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Sport

100 Jahre Deutsches Sportabzeichen

Alle Jahre wieder gehen sie auf den Sportplatz, laufen, springen und werfen. Zwei Millionen Deutsche nehmen teil, weniger als die Hälfte schaffen es: Das Deutsche Sportabzeichen, das jetzt 100 wird.

Dietmar Zinner (im Bild links) ist einer von ihnen. Seit seinem 18. Lebensjahr legt er regelmäßig das Deutsche Sportabzeichen ab. Erst in Bronze, dann in Silber, schließlich in Gold. Ausschlaggebend waren seine Eltern: Der mittlerweile 70-Jährige stammt aus einer Turnerfamilie. "Als ich das 15. Abzeichen hatte, wollte ich Nummer 20, dann 25." Gerade hat er die 54. Wiederholung gemeistert.

Der vergoldete Orden - Deutsches Sportabzeichen vom DOSB mit der Zahl 50 (Foto: DW)

50. Ehrung - der Orden Deutsches Sportabzeichen

"Ich freue mich über die rund zwei Millionen Sportbegeisterten, die zu den Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen alljährlich antreten", lobte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Das Sportabzeichen feiert dieser Tage seinen 100. Geburtstag. Auch wenn das Image etwas angestaubt ist, alle Altersgruppen machen mit.

Vielseitiger Fitnesstest

Vom Achtjährigen bis zum Hochbetagten kann jeder, ob Deutscher oder nicht, die Prüfungen ablegen. Nur knapp die Hälfte der zwei Millionen Teilnehmer schafft die Anforderungen. Sie müssen in fünf sportlichen Bereichen je eine Übung mit einer bestimmten Leistung erfüllen, abhängig von Alter und Geschlecht. Neben Schwimmen, Schnelligkeit und Ausdauer werden Schnell- und Sprungkraft geprüft.

Dietmar Zinner hat dieses Jahr 50 Meter Sprint, 3000 Meter Ausdauerlauf, Kugelstoßen und Standweitsprung erfolgreich hinter sich gebracht. Allerdings: "Ich  muss zugeben, dass die Leistungen Jahr für Jahr allmählich zurückgehen", sagt der sportliche Senior.

Dietmar Zinner beim Start für den Kurzstreckensprint ( Foto: DW)

Dietmar Zinner beim Sprint: Auf die Plätze, fertig, los!

Auch im Ausland ist das deutsche Abzeichen populär. "Sportabzeichen verleihen wir in fast 70 Ländern der Erde an 8000 bis 10.000 Menschen", erzählt Bernd Laugsch vom Deutschen Olympischen Sportbund im Interview mit der Deutschen Welle.

Das ist seit 1954 möglich, nachdem viele Deutschstämmige und Deutsche mit Sitz im Ausland die Prüfungen für das Sportabzeichen an ihrem Wohnort ablegen wollten. Neben der Bundeswehr machen sich derzeit vor allem die deutschen Auslandsschulen für das Deutsche Sportabzeichen stark. Vorbilder sind Argentinien und Brasilien: An den dortigen Schulen gibt es jährlich bis zu 2000 Prüfungen.

Eine Gruppe Sportler macht Dehnübungen, bevor sie gleich die Prüfungen zum Sportabzeichen ablegen (Foto: DW)

Dehn- und Aufwärmübungen, bevor es los geht mit den Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen

Freizeitsport ist in Deutschland beliebt

Vor 100 Jahren wurden die ersten Prüfungen für das Deutsche Sportabzeichen abgenommen. Carl Diem, ehemaliger Rektor der Deutschen Sporthochschule zu Köln, importierte die Idee von Schweden nach Deutschland. Im Jahr 1912 gab es gerade mal 22 Teilnehmer - männliche Sportler wohlgemerkt. Das Sportabzeichen auch für Frauen gibt es erst seit 1921.

Dass der "Fitnessorden" schon seit hundert Jahren verliehen wird, hänge mit der großen Bedeutung des Freizeitsports in Deutschland zusammen, so Bernd Laugsch vom DOSB. Viele Deutsche wollen sich körperlich fit halten und den Bewegungsmangel ihrer beruflichen Tätigkeit ausgleichen. Das tun sie in unterschiedlichen Vereinen. 27 Millionen Mitglieder zählen die 91.000 deutschen Sportvereine. Das Sportabzeichen sei für viele dann ein persönlicher Leistungstest. Die Prüfung soll im nächsten Jahr reformiert werden, um noch mehr Menschen zu erreichen.

Sportlich wie Lammert, Köhler und Co.

Ein Mann kurz nach dem Absprung beim Weitsprung in einer Bonner Sportanlage (Foto: DW)

Springen, so weit es geht

Bisher wurde der Stand von 2008, dem Rekordjahr des Deutschen Sportabzeichens, nie wieder erreicht. Gut eine Million Menschen bekamen damals Urkunden vom DOSB. Einer von ihnen war Bundestagspräsident Norbert Lammert, der sich seit 19 Jahren regelmäßig den Prüfungen stellt. Er gehört neben Rudolf Scharping und Norbert Blüm zu den prominentesten Sportabzeichen-Trägern. Auch die Altbundespräsidenten Horst Köhler und Richard von Weizäcker gingen auf den Sportplatz, letzterer sogar noch an seinem 83. Geburtstag.

So weit in die Zukunft schauen möchte Dietmar Zinner nicht. "Solange ich gesund bin, werde ich das Sportabzeichen machen", sagt er. Seine Begeisterung hat er auch an seine Tochter weitergegeben, die dieses Jahr zum 22. Mal dabei ist. Was Dietmar Zinner besonders freut: Dieses Jahr macht das erste Mal sein achtjähriger Enkel die Prüfungen für das Jugendsportabzeichen. Eine Familientradition setzt sich fort.

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