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Wirtschaft

Überraschender Abgang des GM-Chefs

Nach nur acht Monaten an der Spitze des krisengeschüttelten US-Autobauers General Motors hat Fritz Henderson seinen Rücktritt erklärt. Spielte dabei der geplatzte Opel-Verkauf eine Rolle?

Fritz Henderson (Foto: AP)

Geht nicht ganz freiwillig von Bord: Fritz Henderson

"Es müssen Veränderungen her", sagte GM-Verwaltungsratschef Ed Whitacre bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der GM-Konzernzentrale in Detroit. Zu den genauen Gründen des Rücktritts von Fritz Henderson wollte sich Whitacre nicht äußern. Ein GM-Sprecher ergänzte: "Das Direktorium hat entschieden - und Fritz stimmte dem zu."

"Überzeugter denn je"

Ed Whitacre (Foto: AP)

Übernimmt vorerst das Ruder: Ed Whitacre

Whitacre dankte Henderson ausdrücklich für die geleistete Arbeit. Der 51-Jährige habe eine "bemerkenswerte" Leistung vollbracht, indem er das Unternehmen durch eine "außerordentlich schwierige Zeit" geführt habe. Das Tagesgeschäft des Autobauers werde wie gewohnt weitergehen, betonte Whitacre. Er sei "überzeugter denn je", dass das Unternehmen auf dem richtigen Weg sei und Verbrauchern in aller Welt höchste Qualität bei Fahrzeugen anbieten könne.

Nachfolger von Henderson soll vorübergehend Whitacre selbst werden. Die weltweite Suche nach einem neuen Konzernchef beginne umgehend, erläuterte Whitacre.

Zu große Differenzen?

In jüngster Zeit hatte es immer wieder geheißen, es gebe Meinungsverschiedenheiten zwischen Henderson und dem Verwaltungsrat von General Motors. Henderson hatte nach einer langen Karriere innerhalb des Konzerns erst Ende März 2009 die Führung von General Motors übernommen - zu einer Zeit, als das Überleben des Autobauers auf dem Spiel stand. Er beerbte den glücklosen Rick Wagoner und schaffte es, mit staatlicher Hilfe das Unternehmen zu stabilisieren, die Verluste einzudämmen und viel früher als erwartet mit dem Schuldenabbau zu beginnen.

Rote Ampel vor Opel-Werk Bochum (Foto: dpa)

Doch kein Verkauf: Opel

Unter Henderson ließ General Motors allerdings den Verkauf der Tochter Opel an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna platzen. Das brachte dem GM-Chef viel Kritik insbesondere aus Deutschland ein. Henderson brachte die Bundesregierung vor allem mit seiner zwischenzeitlichen Drohung gegen sich auf, Opel in die Insolvenz zu schicken, wenn die Beschäftigten nicht zu Zugeständnissen bereit seien.

Die chronisch defizitäre schwedische GM-Tochter Saab wurde Henderson nicht los, weil der Sportwagen-Hersteller Koenigsegg plötzlich einen Rückzieher als Käufer machte. Erst am Dienstagnachmittag setzte General Motors eine Frist bis Jahresende - sollte es dann keinen neuen Käufer geben, will GM die Traditionsmarke mit ihren zuletzt noch 3400 Mitarbeitern dicht machen.

Milliardenverluste & Milliardenhilfen

GM-Zentrale in Detroit (Foto: AP)

Größtenteils in Staatsbesitz: GM

Seit Anfang 2005 hat GM konzernweit Verluste von mindestens rund 90 Milliarden Dollar angehäuft. Der Konzern war mit Staatshilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar vor dem Untergang gerettet worden. Nur ein kleiner Teil floss allerdings als Kredit. Für den größeren Teil erhielt die US-Regierung eine Beteiligung von 60 Prozent an dem Autohersteller. Weltweit hat GM für seine Sanierung bereits Zehntausende Jobs abgebaut. Bei Opel stehen europaweit 9000 Stellen auf dem Spiel.

Autor: Christian Walz (dpa, afp, ap)
Redaktion: Herbert Peckmann

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