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Deutschlehrer-Info

„Übersetz mal schnell“

Im Alltag ist es für Ausländer eine große Hilfe, wenn jemand mal eben ein Formular oder ein Gespräch übersetzt. Bei amtlichen Schriftstücken, in der Behörde oder beim Arzt ist aber professionelle Übersetzung gefragt.

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, und fast keiner von ihnen ist der deutschen Sprache mächtig. Oft wird dann mit Händen und Füßen kommuniziert oder auf Englisch geradebrecht. Ohne die Hilfe der vielen Ehrenamtler wäre auch hier die Grundversorgung der Neuankömmlinge längst nicht mehr möglich. Deshalb erscheint den überforderten Behörden jede mehr oder weniger bilinguale Person mittlerweile als Dolmetscher geeignet.

Das Recht auf einen Profi-Dolmetscher

„Rechtlich gesehen haben Asylbewerber oder anerkannte Geflüchtete nur in einigen Situationen Anspruch auf professionelle Sprachmittlung – zum Beispiel bei ihrer Anhörung im Asylprozess oder bei einer polizeilichen Vernehmung“, so die Politikwissenschaftlerin Lisa Jöris. Doch das war es auch schon. In auf Deutsch verfassten Schreiben des Jobcenters werden Migranten beispielsweise aufgefordert, zu ihren Terminen mit Dolmetscher vorzusprechen, bei Nicht-Erscheinen werden Leistungen gemindert. Bei Anträgen, einen Dolmetscher von Seiten der Behörde zur Verfügung gestellt zu bekommen, wird bisweilen mehr oder weniger direkt darauf verwiesen, dass es bis jetzt auch irgendwie ohne funktioniert habe.

Seit 2013 steht im Patientenrechtegesetz, dass nicht-deutsche Muttersprachler der Aufklärung durch den Arzt sprachlich folgen können müssen. Doch welcher Arzt beschäftigt schon professionelle Dolmetscher in seiner Praxis, die gibt es nur in wenigen Krankenhäusern. Also sind auch hier Laiendolmetscher gefragt. Oftmals sind das Menschen aus dem eigenen Umfeld, die eventuell selbst eine der beiden Sprachen nicht fließend beherrschen und ebenfalls nicht in Deutschland aufgewachsen sind.

Gut gemeint, aber nicht unbedingt hilfreich

So gut die Übersetzungshilfe auch gemeint ist, sie kann auch sehr problematisch sein, meint Politikwissenschaftlerin Jöris. Übersetzungsfehler, gerade was Fachbegriffe angeht, sind vorprogrammiert. Außerdem mischen sich Angehörige oft ins Gespräch ein, wollen dem Vater zum Beispiel aus Respekt nichts von der tödlichen Diagnose beim Arzt sagen. Oder ein gläubiger Muslim weigert sich, einer Beamtin ins Gesicht zu blicken, weil das in seinem Kulturkreis nicht üblich ist. Laien sind mit solchen Situationen überfordert; ausgebildete Dolmetscher hingegen besitzen nicht nur sprachliche, sondern auch interkulturelle Kompetenz und können Missverständnisse aufklären. Moralisch verpflichtet

Während der aktuellen Flüchtlingskrise sind es vor allem die ehrenamtlichen Helfer, die als Dolmetscher fungieren. Sie sind hoch motiviert und tun alles, um Flüchtlingen den Start in Deutschland zu erleichtern. Obwohl vielen bewusst ist, dass sie eigentlich nicht über alle erforderlichen Kompetenzen verfügen, fühlen sie sich moralisch verantwortlich zu helfen. Eigentlich aber liege die Verantwortung auf staatlicher Ebene, betont Lisa Jöris: Statt immer wieder zu diskutieren, ob die Bundesrepublik überfordert sei mit der derzeitigen Situation, müssten endlich konkrete Lösungen her.

suc/mk (dpa/migazin)

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