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Kultur

125 Jahre und ein bisschen weise

Hager, pomadiges Haar, Nickelbrille. Hermann Hesse war der "lachende Vagabund" der deutschen Literatur - ständig auf der Suche nach Fragen ohne Antworten. Zum Geburtstags-Jubiläum feiert Deutschland das "Hesse-Jahr".

Er schuf den "Steppenwolf" - die vielleicht ruheloseste Beschreibung eines rastlosen Charakters in der Literatur. Ein Schelm, wer glaubt, der Autor hätte da ein Selbstzeugnis abgelegt. Er schrieb Klassiker der Weltliteratur wie Das Glasperlenspiel und Siddhartha: Vor 125 Jahren erblickte Hermann Hesse im schwäbischen Calw das gleißende Licht der Welt.

Eins, eins und eins macht eins?

Hinters Licht führen ließ er sich aber nicht vom moralisch einengenden Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Vielmehr strebte er nach dem warmen Licht der Erkenntnis: Was ist es, das die Welt / im Innersten zusammenhält?

Eine Frage, die in Hesses Elternhaus immer wieder gestellt wurde: Sein Vater war ein deutschbaltischer Missionsprediger, auch die Mutter stammte aus missionarischen Kreisen. Man sang Psalmen und las aus der Bibel. Täglich. Doch die geistige Formel der heiligen Dreifaltigkeit ging für Hesse nicht auf – zu viele Fragen blieben offen.

Kommt der Berg nicht zum Propheten...

Im elterlichen "Korsett" aus christlich-konservativen Moralvorstellungen bekam der junge Hesse keine Luft. Er musste raus – eigene Erfahrungen sammeln: "Ich möchte das verstehen, was die Rotkehlchen zueinander sagen. Und ich möchte auch einmal sehen, wie es die Bäume machen, dass sie mit ihren Wurzeln Wasser trinken", so seine Maxime.

Angezogen wie die Motte von der Glühbirne, zog es den schlacksigen Schwaben deshalb weg vom Elternhaus nach Indien und China. Dort drang er ein in die Lehren Buddhas und Lao-Tses. Immer dabei im geistigen Gepäck ein fest verschnürtes Survival-Kit: die Botschaften Jesus.

"Endstation Sehnsucht"

Diese Sehnsucht, an der Welt teilzunehmen, verarbeitete Hesse in seinen frühen Veröffentlichungen. Doch die Figuren finden nicht, was sie suchen. Der staubtrockene Pfad zur Erkenntnis wird von der eigenen Unsicherheit verweht. Weit und breit kein Wegweiser in Sicht, wo geht es jetzt wohl lang? Resigniert kehren die Helden zurück zum Ausgangspunkt ihrer "Reise zum Ich" - um letztendlich doch immer wieder aufzubrechen.

Der Hermanns-Weg

In der Ferne das Naheliegende suchen: Das ist der Grund für Hesses Reisen nach Indien. Aus Christentum und Buddhismus, aus den Lebenswegen von Franz von Assisi und Siddharta, schmiedet Hesse dort seinen literarischen Stil: eine "romantische Legierung".

Aber was ist Hesses Geheimnis? Warum haben sich seine Bücher weltweit mehr als 100 Millionen Mal verkauft? Vielleicht ist es sein anspruchsloses und bescheidenes Wortgewand. Ein Gewand, in das er sowohl das Gefühl des Nicht-Fertig-Werdens mit dem Leben als auch das Gefühl der Einsamkeit kleidet.

Wer mit dem (Steppen-)Wolf tanzt

Die neuromantisch angehauchte Hippie- und Studentenbewegung in den USA sah in Hesses Geschichten ihre eigenen Probleme und Hoffnungen niedergeschrieben. Der Schriftsteller wird zur Kultfigur dieser Generation. Eine Rockband nennt sich "Steppenwolf" und landet einen Hit mit dem Song "Born to be wild". Joseph Beuys lebt mehrere Wochen mit einem echten Steppenwolf in einem New Yorker Loft.

Weltoffenheit, Toleranz und Humanität zeichnen das umfangreiche Werk des Literatur-Nobelpreisträgers aus. "Ich suchte das zu ergründen, was allen Konfessionen und allen menschlichen Formen der Frömmigkeit gemeinsam ist, was über allen nationalen Verschiedenheiten steht, was von jeder Rasse und von jedem Einzelnen geglaubt und verehrt werden kann." Ein Credo, dem Hesse bis zu seinem Tod treu geblieben ist.

Doch erst einmal heißt es: "Happy Birthday, Steppenwolf."

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