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Nahost

Überraschende Niederlage für Faruk Husni

Der ägyptische Kulturminister galt als Favorit für den Posten des UNESCO-Chefs. Doch am Ende haben ihn wohl seine israelfeindlichen Äußerungen den Sieg gekostet. Ägyptens Intellektuelle reagieren entäuscht.

Faruk Husni (Foto: dpa)

Galt lange als Favorit: Faruk Husni

Der Exekutivrat der wichtigsten internationalen Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur hatte die bulgarische Diplomatin am Dienstagabend überraschend als Nachfolgerin des Japaners Koichiro Matsuura ernannt. Bokowa setzte sich bei einer Stichwahl gegen den ägyptischen Kulturminister Faruk Husni durch, dem anti-israelische Äußerungen vorgeworfen worden waren.

Ägyptische Intellektuelle reagierten bitter enttäuscht auf die Wahl . Mohammed Salmaui, Präsident des ägyptischen Schriftstellerverbands, sagte, erstmals sei die Wahl des UNESCO-Vorsitzes "politisch" verlaufen. Die "israelische Lobby" habe Aussagen Husnis aus dem Kontext gerissen, sagte er. Gaber Asfur, Chef des Übersetzungsdienstes im ägyptischen Kulturministeriums, sagte, Europa habe sich gegen die arabische Welt aufgelehnt. Von Seiten der Regierung in Kairo lag zunächst keine Reaktion vor.

Aufruf zur Bücherverbrennung?

Irina Bokowa (Foto: ap)

Die designierte UNESCO-Chefin Irina Bokowa freut sich über ihren Abstimmungserfolg

Israel hat die Niederlage Husnis und die damit verbundenen Nominierung der bulgarischen Diplomatin Irina Bokowa zur neuen UNESCO-Chefin begrüßt. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte am Dienstagabend: "Wir hoffen auf eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit der UNESCO." Menschenrechtsorganisationen, Intellektuelle und Politiker hatten dazu aufgerufen, den Ägypter nicht zu wählen. Der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor wollte sich nicht zu der Frage äußern, ob Israel erleichtert sei, dass Husni die Wahl nicht gewann.

Husni hatte eigentlich als aussichtsreichster Bewerber gegolten, obwohl er als Kulturminister in Ägypten seit 22 Jahren auch für die Zensur verantwortlich zeichnet. Dass ausgerechnet er die UN-Organisation für Kultur und Bildung hätte leiten sollen, wurde von vielen Kritikern als geschmacklos empfunden. Im vergangenen Jahr sprach Husni sich im ägyptischen Parlament unter anderem für die Verbrennung israelischer Bücher aus. "Zeig mir diese Bücher, und wenn es sie gibt, werde ich sie vor deinen Augen verbrennen", sagte er einem Abgeordneten, der die Sorge äußerte, in der Bibliothek von Alexandria könnten auch hebräische, anti-arabische Bücher stehen. Später distanzierte er sich jedoch von der Aussage.

Husni weist alle Vorwürfe von sich

Elie Wiesel (Foto: AP)

Elie Wiesel hält Husni für einen geistige Brandstifter

Doch Husnis Aussagen erregten erst die öffentliche Aufmerksamkeit, als Mitte Mai die französischen Intellektuellen Bernard-Henri Lévy und Claude Lanzmann sowie der amerikanische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel in einem Gastbeitrag im französischen "Le Monde" Husni als "geistigen Brandstifter" bezeichnet hatten. Er habe unter anderem öffentlich erklärt, dass die israelische Kultur aggressiv, rassistisch und überheblich sei, schrieben sie. Er sei auf keinen Fall dazu geeignet, eine Weltorganisation wie die UNESCO zu führen, die sich die Völkerverständigung und die Unterstützung des kulturellen Austauschs als Ziel gesetzt habe.

Faruk Husni wies die Vorwürfe zurück. Er sei zwar nicht unbedingt für normalisierte Beziehungen zwischen seinem Land und Israel, solange es keinen Frieden mit den Palästinensern gibt. Die Verbrennung israelischer Bücher habe er nicht wörtlich gemeint. Diese Äußerung sei aus dem Kontext gerissen. "Es war ein Wortgefecht mit einem islamistischen Abgeordneten der Muslimbruderschaft. Es war als hätte ich auf Englisch gesagt: go to hell (geh zur Hölle!)", so der Kulturminister weiter. Solche Ausdrücke gebe es in allen Sprachen der Welt. Als Beweis gegen den Vorwurf des Antisemitismus führte er auf, dass er 1998 angefangen habe, alle Synagogen in Ägypten zu restaurieren.

(sm/es/wa/kk/mt/dh/afp/dpa/ap)

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