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Wirtschaft

Übernahmepläne von BASF sind "strategisch sinnvoll"

BASF erhofft sich vom Kauf des US-Konzerns Engelhard eine führende Weltmarktstellung im Katalysator-Geschäft. Analysten verweisen auf Wachstumspotenziale, warnen aber auch vor möglichen Abwehrstrategien des US-Konzerns.

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BASF streckt die Hand nach Engelhard aus. Allerdings nicht in freundlicher Absicht

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF plant mit der feindlichen Übernahme des US-Spezialchemiekonzerns Engelhard die teuerste Akquisition seiner Unternehmensgeschichte. Dabei handelt es sich zugleich um den größten feindlichen Übernahmeversuch eines europäischen Konzerns in den USA. BASF bietet den Engelhard-Aktionären 37 Dollar je Anteilsschein, was einem Kaufpreis von 4,9 Milliarden Dollar entspricht.

Analysten halten diesen Preis durchaus für gerechtfertigt: "Das wäre ein äußerst positiver und strategisch sinnvoller Deal für die BASF, die damit in ein hoch profitables Geschäftsfeld expandieren könnte", sagt Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz im Gespräch mit DW-WORLD.

BASF auf dem Weg zum Weltmarktführer im Katalysator-Geschäft

BASF Jürgen Hambrecht

Der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF Jürgen Hambrecht

Neben der Oberflächenveredelung zählt die Katalysatortechnologie zu den wichtigsten Sparten von Engelhard. BASF könnte durch den Zukauf des US-Rivalen zum Weltmarktführer im Katalysator-Geschäft werden. Ein Geschäft mit rosigen Zukunftsaussichten: "Der Markt für Katalysatoren zeichnet sich - gerade angesichts der geplanten Verschärfungen der Emissionsbedingungen in den USA, Europa und Asien - durch überdurchschnittliche Wachstumspotenziale aus", betont Chemieexperte Dennis Nacken von der Helaba Trust im Gespräch mit DW-WORLD. Zudem gäbe es große Synergien, da BASF seine enge Kundenbindung zu Automobilproduzenten in den Unternehmenszusammenschluss mit einbringen würde.

Sollte die Übernahme gelingen, würden die beiden Unternehmen ihre Abteilungen für Forschung und Entwicklung zusammenlegen, sagte BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht am Dienstagabend (3.1.2006) auf einer Telefonkonferenz. Außerdem plant BASF, seine US-Zentrale und das Engelhard-Hauptquartier zu verschmelzen.

BASF erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Die Bekanntgabe der BASF-Übernahmepläne gleicht einem Paukenschlag, mit dem sich das Ludwigshafener Unternehmen aus seinem Dornröschenschlaf zurückmeldet. Lange Zeit warfen Analysten dem Chemiekonzern vor, er hortete seine Gewinne, anstatt sich nach geeigneten Akquisitionen umzusehen. So verfügte BASF am Ende des dritten Quartals 2005 über satte 4,3 Milliarden Euro an liquiden Mitteln.

"Giftpillen" könnten feindliche Übernahme erschweren

Diese gut gefüllte Kriegskasse können die Ludwigshafener im beginnenden Preispoker um die Engelhard-Aktien auch gut gebrauchen: "Engelhard ist ein hochprofitables Unternehmen! Dafür muss die BASF vielleicht auch noch ein weniger tiefer in die Tasche greifen", prognostiziert Chemieexperte Nacken. Zudem hat Engelhard seinen Aktionären im Hinblick auf das BASF-Kaufangebot zunächst zum Abwarten geraten und erwägt sogar die Ergreifung möglicher Abwehrstrategien, um die feindliche Übernahme zu erschweren.

Derlei "Giftpillen" könnten die erwartete Wertsteigerung stark relativieren. Dieser Unsicherheitsfaktor spiegelte sich denn auch in der Kursentwicklung der BASF-Aktie wieder, die nach Bekanntgabe der Übernahmepläne am Dienstagabend mit einem Minus von 1,4 Prozent aus dem Handel ging.

Feindliche Übernahmen kein rein amerikanisches Phänomen

Solche unfreundlichen Avancen im Ausland wie die BASF-Offerte sind allerdings eine eher seltene Übung bei deutschen Unternehmen. "Es ist ungewöhnlich, dass deutsche Unternehmen so aggressiv am Kapitalmarkt auftreten. Ein solch massives Vorgehen ist man sonst eher von US-Unternehmen wie zum Beispiel Procter und Gamble gewöhnt", betont Chemie-Analystin Stegemann. "Dieser Trend aus den USA schwappt jetzt auch auf europäische und deutsche Konzerne über."

Das Übernahme-Karussell könnte nach Einschätzung des Chemie-Experten Nacken im laufenden Jahr noch weiter an Fahrt gewinnen. Schließlich gelten insbesondere die Spezialchemiemärkte in Europa und in den USA immer noch als stark fragmentiert.

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