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Kultur

Überlebenskampf im Dreck

Keine Toilette, keine Dusche, keine Kanalisation - den Menschen in Isla Puting Bato fehlt es am Nötigsten. Eine Reportage aus dem Slum von Manila, der Hauptstadt der Philippinen.

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Im Slum von Manila

"Mein Sohn ist einem der anderen Kinder aus den Armen gerutscht und ins Meer gefallen. Er hat das Wasser geschluckt." Während Edwin Agasang diese Geschichte auf dem Holzsteg vor seiner Hütte erzählt, wabert zwei Meter unter ihm eine braune Brühe: ungeklärte Industrie- und Haushaltsabwässer der philippinischen Zwölf-Millionen-Metropole Manila.

Das acht Monate alte Baby, so Edwin weiter, habe er noch ins Krankenhaus bringen können: "Aber wir hatten kein Geld für die Intensivstation und mussten ihn drei Tage später wieder mit nach Hause nehmen. Hier ist er dann gestorben."

Leben im Slum

Slumkinder in Manila

Edwin Agasang lebt in Isla Puting Bato, einem Slum im Hafen mit etwa 10.000 Einwohnern. Die meisten Hütten stehen auf Holzpfeilern im Wasser. Die Menschen teilen das Schicksal von etwa vier Millionen Armen in Manila: Sie haben keine Toilette, keine Dusche, keine Kanalisation – und das inmitten des tiefsten Drecks. Eine für Kinder dramatische Kombination.

Edwin schlägt sich als Fischer durch. Mit seiner Frau und acht Kindern lebt er in einem Raum – wie fast alle in Isla Puting Bato. Die Küche besteht aus einem kleinen Herd, direkt daneben der Kloersatz, ein Loch im Holzboden. Von hier geht alles direkt ins Wasser. Zehn Meter davon entfernt schwimmen Edwins Kinder. "Ich lasse sie dort weiter baden, die Älteren werden schon nicht krank, mein Baby ist nur gestorben, weil es das Wasser getrunken hat."

Am gefährlichsten ist Diarrhöe

Slumkinder in Manila

Der Arzt Angelo Ramos versucht, vor allem das Leben der Kinder zu verbessern. Für die Kleinsten sind die katastrophalen hygienischen Zustände am schlimmsten. Er leitet ein von der Weltgesundheitsorganisation gefördertes Projekt mit dem Namen WASH (Water, Sanitation & Hygiene for All). Gegen den Müll und das Hafenwasser kann er nichts tun, aber wo einige noch an übernatürliche Ursachen glauben, klärt er die Menschen über Bakterien auf und wo sie überall sein können.

"Das schmutzige Wasser verursacht in Isla Puting Bato viele Krankheiten", berichtet er. "Dengue-Fieber ist eine der häufigsten. Außerdem haben wir hier Tuberkulose, Lungenentzündungen, auch Masern verbreiten sich schnell. Am gefährlichsten ist Diarrhöe, die führt bei Kleinkindern schnell zum Tode."

Die Krankheiten können überall stecken, auch im Trinkwasser. Ein kilometerlanger Schlauch zwischen den Hütten auf dem dreckigen Boden verbindet Isla Puting Bato und andere Slums mit der kommunalen Wasserversorgung.

Sauberes Wasser ist Luxus

Ein Geschäft mit der Armut, denn der Schlauch gehört einem Händler, der das Wasser zu normalen Preisen bezieht und mit einem kräftigen Aufschlag an die Slumbewohner verkauft. Für Arme ist das Wasser in Manila so viel teurer als für die Reichen. Nicht nur das: "Es ist zwar sauber und trinkbar, wenn es die städtische Wasserversorgung verlässt", erklärt Angelo Ramos. "Das Problem ist der Transport zu den Familien. Der Schlauch und die Kanister, in die es abgefüllt wird, können dreckig sein. Wir sagen deshalb allen, dass sie es vor dem Trinken mindestens zehn Minuten kochen sollen."

Aber das können sich viele nicht leisten, auch Edwin Agasang nicht. Einen Großteil seines Geldes gibt er für Wasser aus. Er muss selbst beim Waschen der Kinder sparen: "Wir nehmen etwas Seife und für jedes Kind ein paar Tassen voll zum Abspülen. Das muss reichen."

Das einzige kostenlose Wasser in Isla Puting Bato kommt aus einem Regentank. Die Stadt Manila und das WASH-Projekt haben ihn gemeinsam mit Slumbewohnern gebaut. Etwa 250 Euro hat er gekostet, weitere sollen folgen. Bis jetzt reicht das Wasser nur für wenige Familien, aber die sparen nun fast die Hälfte ihres Einkommens – und es ist ein erster Schritt zu mehr Sauberkeit.

Hoffnung Seife

Slumkinder in Manila

Unterrichtsstunde des WASH-Projekts am Sonntagnachmittag für die Eltern im Slum. Angelo Ramos sagt ihnen, dass sauberes Wasser allein gegen die Krankheiten noch nicht ausreicht. Er und seine Mitarbeiter bringen den Menschen daher bei, wie sie billig Seife herstellen können für die eigenen Familien.

Die Mütter erfahren hier auch die Bedeutung des Händewaschens vor dem Essen und nach der Toilette. Wenn sie bei ihren Kinder regelmäßig darauf achten würden, könnten so bereits viele der Durchfallerkrankungen verhindert werden. Angelo Ramos: "Wir müssen die Menschen aufklären und ihnen klar machen: Nur wenn sie anfangen, bewusster mit Hygiene umzugehen, können sie ihre Gesundheit wirklich verbessern."

Die Bewohner von Isla Puting haben nicht viel Unterstützung. Die Regierung hat für sie nicht genug Geld. Regenwasser und Seife sind ein Anfang im Kampf um Hygiene mitten im Dreck - und etwas Menschenwürde.

Mario Schmidt, NDR
Die Reportage wurde von tagesschau.de übernommen.

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