15-Jähriger ersticht Gleichaltrige im Drogeriemarkt | Aktuell Deutschland | DW | 28.12.2017
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Deutschland

15-Jähriger ersticht Gleichaltrige im Drogeriemarkt

Der jugendliche Afghane stach laut Augenzeugen mehrfach auf das Mädchen ein. Das Opfer hatte sich vor kurzem von ihm getrennt. Der mutmaßliche Täter war als unbegleiteter Flüchtling in Hessen eingereist.

Deutschland DM-Markt | Mädchen in Kandel erstochen (picture-alliance/dpa/A. Arnold)

Der dm-Markt hat an diesem Donnerstag wieder geöffnet - Passanten legten Blumen und Kerzen ab

Die Menschen in der kleinen Stadt Kandel in Rheinland-Pfalz sind erschüttert. In einem Drogeriemarkt hatte am Mittwochnachmittag ein 15-jähriger afghanischer Junge ein gleichaltriges deutsches Mädchen mit einem Messer angegriffen und getötet. Es handelt sich um den Ex-Freund des Opfers, wie die Leitende Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig in einer Pressekonferenz mitteilte.

Eltern des Opfers zeigten den Jugendlichen vor zwei Wochen an

Der Junge wurde wegen des dringenden Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft genommen. Bislang verweigert er die Aussage. Die Beiden sollen nach bisherigen Erkenntnissen mehrere Monate lang eine "Beziehung" gehabt haben, bis sich das Mädchen Anfang Dezember von dem Beschuldigten trennte. Mitte Dezember zeigten die Eltern des Opfers den Tatverdächtigen wegen Beleidigung, Bedrohung und Nötigung an. In sozialen Medien drohte der Afghane nach Angaben von Polizeipräsident Eberhard Weber damit, er wolle seine Ex-Freundin "abpassen".

Noch am Vormittag des Tattages hatten Polizisten dem Jugendlichen eine Vorladung wegen der Strafanzeige persönlich ausgehändigt. Bereits zuvor hatte die Polizei eine sogenannte Gefährderansprache gemacht - und den Jugendlichen auf sein Verhalten angesprochen und
ihn gewarnt. "In aller Regel fruchten solche Ansprachen auch", sagte der Ludwigshafener Polizeivizepräsident Eberhard Weber. 

Deutschland Pressekonferenz zur Tötung einer 15-Jährigen in Kandel (picture alliance/dpa/A. Arnold)

Der Leiter der Ermittlungsgruppe, Dieter Lippold, Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig und Polizeivizepräsident Eberhard Weber (v.l.)

Im Drogeriemarkt trafen die Teenager laut Polizei wohl zufällig aufeinander. Der Jugendliche habe das Mädchen, das in Begleitung war, in der Kosmetikabteilung attackiert, sagte eine Zeugin. Zuvor habe es zwischen ihnen einen Streit gegeben. Mehrere Jugendliche versuchten, dem am Boden liegenden Opfer zu helfen. Das Mädchen erlag jedoch im Krankenhaus den schweren Verletzungen. Kunden überwältigten den Angreifer und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Die Tatwaffe: ein Küchenmesser

Der Leiter der Ermittlungsgruppe, Dieter Lippold, erklärte, der Afghane habe sich teilnahmslos festnehmen lassen. Bei der Tatwaffe handelt es sich laut Polizei um ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser. Es wurde sichergestellt.

Das genaue Motiv ist aus Sicht von Polizei und Staatsanwaltschaft noch unklar. "Wir sind am Anfang der Ermittlungen", sagte Oberstaatsanwältin Möhlig. Im Raum stehe eine Beziehungstat, dies
müssten aber noch die weiteren Ermittlungen klären.

Wie weiter bekannt wurde, war der Jugendliche im April 2016 als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling nach Hessen gekommen. Seit September 2017 lebte er im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße zusammen mit drei Jugendlichen in einer Wohngruppe. Wegen einer Auseinandersetzung auf dem Schulhof waren seine Daten der Polizei bekannt.

se/fab (dpa, afp)