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Sport

1000:1 für Energie Cottbus

Es verspricht eine merkwürdige Saison zu werden: Die Meisterschaft ist schon entschieden, die Absteiger stehen mehr oder weniger fest, meinen Buchmacher und Experten. Doch die Fans strömen trotzdem in die Stadien.

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So sahen Meister 2007 aus

Es ist eines der klassischen Axiome des Fußballs: "Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht", sagte einst der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger. In dieser Saison scheint es außer Kraft gesetzt: Die Bundesliga erwartet 2007/2008 einen neuen Besucherrekord, obwohl sich fast alle schon vor dem Saisonanpfiff am 10. August einig sind, wie es ausgeht: Die Bayern werden Meister und sechs Mannschaften spielen die drei Absteiger unter sich aus.

Die beeindruckte Konkurrenz

Fußball Bayer-Manager Uli Hoeneß

Uli Hoeneß, Manager Bayern München: Mehr als ein bisschen investiert

Einen eindeutigeren Favorit gab es in der Bundesligageschichte selten: Geschätzte 70 Millionen ließen sich die Bayern ihre neuen Weltklassekader kosten. Den wenig geliebten ersten Titel der Saison nahmen die Bayern schon mal im Vorübergehen mit: Den vor Saisonbeginn ausgespielten Ligapokal. Dabei wurden die nach allgemeiner Meinung stärksten Konkurrenten Bremen, Stuttgart und Schalke teils demütigend leicht geschlagen. Staunend sahen die Gegner zu, wie im neuen Mittelfeld um Franck Ribéry, Hamit Altintop und Ze Roberto der Ball zirkulierte. Beim Ligapokal im Sturm: Sandro Wagner, 19-jähriger Stürmer, bisher mit der Furcht erregenden Bilanz von vier Regionalligatoren auffällig geworden.

Die Vorstellung, wie das alles erst aussehen könnte, wenn vorne Luca Toni, Miroslav Klose oder Lukas Podolski mit Zuspielen gefüttert werden, hinterlässt Eindruck: Für 16 Bundesligatrainer ist Bayern München der Favorit auf den Titel. Die zwei anderen Tipps wirken fast schon exzentrisch: Michael Skibbe (Bayer Leverkusen) sieht Bremen vorn - "wegen der Kreativität im Mittelfeld". Dieter Hecking (Hannover 96) glaubt an den ersten Schalker Meistertitel seit 50 Jahren.

Orakel für Nürnberg

Nach so viel Vorschusslorbeeren ist mit einer Wette auf die Bayern ist dann auch nicht viel Geld zu machen: Gerade Mal 1,50 bekommt man bei den Buchmachern pro Euro Einsatz heraus. Für Werder Bremen als Meister gibt es schon 6.50, für Schalke 9.00 und bei einer Titelverteidigung des VfB Stuttgart kann man seinen Einsatz verzehnfachen. Richtig reich könnte man nach einem Außenseitertipp werden: der 1. FC Nürnberg beispielsweise. "Der Club spielt um die Meisterschaft mit", sagt immerhin Wahrsagerin Marita Kröll aus Altdorf - eine Autorität im Fränkischen, seit sie vor einem Jahr korrekt vorhergesehen haben soll, dass die Mannschaft es in den Uefa-Pokal schafft. Für eine Meisterschaft von Cottbus, Rostock oder Duisburg ist kein Orakel bekannt, dafür gibt es eine richtig satte Quote von 1000:1. Könnte ja klappen: Es ist gerade mal zehn Jahren her, da wurde Kaiserslautern als Aufsteiger Meister.

Bayern Munich Luca Toni and Franck Ribery

Neue Stars: Luca Toni und Franck Ribery

Etwas wahrscheinlicher ist freilich, dass die drei Aufsteiger Karlsruhe, Duisburg und Rostock plus Bielefeld, Bochum und Cottbus die Absteiger unter sich ausspielen - mit diesen Tipps ist bei den Buchmachern kaum Wettgeld zu verdienen.

Liga der neuen Torhüter

Auch wenn der Verlauf der Saison in diesem Jahr absehbarer sein mag als im letzten: Langweilig wird 2007/2008 trotzdem nicht. Dafür gibt es einfach auch zu viele neue Gesichter und Geschichten. Die Liga hat noch nie soviel Geld für neue Spieler ausgegeben, über 120 neue Hoffnungsträger stellen sich bei den Vereinen vor. Weltstars bei den Münchnern, stark eingeschätzte Liganeulinge wie den Bremer Brasilianer Carlos Alberto - und hochinteressante Spieler, die man jetzt noch gar nicht kennt. Felix Magath will endlich den Erfolg nach Wolfsburg bringen und mit Lucien Favre versucht sich in Berlin ein Trainer-Neuling mit neuen Methoden an einer Liftung der alten Tante Hertha.

Und es wird eine Liga der frischen Torhüter sein. Stuttgart, Nürnberg, Hertha, Rostock, Duisburg, Bochum und Bielefeld haben eine neue Nummer Eins, zählt man die erst im Laufe der vergangenen Saison aufgestiegenen René Adler und Manuel Neuer dazu, startet die Hälfte der Clubs mit einem neuen Mann zwischen den Pfosten in die Saison - eine sensationelle Quote für eine Position, auf der traditionell wenig gewechselt wurde.

Hochspannung im Unterhaus

Wem das trotzdem zu langweilig ist, braucht sich nicht vom deutschen Fußball abzuwenden. Für garantierte Hochspannung muss man nur in die Zweite Liga schauen: Dort spielen große Traditionsvereine wie der 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Kaiserslautern und 1860 München, alles ehemalige deutsche Meister mit riesigen Anhängerschaften, die unbedingt in die Bundesliga zurückwollen. Dazu sind alle drei etwas anderen deutschen Clubs in Liga Zwei versammelt: Mainz 05 mit Everybody's Darling Jürgen Klopp als Trainer, der FC St. Pauli, der Sportclub Freiburg in seinem ersten Jahr nach der 16jährigen Ära Volker Finke, dazu noch die Emporkömmlinge aus Hoffenheim mit den SAP-Milliarden im Rücken.

Noch zu haben

Ab dem 10. August sind dann alle Expertisen glücklichweise veraltet. Wichtig ist ja bekanntlich auf dem Platz und der Ball ist schließlich rund, wie eine zweite große Weisheit Herbergers lautet. Und die Zuschauer kommen, weil man ja doch nicht genau weiß, wie es ausgeht.

Vielleicht kommt es ja doch wieder ganz anders: Wie für den Schalke-Fan, der sich die Domain www.deutscher-meister-2007.de gesichert und diese schon während der Saison auf die offizielle Schalke-Website weitergeleitet hatte. Auf Schalke war man wenig begeistert und wollte die Weiterleitung erst bei gewonnener Meisterschaft akzeptieren. Daraus wurde dann ja schließlich nichts, verlinkt ist nun auf den VfB Stuttgart. Aus Schaden werden Fans jedoch mitnichten klug: Am 10. August ist Anpfiff: die Domain www.deutscher-meister-2008.de ist schon wieder vergeben. Welchen Verein der glückliche Besitzer favorisiert, ist aber noch nicht bekannt.

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