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Afrika

Überraschungssieg in Burkina Faso

Roch Marc Christian Kaboré heißt der neue Präsident von Burkina Faso. Ziemlich überraschend wurde er bereits in der ersten Runde an die Staatsspitze gewählt. Katrin Gänsler berichtet aus Ouagadougou.

Roch Marc Christian Kaboré am Wahltag in Ouagadougou (Foto: DW)

Roch Marc Christian Kaboré am Wahltag in Ouagadougou

Mit diesem eindeutigen Ergebnis hat in Burkina Faso wohl niemand gerechnet. Gleich im ersten Wahlgang ist der 58-jährige Roch Marc Christian Kaboré am Sonntag zum neuen Präsidenten des westafrikanischen Staates gewählt worden. Das hat in der Nacht zu Dienstag die nationale, unabhängige Wahlkommission (Ceni) verkündet. Stundenlang hatten die Politiker, Journalisten und Wahlbeobachter auf das Ergebnis gewartet, bis es um kurz nach Mitternacht Ortszeit endlich hieß: Mit 53,49 Prozent der Stimmen hat Kaboré gewonnen.

Schon nach der Auszählung der ersten Wahllokale zeichnete sich dessen Erfolg ab. Trotzdem: Er gilt auch als Überraschung. Denn noch in der vergangenen Woche waren sich die Beobachter einig, dass es zu einer Stichwahl kommen wird. Doch Kaborés stärkster Mitbewerber, Zéphirin Diabré, konnte nur 29,65 Prozent aller Stimmen verbuchen. Dabei hatte er sich noch am Wahltag siegessicher gegeben.

Diabré: Bis zuletzt Hoffnung auf den Wahlsieg

Vor Journalisten sagte der 56-Jährige, der bereits Minister war und für die Vereinten Nationen gearbeitet hat: "Ich war im ganzen Land unterwegs und habe mit sehr vielen Menschen gesprochen. Sie wollen einen Wandel. Mein Programm bringt diesen Wandel." Für Diabré war deshalb nur ein Wahlausgang möglich: "Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit für mich stimmen wird. Ich werde in den kommenden Tagen oder spätestens Wochen gewählter Präsident von Burkina Faso sein." Allerdings gratulierte Diabré bereits kurz vor der offiziellen Bekanntgabe Kaboré per Twitter zu dessen Erfolg. In Interviews hatten die Kandidaten - zwei Frauen und zwölf Männer - wiederholt betont, das Ergebnis akzeptieren zu wollen.

Präsidentschaftskandidat, Zéphirin Diabré (Foto: DW)

Auch Zéphirin Diabré wurden gute Chancen zugerechnet

Die

Wahlen

waren mit großer Spannung erwartet worden. Das knapp 19 Millionen Einwohner große Land hat schließlich eine ganze Reihe von

Staatsstreichen

hinter sich. Darüber hinaus markiert der Urnengang das Ende von Langzeit-Präsident Blaise Compaoré. Er regierte 27 Jahre lang und wäre gerne weiter an der Macht geblieben. Vergangenes Jahr wollte er deshalb die Verfassung ändern lassen, um erneut zu kandidieren.

Historischer Wahltag in Burkina Faso

Doch den Menschen reichte es. Ab Mitte Oktober zogen Zehntausende auf die Straßen, und zwangen Blaise, wie der 64-Jährige genannt wird, am 31. Oktober 2014 mit einer friedlichen Revolution zum Rücktritt. Verantwortlich dafür war vor allem die Bewegung "Balai Citoyen" (Bürgerbesen), die sich mittlerweile als außerparlamentarische Kraft etabliert hat. Mit ihrem Engagement dürfte sie die wohl außergewöhnlichste Wahl seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 vorbereitet haben. So empfindet es zumindest der junge Jurist Ollo Pooda: "Eine Wahl ohne Blaise Compaoré ist tatsächlich eine historische. Und meiner Meinung nach ist es auch die demokratischste." Denn noch nie war ein Ausgang so ungewiss wie in diesem Jahr.

Allerdings wird dem 58-jährigen Kaboré viel Nähe zum alten Regime nachgesagt. Der Spitzenkandidat der "Volksbewegung für den Fortschritt" (MPP) war von 1994 bis 1996 Premierminister und ab 2002 zehn Jahre lang Parlamentspräsident. Außerdem war er mehrere Jahre lang Präsident des "Kongress für Demokratie und Fortschritt" (CDP), der ehemaligen Regierungspartei. Als Repräsentant des alten Systems will er aber nicht gelten. "Darüber haben wir doch schon gesprochen", sagte er am Wahltag fast ärgerlich vor Journalisten. "Wir haben den totalen Bruch mit dem alten System. Das ist Vergangenheit. Wir sind für die Zukunft." Ob er allerdings tatsächlich für den Wandel steht, muss sich erst zeigen.

Große Freude über demokratische Wahl

Ebenso wichtig wie der Wahlausgang ist vielen Burkinabé aber noch etwas anderes gewesen: ein friedlicher Verlauf. Das ist geglückt, findet Wahlbeobachter Halidou Ouedraogo. Er ist Präsident von CODEL, einem Zusammenschluss nichtstaatlicher Organisationen. "Wir sind sehr zufrieden, weil der Urnengang unseren Vorstellungen entspricht", lautet sein Fazit. So haben er und seine mehr als 4000 ehrenamtlichen Mitarbeiter keine Manipulationen beobachten können. Außerdem sei es nicht zu Gewaltausbrüchen gekommen. "Auch am Tag nach der Wahl ist es sehr ruhig geblieben."

Wahllokal in Ouagadougou in Burkina Faso (Foto: DW)

Mit Spannung erwartet: Mehr als 5,5 Millionen Menschen haben sich in die Wählerlisten eintragen lassen

Halidou Ouedraogo lächelt, als er diese Ergebnisse präsentiert. Auch für ihn, den Jahrzehnte langen Nicht-Wähler, war der Urnengang ein einmaliges Ereignis. "1990 habe ich beim Referendum für die Verfassung abgestimmt", erinnert er sich. Doch während all der Jahre unter Blaise Compaoré hat er sich nie wieder um seine Wählerkarte bemüht, da das Ergebnis stets klar war. Doch jetzt strahlt er über das ganze Gesicht. "Aber dieses Mal habe ich wirklich gewählt", sagt er und schaut wie zum Beweis auf seinen Finger, an dem noch die Reste der Tinte klebt. Ein Beweis, dass er an der historischen Wahl teilgenommen hat.

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