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Fokus Südosteuropa

Übersetzerpreis für Mirjana und Klaus Wittmann

Mirjana und Klaus Wittmann erhalten den diesjährigen Paul-Celan-Preis. Der Preis wird dem Ehepaar für sein Gesamtwerk verliehen, das zahlreiche Übersetzungen aus dem Serbischen, Kroatischen und Bosnischen umfasst.

Klaus (l.) und Mirjana Wittmann (Foto: DW)

Klaus und Mirjana Wittmann

Nein, sagt Mirjana Wittmann lächelnd, sie sei nicht freiwillig nach Deutschland gekommen, sie wollte ihre Freunde in Jugoslawien nicht verlassen. Es waren ihre Eltern, die darüber entschieden haben: "Ich bin von meinen Eltern nach Deutschland verschleppt worden", erzählt sie lachend. "Ich war gerade volljährig geworden, aber nicht selbstständig. Sie haben beschlossen, nach Deutschland zu kommen und haben mich mitgeschleppt."

Das war 1956, Jahre bevor Deutschland die ausländischen Gastarbeiter systematisch ins Land zu holen begann. Die junge Frau aus Belgrad stand zunächst unglücklich in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht beherrschte. Die Mutter hat ihr einige Monate, bevor die Reise los ging, etwas Unterricht gegeben - "das war alles", sagt Mirjana Wittmann.

Die Klangfarbe des Textes finden

Klaus (l.) und Mirjana Wittmann in ihrem Arbeitszimmer (Foto: DW)

Klaus und Mirjana Wittmann in ihrem Arbeitszimmer

Ein halbes Jahrhundert später ist sie, zusammen mit ihrem Mann Klaus Wittmann, die Preisträgerin des diesjährigen Paul-Celan-Übersetzerpreises des Deutschen Literaturfonds. In ihrer Begründung lobt die Jury insbesondere den "Sinn für Sprachgestus, Rhythmus sowie die Klangfarbe des Originals" - für Wittmann die wahre Herausforderung eines jeden Übersetzers. "Für mich ist das wichtigste, den Ton zu treffen. Ich muss sehen, ob der Text mir zusagt", erklärt Übersetzerin. "Es ist nötig, dass man irgendwie die Wellenlänge trifft. Ich habe immer den Eindruck, als ob man gleichzeitig rhythmisch atmen würde mit dem Autor. Wenn das der Fall ist, dann ist es gut." Denn nicht die Worte seien entscheidend für eine gute Übersetzung sagt Mirjana Wittmann: "Wichtig ist die Kadenz, der Ton, die Melodie - die Atmosphäre des Textes".

Klaus (l.) und Mirjana Wittmann in ihrem Arbeitszimmer (Foto: DW)

Den richtigen Ton finden

Die Zusammenarbeit mit ihrem Mann Klaus Wittmann ist von großer Bedeutung - seine Aufgabe ist es, dem übersetzten Text den Feinschliff zu geben, um so die Melodie des Originals auch in der deutschen Sprache erklingen zu lassen: "Meine Rolle bei der ganzen Arbeit ist, dass ich Deutscher bin, dass Deutsch meine Muttersprache ist. Deutsch ist nicht Mirjanas Muttersprache, und ich muss dafür sorgen, dass es in meiner Sprache funktioniert", beschreibt Klaus Wittmann seinen Anteil an den Übersetzungen.

Arbeit in der Einsamkeit

David Albahari (l.) und Mirjana Wittmann (Foto: DW)

David Albahari und Mirjana Wittmann

Selten tritt ein Übersetzer ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Selbst bei hohen Auflagen oder kommerziellen Erfolgen von Büchern werden nur selten neben den Namen der Autoren auch die der Übersetzer genannt. Umso mehr freuen sich die Wittmanns über den Paul-Celan Preis - eine der Auszeichnungen, die umso wertvoller erscheint, als eine Eigenbewerbung der Übersetzer oder Verlage nicht möglich ist.

"Diese Arbeit wird in der Einsamkeit vollbracht, und sie wird auch sehr schlecht entlohnt. Davon kann man sehr schwer leben", stellt Mirjana Wittmann fest. Wenn man dann so eine Anerkennung bekomme, sei das eine große Genugtuung, betont sie stolz: "So ein Preis bedeutet Aufwertung, und das tut einem unheimlich gut."

Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wurde am 13. Oktober 2011 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Autor: Zoran Arbutina
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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