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Sport

11mm - Von Wembley bis nach Israel

11mm, das größte Fußball-Filmfestival der Welt, startet mit einer politischen Botschaft: Fußball ist mehr als nur ein Spiel. Es verbindet Menschen und überwindet Grenzen. Und Europa kann seine einigende Kraft brauchen.

Durch den Fußball können Menschen auf der ganzen Welt näher zusammen rücken. Auch dann, wenn es um einige der umstrittensten Momente des Sports geht. Zumindest, wenn diese Momente in einem überzeugenden Film gezeigt werden.

Man nehme das berühmte Wembley-Tor als Beispiel. Dieser umstrittene Schuss im WM-Finale 1966 ist ein sensibles Thema für die Deutschen. Viele sind immer noch überzeugt, dass sie damals das Finale zu unrecht durch das Tor in der 101. Minute verloren haben. Damals prallte ein Schuss von Englands Geoff Hurst von der Latte gerade nach unten ab.

Bis heute werden die Deutschen nicht müde zu erwähnen, dass der Ball nie vollständig die Torlinie überschritten hatte. Während die Engländer treu sagen, dass der Treffer zu Recht anerkannt wurde.

Dieser berüchtigte Moment ist zum Thema einer großen Dokumentation geworden, die in Berlin Weltpremiere feierte. Sie wurde bei der Eröffnung der 13. Ausgabe des Internationalen 11mm-Fußball-Filmfestivals in Berlin vorgestellt und sorgte anschließend für eine lebhafte Unterhaltung.

Passend daher auch der Name der Dokumentation: Sie heißt: "Goal" und handelt von der WM 1966. Neben dem umstrittenen Finale geht es auch um andere unvergessliche Momente. So ist auch die Queen Thema und die Geschichte um einen verschwunden Pokal. Der Film profitiert auch von einem anderen historischen Moment: Die WM 1966 war die erste Weltmeisterschaft, die jemals im Fernsehen ausgestrahlt wurde - in schwarz/weiß.

Wembley zum Leben erwecken

kick off des 11mm International Football Film Festival

Kurz vor der Filmvorführung des Films "Goal!"

Das 11mm-Festival ist das größte seiner Art, bei dem es sich ausschließlich um Fußball dreht. Die Premiere von "Goal" zog ein internationales Publikum an und weckte - auch fünf Jahrzehnte nach "Wembley" noch viele spannende Erinnerungen.

"So ein Tor wäre heutzutage nicht mehr möglich", sagte Andreas Leimbach-Niaz, der stellvertretende Direktor des Festivals. "Heute würde uns die Torlinientechnik nach 30 Sekunden verraten, ob der Ball hinter Linie war, oder nicht. Und wir würden nicht Jahrzehnte danach noch darüber reden. Aber wurde dem Linienrichter ein Denkmal in Aserbaidschan gesetzt und der Schiedsrichter hat ein Buch darüber geschrieben. Und genau deswegen sind wir hier, um uns an diese besonderen Momente des Fußballs zu erinnern."

Am Eröffnungsabend war auch ein Mann als Ehrengast anwesend, der sich noch ganz genau an diesen Moment erinnert: Der ehemalige deutsche Nationalspieler Max Lorenz.

Der Ball war definitiv nicht drin", sagt er. Lorenz war damals Ersatzspieler der deutschen Nationalmannschaft und hatte das berühmte Tor von der Bank aus mit verfolgt. "Deshalb hatte ich auch einen richtig guten Blickwinkel und kann sagen, dass der Ball auf gar keinen Fall drin war", erzählt er mit einem Augenzwingern.

Auch seine beiden Kollegen und damaligen Mitspieler Siegfried Held und Horst-Dieter Höttges sind zum Filmfestival gekommen, um sich über die guten alten Tage zu unterhalten.

kick off des 11mm International Football Film Festival

Ehemaliger Nationalspieler Max Lorenz beim Autogramme geben

Durch Fußball die Welt kennenlernen

"Wir haben die Weltmeisterschaft 1966 in England mit der besten Nationalmannschaft gespielt, die Deutschland je hatte. Sowas vergisst man niemals", sagte Lorenz, während er sich vor Beginn der Filmvorführung fotografieren ließ.

