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Wissen & Umwelt

102-jährige Ärztin erhält Doktortitel

Es ist eine Art sehr späte Wiedergutmachung. Ingeborg Syllm-Rapoport hat heute am Uniklinikum Hamburg ihre Promotionsurkunde erhalten. Die Nazis hatten sie ihr 1938 verweigert, weil ihre Mutter Jüdin war.

Ein Blumenstrauß, Umarmungen, Applaus. Sie habe es "für die Opfer gemacht", sagt Ingeborg Syllm-Rapoport als sie die Promotionsurkunde endlich in der Hand hält. Jetzt, 77 Jahre später als sie es ursprünglich geplant hatte.

Damals - 1937/38 arbeitete sie als Assistenzärztin am Israelitischen Krankenhaus Hamburg, schrieb ihre Doktorarbeit über "Lähmungen durch die Krankheit Diphterie", wurde aber nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen. Die verweigerten ihr die Nazis. Weil ihre Mutter Jüdin war.

Doch jetzt holte sie es nach: Sie paukte noch einmal ordentlich, unterstützt von ihrer Familie und Freunden. Ohne Computer, ohne Bücher, ihre Augen seien mittlerweile zu schlecht dafür, sagt sie. Im Mai legte die Syllm-Rapoport schließlich erfolgreich ihre mündliche Doktorprüfung ab.

Erfolgreich war Syllm-Rapaports aber auch ohne die deutsche Promotionsurkunde.1938 wanderte sie in die USA aus, machte dort ihren ersten Doktor und heiratete. Das Ehepaar engagierte sich in der kommunistischen Partei, geriet deswegen in den USA in Schwierigkeiten und entschied sich, in Ostdeutschland weiterzuleben. Dort arbeitete Syllm-Rapaports an der Kinderklinik der Charité in Ostberlin, habilitierte und wurde 1968 zur ordentlichen Professorin berufen.