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Filme

1000. Tatort: Jubiläum des deutschen Kult-Krimis

1970 lief der erste Tatort im deutschen Fernsehen. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die noch lange nicht zu Ende ist. Auch in anderen Ländern kennt man den Krimi-Dauerbrenner aus Deutschland.

Gleich zwei Kommissare kümmern sich an diesem Sonntag um den 1000. Tatort-Fall: Charlotte Lindholm aus Hannover und Klaus Borowski aus Kiel haben es in "Taxi nach Leipzig" mit einem früheren Elite-Soldaten zu tun, der nach seinem Afghanistan-Einsatz zurückkommt, seine Frau an einen anderen verloren hat und sich an ihr rächen will.

Tatort-Kenner werden bei diesem Titel hellhörig: Die erste Tatortfolge überhaupt hieß ebenfalls "Taxi nach Leipzig" und wurde am 29.11.1970 - also vor 46 Jahren - im deutschen Fernsehen gezeigt. Damals ging es um ein deutsch-deutsches Familiendrama; es spielte sich zwischen der Bundesrepublik und der DDR ab.

Faszination Tatort

Von Anfang an zeigte sich: Der Tatort war und ist ein Spiegelbild Deutschlands - mit seiner Geschichte, seinen gesellschaftlichen Problemen, seinen Befindlichkeiten.

Tatort Pommesbude Köln (picture-alliance/dpa/H.Kaiser)

Jedem Tatort sein Lokalkolorit: Die Kölner Ballauf und Schenk gönnen sich nach einem gelösten Fall Fritten und Kölsch

Das Konzept: Jede Woche ein Tatort aus einer anderen deutschen Stadt, aus einem anderen Bundesland, mit jeweils anderen Ermittlern. Die Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein: Die kühle Schönheit aus dem Norden. Das klamaukende Männerpaar aus dem Münsterland. Der hitzige Draufgänger aus Hamburg. Der verschroben-geniale Ermittler aus Dortmund. Die selbstgefälligen Schönlinge aus München. Die sanfte und einfühlsame Kommissarin aus Konstanz. Der fluchende Rüpel aus Duisburg. Das attraktive Cowgirl aus Frankfurt. Und und und. Jeder Kommissar und jede Kommissarin hat ein privates Päckchen zu tragen, man ist alleinerziehend, Ex-Alkoholiker, beziehungsunfähig, traumatisiert. Es sind keine hochglanzpolierten Charaktere, wie man sie aus den modernen US-Krimiserien kennt. So haben die Tatort-Kommisarre auch schon mal Bauch, große Nasen oder sind schlecht angezogen. Auch die Frauen sind nicht immer "perfekt". Sie alle sind Antihelden, die ihr persönliches Schicksal allzu oft mit in ihren Beruf schleppen. Fast jeder Ermittler hat einen Gegenpol an seiner Seite, der ihn in jeder Hinsicht erdet, ihn ergänzt. All diese verschiedenen Figuren machen den Tatort seit mehr als vier Jahrzehnten so abwechslungsreich.

Tatort Vorspann (picture-alliance/dpa)

Im Vorspann hört man den deutschen Rocksänger Udo Lindenberg am Schlagzeug

Von der ersten bis zur jüngsten Folge ist nur eines gleich geblieben: Der Vorspann. Stahlblaue Augen im Fadenkreuz, dann schemenhaft davonlaufende Beine in einer typischen 1970er-Jahre-Optik. Dazu die berühmte Melodie des Jazzkomponisten Klaus Doldinger - bis heute eine Herausforderung, wenn es darum geht, sie sauber mitzusingen.

Fernsehgemeinschaft

Der Tatort ist die einzige Fernsehserie, die regelmäßig in Deutschlands Kneipen läuft. Sonst wird nur Fußball oder der ESC im Kneipenfernsehen gezeigt. Das Tatort-"Rudelgucken" ist für viele Krimifans zur Tradition geworden - so kann man das Wochenende noch mal schön in Gesellschaft und mit einem leckeren Bierchen ausklingen lassen. Das Tolle dabei ist: Man ist nicht alleine, hört die Kommentare der anderen Zuschauer, kann selbst mal einen zum Besten geben.

Ähnlich faszinierend ist die parallel laufende Twitter-Action: Der Hashtag #tatort überflutet Sonntag abends die Timelines mit kritischen, ätzenden und auch witzigen Kommentaren.

Tatort Münster Komissare Thiel Boerne (picture-alliance/dpa/B. Thissen)

Axel Prahl (li) und Jan Joseph Liefers als Thiel & Boerne

Die beliebtesten Ermittler sind die Münsteraner: Hauptkommissar Thiel (bodenständiger Normalo) und der Pathologe Professor Karl-Friedrich Boerne (selbstgefälliger Schnösel). Sie lösen ihre Fälle auf unkonventionelle Art und kabbeln sich zwischendurch wie ein altes Ehepaar. Obwohl der Klamauk öfter über der Handlung steht, freut sich das Gros der Tatort-Fans, wenn Thiel & Boerne am Start sind.
 

Der Tatort im Ausland

"Scene of the Crime" ist der Titel, unter dem der Tatort international vermarktet wird. In 50 Ländern sollen schon Tatort-Folgen zu sehen gewesen sein – von Australien bis Weißrussland. Das iranische Fernsehen zeigte 2010 mehrere Tatort-Folgen, Russland kaufte einen Til-Schweiger-Tatort unter dem Titel "Nick's Law". In den Niederlanden ist der Tatort regelmäßig zu sehen (OmU), allerdings nur zu später Stunde.

Tatort Logo (picture-alliance/dpa/S. Hoppe)

Es gibt auch Tatorte aus Österreich (Wien) und der Schweiz (Luzern)

1973 schaffte es eine Folge ins US-Kino: "Tote Taube in der Beethovenstraße". Für Regie und Drehbuch war der US-Regisseur Samuel Fuller engagiert worden, der das deutsche Fernsehpublikum mit einer verrückten und für damalige Verhältnisse temporeichen Erpressergeschichte erschreckte. Schnelle Schnitte, schräge Kameraführung, treibende Avantgarde-Musik. Das wirkte überhaupt nicht deutsch, sondern eher wie ein US-Streifen. Da dieser Tatort auf Englisch gedreht wurde, kam er ins US-Kino. Sonst hält man sich in den englischsprachigen Ländern eher zurück mit dem deutschen Tatort. Original mit Untertiteln ist bei den meisten Fernsehzuschauern genauso unpopulär wie Synchronfassungen. Dennoch müssen interessierte US-Zuschauer nicht auf den deutschen Kult-Krimi verzichten: Der Spartensender MHz WorldView etwa zeigt neben weiteren ausländischen Produktionen auch Tatort-Folgen.

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