"Durch unseren Fußball haben wir die Welt kennengelernt. Dafür werde ich ewig dankbar sein." Und genau das ist auch das Motto des diesjährigen Filmfestivals. "Wir sind so international wie noch nie", sagte Andreas Leimbach-Niaz. "Wir haben Filmemacher aus Japan und Australien hier; es ist unglaublich, dass sie alle gekommen sind. Damit hätten wir zum Auftakt des Festivals 2004 nie gerechnet."

"Fußball bringt Menschen zusammen"

"Fußball ist etwas, das die Menschen zusammen bringt. Nicht nur als Spielkollegen", sagt Lorenz, während er seinen ehemaligen Teamkameraden zulächelt. "Fußball verbindet Nationen!" Der Eröffnungsabend ist das beste Beispiel für Lorenz' Sätze. Der Raum ist gefüllt mit gut gelaunten Menschen verschiedenster Nationalitäten. Egal ob Deutsche, Engländer, Italiener, Franzosen oder Araber.

Rafiqullah Mangal und seine Freunde verkörpern diese Vielfalt perfekt. Sie sind Flüchtlinge aus Afghanistan und lieben die Bundesliga und Bayern München mehr, als so manch einer aus Bayern. "Menschen in Afghanistan gucken sehr viel Fußball. Dieser Abend heute erinnert mich an eine Nacht vor vier Jahren, als wir alle zum ersten Mal ein Fußballspiel in Kabul gesehen haben", sagt er, und lacht.

Leimbach-Diaz sieht das als ein Zeichen, dass der Fußball selbst immer globaler wird. So seien die Grenzen heute nicht mehr so strikt wie damals. "Jetzt müssen wir noch lernen, wie wir alle uns gegenseitig näher kommen können." Fußball könne dabei eine wichtige Rolle einnehmen."Viele Leute begreifen nicht, wie kraftvoll dieser Sport sein kann."

Europa ringt mit einer wachsenden Flüchtlingskrise und einem potentiellen Ausstieg von Großbritanniens aus der EU. Vielleicht kann die kommende UEFA-Europameisterschaft, die im Juni beginnt, dabei helfen, diese Probleme etwas zu verkleinern."

Was kommen wird

Das 11mm-Festival geht bis zum 21. März und zeigt eine Vielzahl an Dokumentationen und Filmen. Auf Französisch, Belgisch, Deutsch und Englisch. Sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder. In diesem Jahr wird Frankreich, der Gastgeber der EM, eine eigene Filmreihe auf dem Festival präsentieren

kick off des 11mm International Football Film Festival

Drei junge Afghanische Flüchtlinge auf dem Festival

Während des Festivals werden viele besondere Gäste erwartet, zum Beispiel Shmuel Rosenthal, der erste Israeli, der jemals in der deutschen Bundesliga gespielt hat. Trotz der schwierigen Situation zwischen Deutschland und Israel nach dem zweiten Weltkrieg. Rosenthal ist ein weiter Beleg dafür, dass Integration durch Fußball gelingen kann.

90 Minuten für Israel und Deutschland

Der Film "90 Minuten für Israel und Deutschland" ehrt Rosenthals Leistungen sowie die deutsch-israelischen Beziehungen, die durch den Fußball gestärkt wurden. Extra für diesen Film wird Rosenthal erstmals nach seiner Zeit in Mönchengladbach nach Deutschland zurückkehren. Er wird nicht nur einige seiner ehemaligen Mannschaftskameraden wieder treffen, sondern auch Almog Cohen, einen israelischen Fußballstar, der derzeit in der deutschen Bundesliga spielt.

Das Festival wird mit den 11mm-Kurzfilmfestival "shortkicks" abgerundet. Der #link:https://www.youtube.com/user/dwkickoff:DW-Kolumnist, V-Logger und Weltmeister 1990, Thomas Berthold#, wird ein Teil der Jury sein.

Das DW-Bundesliga-Programm #link:http://www.dw.com/de/programm/kick-off/s-12837-9801:Kick off!# ist langjähriger Partner des 11mm Fußball-Filmfestivals. Im Rahmen des bevorstehenden Kick off-Specials am 24. März wird DW-TV den Fußball-Dokumentarfilm "Fußball & Film" ausstrahlen.

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