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Kultur

10 Romanübersetzungen, die Sie lesen müssen

In diesem Frühjahr erscheint eine Vielzahl spannender Romane in deutscher Übersetzung. Wir haben aus dem großen Angebot die zehn spannendsten Werke fremdsprachiger Autoren herausgepickt.

Vom Popstar der USA-Autoren kommt einmal mehr ein Roman über eine widerborstige Seele, die sich quer zum etablierten Amerika stellt. T.C. Boyles "Hart auf Hart" (Hanser) erzählt vom jungen Adam, der sich in eine Waldhütte verzieht und aufbegehrt - gegen Spießer und Konformisten. Auch wenn Boyle nicht mehr so stark schreibt wie zu Zeiten von "Wassermusik" und "World´s End" vor 30 Jahren - seine Romane bieten immer noch ein pralles Lesevergnügen.

Als "literarischer Schatz", der gehoben wurde, als "Entdeckung" und "Sensation" wird die Übersetzung von Stefano D´Arrigos "Horcynus Orca" (Fischer) gefeiert. Der voluminöse Roman erschien 1975, galt lange als unübersetzbar und wurde nun in jahrelanger Arbeit von Moshe Kahn ins Deutsche übertragen (nominiert für den Leipziger Buchpreis für die beste Übersetzung). Es ist die Erzählung eines 1943 heimkehrenden italienischen Matrosen, der in vier Nächten und fünf Tagen den Lauf der Welt deutet.

Tom Drury ist ein Chronist der amerikanischen Provinz und so wirft auch sein neuer Roman "Das stille Land" (Klett-Cotta) literarische Schlaglichter auf das Amerika des Mittleren Westens. Ähnlich wie Boyle stellt Drury einen amerikanischen Außenseiter in den Mittelpunkt seiner Erzählung, der durch die Begegnung mit einer schönen Frau aus seinem vertrauten Leben herausgerissen wird.

Wie Drury braucht auch der französische Autor Jérôme Ferrari keine vielen hundert Seiten, um eine ganz Romanwelt zu erschaffen. In "Das Prinzip" heftet sich einer der interessantesten französischen Autoren einer mittleren Generation auf die Fersen des deutschen Physikers Werner Heisenberg. Ferrari beschreibt auf 130 Seiten deutsche Geschichte - zwischen Wissenschaft und Sprache, Kultur und Politik.

Milan Kunderas neuer Roman "Das Fest der Bedeutungslosigkeit" (Hanser) braucht ebenfalls kaum 150 Seiten für seine Geschichte um vier Freunde, die in Paris zusammentreffen. Jeder hat sein Thema - und das sind auch die Sujets, mit denen sich der seit langem in Paris wohnende und in Französisch schreibende Exil-Tscheche beschäftigt: Stalinismus und Politik, Liebe und Kunst. Für die einen ist Kunderas erster Roman seit 14 Jahren Altherrenliteratur, für die Anderen heiter-gelassene in Romanform gegossene Philosophie.

Über Michel Houellebecqs "Unterwerfung" (DuMont) ist schon unendlich viel geschrieben worden. Am Tag, als das Buch in Frankreich erschien, erschossen Fanatiker 12 Menschen in den Redaktionsräumen des Satiremagazins "Charlie Hebdo". Der Roman verschwand danach fast hinter den grässlichen Ereignissen. Doch ihn zu lesen, lohnt. Auch wenn es schwer fällt: Man sollte den Versuch machen, "Unterwerfung" als literarische Fiktion zu begreifen.

Auch über diesen Roman wurde in Frankreich in den letzten Wochen viel diskutiert: Edouard Louis´ "Das Ende von Eddy" (Fischer) ist das sprachliche Wunderwerk eines erst 22-jährigen Autors. Louis erzählt, autobiografisch gefärbt, vom schweren Erwachsenwerden in der nordfranzösischen Provinz. Dass sein jugendlicher Held homosexuell ist, ist nur eine Facette dieses berührenden Buches.

Ian McEwan ist dagegen schon ein lange etablierter Meister der modernen englischen Literatur. Sein neuer Roman heißt "Kindeswohl" (Diogenes). McEwan schafft es, den Leser mit seinen Romanen immer wieder zu überraschen. Weil er es versteht, ernste Themen - hier: die richterliche und medizinische Verantwortung in lebensbedrohenden Fällen - elegant und spannend in einen Roman zu verpacken. Man mag das Buch kaum aus der Hand legen.

Ein neuer Roman vom israelischen Autor Amos Oz ist immer ein Ereignis. In "Judas" (Suhrkamp) erzählt der israelische Schriftsteller einmal mehr von der bewegten Geschichte seines Landes. Ausgangspunkt ist der Winter 1959: Ein junger Mann kommt nach Jerusalem und trifft dort auf zwei eigentümliche Menschen. Mit denen unterhält er sich über Zionismus und die geteilte Stadt Jerusalem, über all die Konflikte, die das kleine Land am Mittelmeer schon so lange heimsuchen.

So wie Amos Oz ein Chronist Israels ist, so kann man in den Büchern von John Williams viel über die Vereinigten Staaten von Amerika lernen. Von Williams, der 1994 starb und in Deutschland vor zwei Jahren mit dem phantastischen Roman "Stoner" wiederentdeckt wurde, ist jetzt erstmals auf Deutsch "Butcher´s Crossing" (dtv) erschienen. Ein Buch über die Geburt einer Nation, ein ergreifendes Buch auch über die Beziehung des Menschen zur Natur.

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