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Kultur

10 x Film & Literatur

Das Film-Jahr 2015 geht zu Ende. Über das Kino wurde in den zwölf Monaten viel geschrieben. Bücher, Festivalkataloge und Bildbände widmeten sich der Filmkunst. Eine Auswahl von zehn bemerkenswerten Filmbüchern.

Wenn sich der Vorhang teilt, der Saal verdunkelt und auf der Leinwand der Film beginnt, dann ist die Welt des Kinos ganz bei sich. Doch Kino kann noch mehr sein. In Deutschland widmen sich große und kleine Verlage der siebten Kategorie der Schönen Künste und geben Jahr für Jahr eine Menge Bücher über Kinothemen heraus. Wir stellen zehn ausgesprochen lesenswerte Bücher vor:

Drei Meister in Hollywood: Stroheim, Wyler, Preminger

"Gemeinsam ist ihnen die Radikalität, mit der sie ihre Kunst realisierten: der enorme Wille, ganz andere Bilder mit ungewöhnlichen Perspektiven zu schaffen." So fasst der Filmpublizist Norbert Grob die ästhetischen Prinzipien der drei Hollywood-Regisseure Erich von Stroheim ("Greed"), William Wyler ("How to Steal a Million", unser Foto oben) und Otto Preminger ("Bonjour Tristesse") zusammen: Drei Persönlichkeiten des US-Kinos der klassischen Ära, die auf den ersten Blick gar nicht so viel gemeinsam haben. Norbert Grob schrieb die Texte einst für die Retrospektive der Berliner Filmfestspiele. Jetzt hat er die Essays zum Werk der drei Kinogroßmeister gründlich überarbeitet und in einem Band zusammengefasst. Und zeigt nun, was Stroheim, Wyler und Preminger verbindet: "Die große Lust, innovativ zu inszenieren." (Bertz + Fischer Verlag, ISBN 9783865053244)

Retrospektive John Ford

Auch er ist ein Klassiker Hollywoods. Im vergangenen Jahr widmete die Viennale, das große Filmfestival in der österreichischen Hauptstadt, dem Epiker des US-Kinos eine Retrospektive. Das Buch, das zur Retro herausgekommen ist, stellt die in Wien gezeigten Filme ausführlich vor. Außerdem laden drei lange Essays zum Schmökern ein. John Ford, der vor allem mit großen Western wie "Der Teufelshauptmann" und "Der schwarze Falke" berühmt wurde, ist es wert, immer wieder neu entdeckt zu werden. Wer die Vereinigten Staaten von Amerika verstehen will, der schaue sich die Filme des Regisseurs an: Hier liegen viele Schlüssel zum Verständnis der heutigen Supermacht. (Eine Publikation der Viennale, vertrieben im Schüren Verlag, ISBN 9783894728984)

Robert Siodmak

Noch ein Beispiel dafür, dass gute Filmbücher oft im Rahmen filmhistorischer Retrospektiven erscheinen. Der deutsche Regisseur Robert Siodmak stand 2015 im Mittelpunkt einer Retrospektive im Historischen Museum in Berlin. Der Emigrant Siodmak hatte in Hollywood Erfolg, davor und danach drehte er in der Heimat. Sieben Autoren schlüsseln das Werk des Regisseurs auf. Als in Europa der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, drehte Siodmak in Hollywood drei schwarze Klassiker des Film Noir: "Die Wendeltreppe", "Rächer der Unterwelt" und "Der schwarze Spiegel". Doch auch für zwei Meisterwerke des deutschen Kinos war Siodmak verantwortlich: "Menschen am Sonntag" (1929) und "Die Ratten" (1955). (Deutsches Historisches Museum/Schüren, ISBN 9783894729141)

Harald Braun, Literatur - Film - Glaube

Es geschieht häufig, dass die Regisseure des frühen deutschen Nachkriegsfilms pauschal verdammt werden - als Heimatfilmer und künstlerisch unbedeutend. Vor allem dann, wenn diese, wie der 1901 geborene Harald Braun, während des Nationalsozialismus debütierten und ihre Hauptwerke in den 1950ern drehten. In jenen Jahren also, in der das deutsche Kino vor allem von Heimatschnulzen geprägt war. Braun hat gerade in dieser Ära einige bemerkenswerte Filme inszeniert und steht somit für ein deutsches Nachkriegskino der Daheimgebliebenen. Anders als Kollegen wie Siodmak hat Braun ausschließlich in seiner Heimat gearbeitet. Der nun vorliegende Band ist die erste Monografie über den Regisseur. (hrsg. von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen, edition text+kritik, ISBN 9783869163642)

Reflexionen des beschädigten Lebens? Nachkriegskino in Deutschland zwischen 1945 und 1962.

Zu einer intensiveren Betrachtung eben jenes frühen deutschen Nachkriegskinos lädt auch dieses Buch ein. Die Autoren untersuchen singuläre Filmwerke, die in den Jahren bis 1962 entstanden. Auch anhand von weniger bekannten Werken weisen die Beiträge des Bandes darauf hin, dass viele damals entstandene Filme als Spiegel für ein Land in Trümmern interpretiert werden können. Einzelne Motive werden als Gradmesser für die Befindlichkeit der Deutschen wahrgenommen. Auch wenn die bundesdeutsche Nachkriegs-Filmgeschichte nun nicht umgeschrieben werden muss, zeigt das Buch doch, dass im Rückblick vieles inzwischen anders gesehen wird: Der deutsche Nachkriegsfilm war so schlecht und belanglos nicht. (hrsg. von Bastian Blachut/Imme Klages/Sebastian Kuhn, edition text+kritik, ISBN 9783869163659)

