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Wirtschaft

Überraschende Hilfe vom mexikanischen Milliardär

In der Not bekommt die "New York Times" Hilfe aus Mexiko. Der Multimilliardär Carlos Slim gibt der Zeitung eine Finanzspritze von 250 Millionen Dollar. Doch was erwartet er sich von dem Engagement?

Carlos Slim (Foto: AP)

Hilfe in der Not: Der mexikanische Unternehmer Carlos Slim greift der 'New York Times' unter die Arme

Es war Oktober 2008, als die New York Times Company Zahlen bekannt gab, die nicht nur in der Medienbranche für Aufregung sorgten. Die Gewinne des renommierten Zeitungskonzerns hatten sich danach im dritten Quartal 2008 um gut 50 Prozent verringert. Die Folge: Die Rating-Agentur Standard and Poor's stufte die New York Times Company unter das für Investitionen geeignete Niveau (Non-Investment Grade), was die Kredite für das Unternehmen entsprechend verteuerte. Der Aktienkurs brach daraufhin um 70 Prozent ein.


Slims Konzept: aufkaufen und aufbauen

Ausgabe der New York Times (Foto: AP)

Einbrechende Anzeigen-Einnahmen setzen dem Traditionsblatt zu

Solche Situationen sind dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim Helú gut bekannt. Er war derjenige, der heruntergekommene Gebäude in Mexiko-Stadt in schicke Restaurants verwandelte. Die Muttergesellschaft des Slim Imperiums, die Grupo Carso, kaufte ruinierte Unternehmen in großem Stil billig ein und belebte diese durch hohe Investitionen wieder. Slims Kerngeschäft ist jedoch weiterhin das Unternehmen Telmex, das ehemals staatliche Kommunikationsmonopol, das noch heute den mexikanischen Markt beherrscht und sich auf große Teile Lateinamerikas ausgeweitet hat. Dadurch hat Slim enorme Gewinne erzielt, so dass er 2007 bei der Zeitschrift Forbes auf der Liste "The World's Billionairs" plötzlich als drittreichster Mann der Welt erschien. Sein aktuelles Vermögen wird auf etwa 60 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Der Anteil des Mexikaners steigt auf 18 Prozent

Im Rahmen seines globalen Investitionsplans verfügte Slim bereits über einen Anteil von fast sieben Prozent an der New York Times Company, den er durch seine neue Investition auf knapp 18 Prozent ausbauen könnte. Denn die Schuldscheine, die er dem Unternehmen ausstellt, wie Montag (19.1.2009) bekannt wurde, könnten 2015 in Aktien umgewandelt werden. Damit würde Slim nach dem Clan der Verlegerfamilien Ochs-Sulzberger und dem Fonds Harbinger Capital, die jeweils etwa 20 Prozent des Unternehmens halten, einer der größten Anteilseigner des Verlags. Er erhält für seine Kapitalspritze jedoch weder einen Sitz im Aufsichtsrat noch besondere Stimmrechte.

Aus dieser Perspektive heraus scheint Slims Finanzspritze wie ein Gefallen für Freunde in der Not. Wenngleich auch diese gewaltige Summe die "New York Times" nur kurzfristig wird aufatmen lassen können. Im Mai wird ein Kredit in Höhe von 400 Millionen Dollar fällig, und Slims Darlehen wird für mehr finanziellen Spielraum sorgen. Um die New York Times Company jedoch vollständig zu retten, wären 1,1 Milliarden Dollar nötig.


Gewitztes Geschäft oder milde Gabe?

Angesichts der Finanzkrise ist ein Anstieg der Werbeeinnahmen für die angeschlagene Zeitungsbranche nicht in Sicht. Slims Anteil an der "New York Times" wird sich daher nicht schnell amortisieren. Dennoch dürfte das Engagement für den fast 69-Jährigen, der die Kontrolle über sein Imperium schon seinen Söhnen übertragen hat, eine besondere Ehre sein: Denn es bedeutet einen festen Platz der Slim-Dynastie auf dem Olymp der Global Players.

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