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Asien

13 US-Amerikaner und Kanadier getötet

In Afghanistan sind bei Anschlägen acht US-Amerikaner und fünf Kanadier getötet worden. Nicht nur Aufständische setzen die Internationalen Truppen unter Druck: Auch Spannungen mit der Regierung Karsai verschärfen sich.

Afghanen verbrennen ein Bildnis des US-Präsidenten (Foto: ap)

Afghanen verbrennen ein Bildnis des US-Präsidenten

Ein Selbstmordattentäter riss am Mittwoch (30.12.2009) im Osten des Landes acht US-Bürger auf einem Militärstützpunkt mit in den Tod. Bei den Opfern handelte es sich nach Medienberichten um Agenten des US-Geheimdienstes CIA. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht.

Der Selbstmordattentäter sprengte sich in der Provinz Khost auf der "Forward Operating Base Chapman" in die Luft. Das Militärcamp ist laut "New York Times" im Sprachgebrauch der Streitkräfte "keine reguläre Militärbasis". Damit sei gemeint, dass sie von Geheimdiensten benutzt werde. Der Selbstmordanschlag sei der wohl folgenschwerste auf den US-Geheimdienst in den acht Jahren seit Beginn des Afghanistan-Krieges, berichtete die "Washington Post" in der Nacht online unter Berufung auf Regierungskreise. Die Provinz Khost grenzt an Pakistan. Sie gilt als wichtiges Operationsgebiet für Aufständische mit Verbindungen zu El Kaida.

Tod auf Patrouillenfahrt

Im südafghanischen Kandahar starben auf einer Patrouillenfahrt vier kanadische Soldaten und eine junge Journalistin, als neben ihrem Fahrzeug ein Sprengsatz explodierte. Fünf Soldaten wurden nach Berichten des kanadischen Fernsehens verletzt.

Die getötete Journalistin hatte den TV-Berichten zufolge erst seit gut zwei Wochen aus Afghanistan berichtet. Sie habe sich zusammen mit den Soldaten auf einer Kontrollfahrt durch eine vermeintlich sichere Gegend im Süden Kandahars befunden. Die Reporterin ist die zweite Zivilperson, die seit Beginn des kanadischen Afghanistan-Einsatzes 2002 getötet wurde. Die Zahl der getöteten kanadischen Soldaten stieg damit auf insgesamt 138.

Gefahr für deutsche Soldaten wächst

Die Anschläge auf deutsche Soldaten in Afghanistan haben einem Bericht der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag (31.12.2009) zufolge in diesem Jahr deutlich zugenommen. 2009 gab es demnach 77 Anschläge auf deutsche ISAF-Soldaten, davon allein 71 im Raum Kundus. 2008 wurden 43 Anschläge gezählt, davon 31 in der Gegend von Kundus. 2007 hat die Gesamtzahl 21 betragen, davon neun im Raum Kundus. Das nordafghanische Kundus hat sich zum mit Abstand gefährlichsten Einsatzort der Bundeswehr entwickelt, während die deutschen Soldaten dort zuvor lange vor allem mit dem Wiederaufbau beschäftigt gewesen waren. Derzeit befinden sich als Teil der Isaf rund 4300 deutsche Soldaten in Afghanistan.

Afghanen demonstrieren gegen USA

Eine Afghane trägt ein Schild mit der Aufschrift: Does Peacekeeping mean killing children (Foto: ap)

"Bedeutet Frieden sichern Kinder töten", fragt dieser Demonstrant

Unterdessen hat der Tod von zehn mutmaßlichen Zivilisten in Afghanistan die Spannungen zwischen der Regierung Karsai und den internationalen Truppen im Land verschärft. Präsident Hamid Karsai ließ am Mittwoch einen Untersuchungsbericht zu einem ISAF-Einsatz im Osten des Landes veröffentlichen. Darin heißt es, ISAF-Soldaten hätten am Samstag im Distrikt Narang in der Provinz Kunar zehn Zivilisten aus ihren Häusern getrieben und erschossen. Unter den Todesopfern seien acht Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren.

Ein ranghoher NATO-Offizier, der anonym bleiben wollte, wies die Darstellung zurück. Er sagte, es habe keine zivilen Todesopfer gegeben. Alle Toten seien Männer "im Kampfesalter" gewesen. Bei dem Vorfall seien US-Elitesoldaten im Einsatz gewesen, aber keine NATO-Soldaten. Ein US-Soldat in Asadabad, der Hauptstadt von Kunar, sagte, keiner der Getöteten sei "unschuldig" gewesen. Die Gegner seien bewaffnet gewesen und hätten auf die ausländischen Soldaten geschossen. "Wir mussten uns verteidigen", sagte der Soldat.

Demonstranten verbrennen Obama-Puppe (Foto: ap)

Diese Demonstranten rückten den US-Präsidenten ins Visier ihres Zorns

In Dschalalabad im Osten des Landes gingen hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Tötung der Zivilisten zu protestieren. Studenten blockierten mehrere Hauptstraßen, riefen Parolen wie "Tod Obama" und setzten ein Bild des US-Präsidenten Barack Obama und eine US-Flagge in Brand. In der Hauptstadt Kabul beteiligten sich rund 150 Menschen an anti-westlichen Protesten.

Autor: Martin Schrader

Redaktion: Herbert Peckmann