Unstillbare Sehnsucht. Die Filme von Claude Sautet

Filmbücher entstehen in Deutschland oft auch auf Grundlage von Dissertationen. Diese Texte erweisen sich manchmal als ein wenig akademisch. Bettina Karrers Claude-Sautet-Monografie ist zwar sehr analytisch und detailreich, doch trotzdem gut lesbar. Der französische Regisseur, der immer im Schatten seiner großen Landsleute Jean-Luc Godard, François Truffaut und Claude Chabrol stand, dürfte den Zuschauern vor allem als der Regisseur Romy Schneiders in Erinnerung sein. Mit ihr drehte er fünf Filme. Titel wie "Die Dinge des Lebens" oder "Eine einfache Geschichte" erlaubten tiefe Einblicke in das französische Bürgertum. 1992 drehte Sautet noch "Ein Herz im Winter", eines der schönsten und ergreifendsten Melodramen der Kinogeschichte. (Schüren, ISBN 9783894729097)

Michelangelo Antonioni: Bild - Projektion - Wirklichkeit

Der 2011 verstorbene Filmkritiker Michael Althen schrieb im Nachruf auf den italienischen Regisseur Michelangelo Antonioni: "Alles, was wir als modern empfinden, verdanken wir ihm." Matthias Bauer zitiert Althens prägnanten Satz im Vorwort seiner Antonioni-Monografie. Was dann folgt, ist eine ungemein detailreiche und erschöpfende Studie über den italienischen Meisterregisseur (engbedruckte 768 Seiten!). Den Hauptteil des Buches nimmt der Film "Blow up" ein, für Bauer Antonionis wichtigstes und am häufigsten zitiertes und interpretiertes Werk, eine filmische Versuchsanordnung über "Wahrnehmung, Wirklichkeit und Wahrheit." Von nun an gilt zumindest im deutschsprachigen Raum: Wer immer etwas über Michelangelo Antonioni wissen will, der greife zu Bauers Buch. (edition text+kritik, ISBN 9783869162676)

Spike Jonze

Wahrscheinlich erst mit dem Abstand von ein paar Jahren wird man die Bedeutung des US-amerikanischen Films "Her" erkennen. Noch sind die Eindrücke zu frisch, die der Zuschauer erhalten hat, als er 2013 Theodore Twombly (Joaquin Phoenix)im Kino dabei zusah, wie er sich in eine Stimme verliebte (immerhin die von Scarlett Johansson). Ein Film, ein Mann, eine Stimme - mehr brauchte der 1969 geborene US-Regisseur Spike Jonze nicht, um seinen bemerkenswerten Film zu inszenieren und den Zuschauern damit gleich mehrere Denkanstöße mit auf den Weg zu geben. Die Autoren des vorliegenden Bandes haben die Bedeutung des Regisseurs Spike Jonze natürlich erkannt - und widmen ihm ein ganzes Buch. Das nimmt auch das umfangreiche Werk des Musikvideoregisseurs unter die Lupe. (hrsg. von Johannes Wende, edition text+kritik, ISBN 9783869164007)

Stilepochen des Films: Neues ostasiatisches Kino

"Ein asiatisches Kino existiert nicht", schreiben die Herausgeber des gelben Reclam-Bändchens im Vorwort. Warum dann dieses Buch? Doch die Aussage ist natürlich nur insofern richtig, als dass es auch kein europäisches oder nordamerikanisches Kino gibt. Zu "großer Vorsicht mit Generalisierungen" raten die Autoren und stellen auf den folgenden 375 Seiten vor allem die Unterschiede von Kinonationen wie Japan, Süd-Korea oder Taiwan vor. Ein Kino, das auch in Europas Lichtspielhäusern und auf großen Festivals inzwischen etabliert ist. Mit Namen wie Wong Kar-wai, Kitano Takeshi oder Park Chan-wook sind Cineasten heute fast ebenso vertraut wie mit Pedro Almodóvar oder Lars von Trier. Schaut man noch einmal auf große Filmerfolge wie "Days of Being Wild" (1990), "Sonatine" (1993), oder "Suzhou River" (2000) so kann man konstatieren: Neben Hollywood und Europa bilden die Filme aus Ostasien das dritte Schwergewicht des modernen Weltkinos. (hrsg. von Ivo Ritzer und Marcus Stiglegger, Reclam, ISBN 9783150193167)

Satyajit Ray

Das indische Kino ist in Europa immer noch weitgehend unbekannt - sieht man einmal von den Bollywood-Filmen, die sich in den letzten Jahren bei den Privatsendern Sendeplätze erkämpft haben, und umjubelten Auftritten von Superstars wie Shah Rukh Khan bei der Berlinale ab. Dabei hat Indien mit Satyajit Ray einen der ganz großen Regisseure der Filmgeschichte hervorgebracht. Ray erhielt 1992, im Jahr seines Todes, noch einen Ehren-Oscar in Hollywood. Der nun vorliegende Band stellt verschiedene Etappen seines Werks vor: Die berühmte gesellschaftskritische Apu-Trilogie, die auch in Berlin, Cannes und Venedig ausgezeichnet wurde; Rays intensive Beschäftigung mit den Frauen in der indischen Gesellschaft; Die Auseinandersetzung des Regisseurs mit dem Leben im Indien der Moderne. Außerdem nehmen die Autoren Rays Einflüsse auf US-Filmemacher wie Wes Anderson unter die Lupe. (hrsg. von Susanne Marschall, edition text+kritik, ISBN 9783869164465)

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