollte man die anfangs zahlreichen Skeptiker von der Idee des Fairen Handels überzeugen? Fairer Handel zahlt den Kleinbauern und Plantagenarbeitern im Süden für ihre Produkte einen höheren, als den oft ruinösen Weltmarktpreis und achtet zugleich auf die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Doch wie überzeugt man den Konsumenten hierzulande davon, dafür freiwillig einen höheren Preis zu zahlen?

Die deutsche Hausfrau zahlt nicht mehr

Das erste Telefonat mit dem Einkäufer einer großen Handelskette war für Dieter Overath ernüchternd: Der hatte den Standpunkt: "Die deutsche Hausfrau gibt nicht einen Pfennig mehr aus als nötig. Basta." Und legte auf. Doch der Mann hatte sich geirrt. So machten auf dem Weltgebetstag der Frauen 1993 katholische und evangelische Hausfrauen selbst Druck auf den Handel – indem sie gruppenweise in die Supermärkte gingen und faire Produkte verlangten. Mit Erfolg: Im Februar 1993 führte der Großkonzern REWE als erste Supermarktkette bundesweit den TransFair-Kaffee ein. Schon bald zogen andere Supermarktketten nach.

Seniorin in einem Supermarkt

Gibt die deutsche Hausfrau mehr für fair gehandelte Produkte aus?

"Sie haben damit dem Handel gezeigt, dass es Konsumenten gibt, die bereit sind, dafür mehr Geld auszugeben. Das war und ist für uns immer ein wichtiger Punkt, weil TransFair ja nie mit Werbemillionen die Idee verbreiten konnte, sondern versucht hat, die Menschen auf geschicktem, preiswertem Weg zu überzeugen, auch wenn sie erst mal mit dieser Idee nicht viel anfangen können", sagt Overath.

Misstrauische Konsumenten

Zum Kaffee als erstem fair gehandelten Produkt gesellten sich im Laufe der Jahre neue Produkte wie Honig, Tee, Orangensaft, Kakao und Süßigkeiten hinzu. Der Geschmack wurde besser, die Verpackung attraktiver. Gleichzeitig traten aber in den Jahren 1997 bis 2001 verstärkt Probleme auf: TransFair musste sich einem harten Preiskampf stellen. Der Kaffeeabsatz stagnierte, weil konventionell gehandelter Kaffee immer billiger angeboten wurde. Eine Supermarktkette nahm zeitweise TransFair-Produkte wieder ganz aus dem Sortiment.

Das neue TransFair-Logo, Foto: AP

Einheitliches Logo seit 2003

Der erste Versuch, auch fair gehandelte Bananen auf den Markt zu bringen, scheiterte an Lieferschwierigkeiten, ausgelöst durch Hurrikan Mitch. Und in den Medien gab es plötzlich nicht mehr nur Lob für die gute, faire Idee, sondern auch kritische Berichte über den Fairen Handel. Zwar konnten die meisten Vorwürfe später entkräftet werden – eine gewisse Skepsis in der Öffentlichkeit blieb.

Der Kunde will nicht die Welt verbessern

Für TransFair bedeutete das, umzudenken und Öffentlichkeitsarbeit sowie Marketing neu auszurichten, so Dieter Overath: "Der Fokus hat sich verlagert: Es ging nicht mehr ausschließlich um die Verbesserung der Lebensumstände der Produzenten, was weiterhin unser wichtigster Punkt ist, aber wir haben auch den Konsumenten stärker berücksichtigt, weil wir gemerkt haben, der will nicht die Welt verändern, wenn er einkaufen geht, er will ein gutes Produkt haben. Und er will auch durch Fairtrade ein klares Gefühl dafür haben, dass wenn er schon mehr bezahlt, er auch ein gutes Produkt bekommt."

Neben dem verbesserten Marketing weitete man den so genannten Großverbrauch aus – fair gehandelte Produkte fanden sich verstärkt in Betriebskantinen und Uni-Mensen oder etwa auch bei Anbietern wie Air Berlin und in Lebensmittel-Discountern wieder. Auch die Gründung des internationalen Dachverbandes Fairtrade Labelling Organizations, FLO, im Jahre 1997 und die Umstellung auf ein international einheitliches Fairtrade-Logo 2003 brachten die Bewegung wieder voran. Hinzu kamen abermals neue Produkte wie Wein, Rosen, Reis und sogar fair gehandelte Fußbälle.

Bio im Aufwind

Bundespräsident Horst Köhler (l) hält am Freitag (02.09.2005) ein Fairtrade-Produkt in seiner Hand. Neben ihm der Handels-Attache der Kenianischen Botschaft, Joseph Kosure, Foto: dpa

Auch Bundespräsident Köhler unterstützt die Initiative (Archiv)

Seit rund vier Jahren ist der Faire Handel wieder im Aufwind und verzeichnet starke Wachstumsraten, im vergangenen Jahr in Deutschland sogar ein Wachstum von 100 Prozent. Dabei hat der Faire Handel, der zu 70 Prozent biologisch angebaute Produkte anbietet, auch vom allgemeinen Bio-Boom profitiert. Außerdem gehe der Trend in Deutschland allmählich wieder weg von einer Geiz-ist-Geil und Billig-Manie, glaubt TransFair-Geschäftsführer Overath.

Die Globalisierungsdebatte habe ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass faire Handelsstrukturen nötig sind, glaubt Overath und außerdem habe man bewiesen, dass Fairtrade effektive Entwicklungspolitik ist. "Ich glaube nicht, dass einer von unseren Baumwoll- oder Kakaobauern sich auf den Nussschalen Richtung Kanarische Inseln befindet. Die Leute wollen zu Hause bleiben und sie wollen sehen, dass sie mit ihrem Lohn auch ihren Kindern eine bessere Perspektive schaffen", sagt er.

Künftig will man vor allem das Engagement in Afrika verstärken und Produkte aus fair gehandelter Baumwolle auf den deutschen Markt bringen. Eine Herrenjeans wird es schon bald zu kaufen geben. Und für die nächsten 15 Jahr wünscht sich Overath: "Dass dann TransFair oder Fairtrade-Produkte zu kaufen so selbstverständlich ist, wie es eben jetzt mit Bio-Produkten läuft."

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