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Fußball

10 Jahre nach dem Champions League-Debakel

Vor zehn Jahren (26.05.1999) fand eines der denkwürdigsten Fußballspiele der Geschichte statt. In einem dramatischen Finale um die Champions League verlor Bayern München durch zwei Tore in der Nachspielzeit.

Enttäuschte Bayern-Spieler (Foto: dpa)

Einfach nur Leere: Die Bayern-Spieler Tarnat, Kahn und Scholl nach dem Schlusspfiff

Erinnern Sie sich, wo sie beim Fall der Berliner Mauer waren? Oder beim Tsunami? Oder beim Anschlag auf das World Trade Center? Es gibt Ereignisse, die haben sich so fest in die Festplatte im Gehirn gebrannt – man wird wohl nie vergessen, was man tat, als sie geschahen. Auch im Sport gibt es das: Die WM-Finals, Dieter Baumanns Goldlauf bei Olympia und – Bayerns Niederlage im Champions League-Endspiel 1999 gegen Manchester United.

ManU feiert (Foto: AP)

ManU feiert mit Trainer Ferguson den Titelgewinn

Deutsche Welle-Sportreporter Andreas Ziemons muss man auch nicht lange fragen, schon setzt er eine ernste Miene auf und beginnt zu erzählen: "Wir waren in Belgien mit 12 oder 14 Studenten unterwegs, haben zwei Ferienbungalows gemietet und extra verbotener Weise ein Sofa vom einen Haus ins andere getragen, um das Spiel zu gucken." Dann runzelt er die Stirn. "Es begann eigentlich ganz gut..." Eigentlich...

Wohl nie zuvor hatte es eine dramatischere Entscheidung gegeben in einem Fußballspiel. Nahezu 90 Minuten sahen die Bayern wie sichere Sieger aus, waren durch Mario Basler per Freistoß früh in Führung gegangen, es folgte Chance um Chance. Mehmet Scholl schoss an den Pfosten, Carsten Jancker traf per Fallrückzieher die Latte.

Eine der tragischsten Niederlage der Fußballgeschichte

Spielszene (Foto: picture alliance)

Sheringham trifft in der 91. Minute zum 1:1 für ManU

Kaum einer hatte noch Zweifel daran, dass die Bayern das Endspiel in Barcelona gewinnen würden. Zu groß war ihre Überlegenheit. Und das mit einer Mannschaft, in der es außer Oliver Kahn und Stefan Effenberg keine absoluten Topspieler gab. Wer hätte gedacht, dass man mit Akteuren wie Linke, Tarnat, Zickler, Jancker oder Jeremies ein Champions League-Finale erreichen könnte, geschweige denn, dass man den reichsten Club der Welt an den Rand einer Niederlage bringen könnte? Aber bei den Bayern stimmte der Einsatz, die Leidenschaft, die taktische Einstellung durch Trainerfuchs Ottmar Hitzfeld, der bereits zwei Jahre zuvor den Coup geschafft hatte, damals mit Borussia Dortmund.

Spielszene (Foto: picture alliance)

Leitwolf Matthäus hatte nur Luft für 81 Minuten

Und man hatte Lothar Matthäus, den Leitwolf. In die Jahre gekommen zwar, aber immer noch mit brillantem Auge und Spielverständnis. Als er nicht mehr konnte, nachdem er ausgewechselt worden war, fehlte die ordnende Hand in der Defensive. Thorsten Fink, für Matthäus auf den Platz gekommen, leitete denn auch mit einem misslungenen Befreiungsschlag den Ausgleich für Manchester ein. Kurz nach Ende der regulären Spielzeit traf Teddy Sheringham aus kurzer Distanz. Die Bayern-Mannschaft war geschockt, der Traum vom Titelgewinn ausgeträumt, obwohl es doch erst 1:1 stand.

Keine Zeit zum Durchatmen - zwei Gegentore in drei Minuten

Aber an der Körpersprache der Spieler konnte man erkennen, dass der Glaube an sich selbst gebrochen war. Hängende Schultern, fragende Gesten, schüttelnde Köpfe. Und gleich nach dem Anpfiff die nächste Ecke für die Engländer...

Spielszene (Foto: picture alliance)

Schmeichel ließ sich von Baslers Freistoß überraschen

Diesmal war es der wie Sheringham eingewechselte Norweger Ole Gunnar Solskjaer, der reaktionsschnell zugeschlagen hatte. Die Bayern waren besiegt, durch zwei Tore in der Nachspielzeit. Die Bayern-Spieler lagen jetzt weinend, von Krämpfen geschüttelt am Boden, mussten zusehen, wie Manchester der Pokal überreicht wurde. Ein Bild, das sich in die Köpfe der Fans brannte, auch bei Sportreporter Andreas Ziemons: „Ich sehe immer noch die Münchener Spieler vor mir, wie die völlig konsterniert mit gesenkten Köpfen an diesem Pokal vorbeigehen, den sie ja schon fast gewonnen hatten. Bitter!“

Ein Sieg, fast schon peinlich für Alex Ferguson

Für ManU kam der Triumph so unerwartet, dass sich Teammanager Alex Ferguson im Kabinengang sogar bei Ottmar Hitzfeld entschuldigte. Und selbst Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, der den Landesmeisterpokal als Spieler dreimal in den Händen halten durfte, und für manchen Wutausbruch nach Niederlagen bekannt, war beim traditionellen Mitternachtsbankett milde gestimmt. Es habe Spaß gemacht, der Mannschaft zuzusehen, lobte er sein Team und den Trainer.

Bayern-Spieler am Boden (Foto: AP)

Effenberg (re.) und Jancker können es nicht fassen

Trotz der 1:2-Niederlage von Barcelona hat der FC Bayern neue Freunde gefunden. Und für die, die ihn noch nie mochten, war der Club wenigstens ein bisschen menschlicher geworden. Und noch ein Gutes hatte der Sekunden-Tod im Camp Nou: Ohne dieses Erlebnis, da ist sich Stefan Effenberg heute sicher, hätten die Münchener zwei Jahre später die Champions League nicht gewonnen. Denn dann, so Effenberg, wäre die Mannschaft „satt gewesen.“ Deutsche Welle-Kollege Ziemons hat allerdings immer noch an der Niederlage zu kauen, denn heute hat er einen norwegischen Schwiegervater, der ausgerechnet Manchester United-Fan ist. "Und jedes mal, wenn diese Szene im Fernsehen läuft", schmunzelt Ziemons, "dann strahlt er mich an und fragt: Weißt du noch, wie toll das war? Dann stehe ich immer daneben und kann seine Freude bei weitem nicht teilen…“

Autor: Tobias Oelmaier
Redaktion: Arnulf Boettcher

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