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Musik

100 Jahre Thelonious Monk: "Hohepriester des Bebop"

Seine Musik galt als eigenwillig, er selbst als genial. Der Pianist und Komponist war einer der Mitbegründer des Bebop, der in den 1940er Jahren den Swing ablöste. Jetzt wäre Thelonious Monk hundert Jahre alt geworden.

"Monk besuchte uns 1961 für drei Tage in der Wohnung meiner Mutter in Watts", erzählte einmal der Jazzmusiker Don Cherry. "Meine Mutter war sehr erstaunt über Monk und fragte mich, ob er verrückt sei. Aber ich konnte sie beruhigen und sagte ihr, dass die New Yorker nun mal so sind. Dauernd war er am Tanzen und dann ging er in den Laden an der Ecke und kaufte zehn Packungen Orangensaft und zehn mit Milch."

"Play your own way!"

Diese kleine Anekdote beschreibt treffend den Pianisten und Komponisten Thelonious Monk. Er spielte mit gespreizten Fingern Klavier - bis heute ein absolutes "no-go" im Klavierunterricht. Und auch sein Spiel war absolut anders, als das, was man in den 40ern und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts im Jazz gewohnt war. "I say, play your own way. Don't play what the public wants." Das forderte Monk nicht nur von sich selbst, sondern auch von den Musikern, mit denen er zusammen spielte. Er hasste es, dem Publikum das zu liefern, was es gewohnt war.

Am Klavier interpretierte er seine eigenen Stücke - wie "Round Midnight" oder "Blue Monk" - immer wieder neu. Und aus den Kompositionen anderer machte er durch sein eigenwilliges Spiel wahre Meisterwerke, wie beispielsweise beim Standard "Memories of you" von Eubie Blake.

Thelonious Monk (picture-alliance/KPA Copyright)

Thelonious Monk - immer auf der Suche nach einer neuen Interpretation

Die ersten Erfolge

Thelonious Sphere Monk wurde am 10. Oktober 1917 in Rocky Mount in North Carolina geboren und wuchs in Manhattan auf. In seiner Familie war er der Einzige, der sich für Musik interessierte. Doch schon als Teenager soll er ein erstaunlich guter Pianist gewesen sein. Monk spielte Anfang der 1930er Jahre häufig auf Rent-Parties in Harlem. Dort sammelten junge Musiker ihre ersten Erfahrungen vor Publikum und konnten zudem etwas Geld verdienen, um die teuren Mieten in New York zu bezahlen. Dort fiel Monk einer Wanderpredigerin auf, die ihn für ihr neu gegründetes Quartett engagierte. 1947 veröffentlicht das renommierte Jazzlabel Blue Note seine ersten Aufnahmen.

Der "Hohepriester des Bebop"

Monk ist der erste Pianist in Dizzy Gillespies neuem Orchester in Minton's Playhouse in Harlem. Seit Anfang der 1940er Jahre ist dieser Jazzclub vor allem für seine Jamsessions bekannt. Hier spielte Monk mit Gillespie, Kenny Clarke und Charlie Christian. Zusammen nahem sie Platten auf und schufen mit ihrem avantgardistischen Spiel eine neue Stilrichtung des Jazz - den Bebop. Seine herausragenden Trio-Aufnahmen und seine Quintett- und Sextett-Einspielungen verliehen Thelonious Monk den Beinamen "Hohepriester des Bebop".

Der innere Rückzug

So eigenwillig und innovativ Monk als Musiker und Komponist war, so "eigenwillig" war er auch in Sachen Pünktlichkeit und Disziplin. Das Genie brauchte auch hier seinen Freiraum und kam zu den Proben häufig zu spät. Das hatte das Ende seines Jobs in Gillespies Orchester zur Folge. Thelonious Monk zog sich daraufhin zurück und beschäftigte sich fast ausschließlich mit sich selbst und seiner Musik. Dazu kam 1951 eine Drogen-Affäre mit dem damit verbundenen Verlust der "Cabaret Card". Monk durfte deswegen jahrelang nicht mehr in New Yorker Clubs auftreten.

Thelonious Monk (Getty Images/E.Auerbach)

Genie und Vorbild - auf jeden Fall lässig

Das Wiedererwachen

Da sich Monks Schallplatten, die bei Blue Note erschienen waren, schlecht verkauften, verließ er 1952 das Label und unterschrieb bei Prestige einen Vertrag. Hier entstanden einige seiner wichtigsten Alben. Darunter die einzigartigen Einspielungen vom Heiligabend 1954 mit Miles Davis, Percy Heath, Milt Jackson und Kenny Clarke. Die 1950er wahren für Monk die wohl erfolgreichsten Jahre seiner Karriere. Er wechselte erneut die Plattenfirma. Das Label Riverside stand anfangs Monks "außergewöhnlicher" Musik noch skeptisch gegenüber. Doch schon auf seinem dritten bei Riverside erschienenen Album "Brilliant Corners" konnte Thelonious Monk sich voll entfalten.

Das musikalische Vorbild

Saxophonist John Coltrane sagte 1955 über Monk: "Wenn ein Musiker einen kleinen Funken der Inspiration braucht, einen Impuls, dann muss er nur in der Nähe Monks sein, und Monk wird ihn ihm geben." Auch andere Musiker wie Charlie Parker, Sonny Rollins nannten später Monk als eine ihrer wichtigsten Inspirationsquellen. 1964 ziert Monks Konterfei sogar die Titelseite des renommierten Time Magazine. 1969 war der US-Amerikaner Stargast bei den Berliner Jazztagen (seit 1981 Jazzfest Berlin). Der exzentrische Musiker hatte es nun geschafft: Er wurde zum Vorbild für Generationen von Musikern.

Die späten Jahre

In den 1970er Jahren wurde es stiller um den großartigen Pianisten, Komponisten und Improvisator. Seine angeschlagene Gesundheit machte ihm immer mehr zu schaffen. Ende der Siebziger verließ Monk seine Wohnung in Manhattan nicht mehr. Seine Frau Nellie kümmerte sich liebevoll um Thelonious. Am 17. Februar 1982 stirbt der Schöpfer von Jazzstandards wie "Honey Suckle Rose" oder "West End Blues" nach einer Hirnblutung im Alter von nur 62 Jahren. Am 10. Oktober 2017 wäre Thelonious Monk 100 Jahre alt geworden.

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