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Europa

Überraschender Tod eines Politikers mit vielen Feinden

Oppositionspolitiker und Milliardär Badri Patarkazischwili ist in London überraschend gestorben. Die britische Polizei stufte den Fall als "verdächtig" ein, die georgische Opposition vermutet Mord.

Oppositionspolitiker, Milliardär, Erfzfeind: Badri Patarkazischwili

Oppositionspolitiker, Milliardär, Erzfeind: Badri Patarkazischwili

Der frühere Präsidentschaftskandidat und reichste Mann Georgiens erlitt am Dienstagabend (12.2.2008) in seinem Haus in der Grafschaft Surrey einen Herzstillstand, wie sein Sprecher der Agentur russischen Interfax mitteilte. Die britische Polizei stufte den Tod als "verdächtig" ein und ordnete eine Obduktion an. Nichts deutete bei Patarkazischwili auf einen Herzfehler hin, ließen sein Arzt und seine Familie mitteilen.

Die georgische Opposition vermutet einen Anschlag auf den Erzfeind von Präsident Michail Saakaschwili. "Ich bin mir praktisch sicher, dass das kein natürlicher Tod war", sagte die Vorsitzende der Partei Imedi, Irina Sarischwili.

Georgien Wahlen Präsident Michail Saakaschwili

Feind: Michail Saakaschwili

Reicher Mann mit Feinden

An Feinden dürfte es dem Milliardär, dem seine Gegner eine dunkle Vergangenheit inklusive der Verwicklung in Mordfälle vorwerfen, jedenfalls nicht gemangelt haben. Patarkazischwili war bei umstrittenen russischen Privatisierungsgeschäften in den 1990er Jahren zu Reichtum gekommen. Nach der georgischen Rosenrevolution 2003 sympathisierte er zunächst mit der neuen Staatsführung.

Nach einem Zerwürfnis mit Präsident Saakaschwili unterstützte er mit großen Geldsummen die Opposition seines Landes. Nach der gewaltsamen Zerschlagung von Oppositionsprotesten in Tiflis durch die Polizei im November des Vorjahres rief Patarkazischwili die Georgier in seinem eigenen Fernsehsender dazu auf, Saakaschwilis Regime abzulösen. Die georgischen Behörden machten ihn darauf für einen versuchten Staatsstreich verantwortlich. Er wurde mit Haftbefehl gesucht.

Rund vier Monate vor der Präsidentschaftswahl im Januar 2008, bei der Patarkazischwili vergeblich aus dem Exil gegen Saakaschwili antrat, hatte der frühere Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili dem Präsidenten vorgeworfen, die Ermordung seines Herausforderers zu planen. Auch Patarkazischwili selbst hatte mehrfach gesagt, er müsse einen Anschlag auf sein Leben fürchten. "Ich habe 120 Leibwächter, aber ich weiß, das ist nicht genug. Ich fühle mich nirgends sicher", ließ er zuletzt im Dezember wissen.

Im Interesse des Kreml

Russische Medien mutmaßen, sein Tod könne auch im Interesse des Kreml liegen. Russland warf dem schwerreichen Medienmogul vor, die Flucht eines Geschäftspartners des in Ungnade gefallenen Oligarchen Boris Beresowski aus dem Gefängnis geplant zu haben. Außerdem wurde ihm Betrug in großem Stil während seiner Zeit beim russischen Autobauer Awtowas zur Last gelegt.

Zudem gab der Milliardär unlängst bekannt, er besitze belastendes Material gegen Kremlchef Wladimir Putin, der sich früher bei der Petersburger Stadtverwaltung der Korruption schuldig gemacht haben solle.

Der Oligarch lebte zuletzt in Großbritannien und Israel. Er unterhielt in London enge Kontakte zu seinem langjährigen Geschäftspartner, dem Oligarchen und Kremlkritiker Boris Beresowski.

Boris Beresowski

Boris Beresowski

Der frühere georgische Präsident Eduard Schewardnadse bezeichnete den Tod Patarkazischwilis als "großen Verlust" für sein Land. "Er wollte vieles erreichen und hat auch viel geschafft für Georgien", sagte der einstige sowjetische Außenminister nach Agenturangaben.

Zweiter mysteriöser Tod

Es war der zweite mysteriöse Tod eines georgischen Spitzenpolitikers innerhalb von drei Jahren. Anfang 2005 war der damalige Regierungschef Surab Schwania im Alter von 41 Jahren bei einem Gasunfall in der Wohnung eines Freundes in Tiflis ums Leben gekommen.

Ebenfalls in London starb Ende 2006 der Kremlkritiker Alexander Litwinenko an einer Vergiftung mit dem Strahlengift Polonium 210. (sams)

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