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Wirtschaft

140 Millionen Plastiktüten weniger

Rewe, der zweitgrößte Supermarkt-Konzern in Deutschland, verbannt ab heute Plastiktüten aus seinen Läden. Die Kunden seien mehrheitlich dafür. Bisher kommt jeder Deutsche auf 70 Plastiktüten im Jahr.

In den Rewe-Lebensmittelmärkten in Deutschland kaufen wöchentlich 27 Millionen Kunden ein. Die müssen Milch und Brot und Nudeln künftig ohne Plastiktüten nach Hause bringen. An der Kasse in den bundesweit 3000 Rewe-Märkten gibt es nur noch Tragetaschen aus Papier oder Recyclingstoffen und den guten alten Papp-Karton.

Rewe ist in Deutschland der erste Lebensmittelhändler, der keine Plastiktüten mehr ausgibt. Bisher waren es 140 Millionen im Jahr. Restbestände würden in den Märkten noch bis zum kommenden Monat abgeben, aber dann ist Schluss, versichert man bei dem Konzern mit Sitz in Köln. Ein Großteil der Verbraucher befürworte und akzeptiere den Schritt, fasste der Handelsriese seine Erfahrungen zusammen. Rewe hatte den Verzicht auf Plastik zuvor in einigen Märkten monatelang getestet.

Freiwilliger Verzicht

Nicht betroffen von dem Plastiktüten-Bann bei Rewe sind nach Angaben eines Sprechers vorläufig die kostenlosen Plastiktüten, die an Obst- und Gemüsetheken zu haben sind. Aber auch dafür werde nach Alternativen gesucht.

Erst Ende April hatten sich rund 260 deutsche Einzelhandelsunternehmen nach langem Ringen freiwillig verpflichtet, an der Kasse Geld für die umweltschädlichen Plastiktüten zu nehmen. Noch benutzt in Deutschland jeder Einwohner im Jahr im Schnitt 71 Tüten pro Jahr. Die Selbstverpflichtung des Handels soll Deutschland helfen, eine neue EU-Richtlinie umzusetzen. Danach muss der jährliche Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen in der EU bis Ende 2025 auf höchstens 40 Tüten pro Einwohner gesenkt werden.

Der freiwillige Verzicht des Handels auf Gratisplastik gilt ab Juli. Dann müssen die Verbraucher in vielen neuen Geschäften 5 bis 50 Cent für die Tüten zahlen. Durch die Selbstverpflichtung, so der Branchenverband, seien dann rund 60 Prozent der Plastiktüten in Deutschland abgedeckt. Kritik kam von Umweltverbänden, die ein gesetzliches Verbot fordern. Bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hieß es, von den genannten 60 Prozent der Tüten seien die meisten schon jetzt kostenpflichtig.

Deutschland Frankfurt (Oder) Plastiktüten hängen an Zaun

70 Plastiktüten jährlich pro Einwohner in Deutschland

Auch in New York und Montreal

Der Stadtrat von New York hat unlängst ebenfalls Massnahmen gegen die Plastiktüten beschlossen. In vielen Geschäften müssen Kunden bald 5 US-Cent für Einwegtüten aus Plastik bezahlen. In der Stadt würden jährlich mehr als neun Milliarden Einwegtüten ausgegeben, so ein Stadtrat. "Und Millionen davon enden in unseren Vierteln auf Straßen und Bäumen und schließlich in den Meeren." Ab April des kommenden Jahres werden 250 Dollar Strafe fällig, wenn sich ein Supermarkt, eine Apotheke oder ein Fleischer nicht an die Regel hält. Im kanadischen Montreal sollen Plastiktüten ab 2018 verbannt werden. Auch hier geht es um mehrere Milliarden Einwegtüten im Jahr.

ar/hb (dpa, afp)

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