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Wirtschaft

Überleben in der Nische

Der Neumarkt in der Kölner Innenstadt ist ein Paradies für Buch-Käufer. Neben zwei großen Buchkaufhäusern finden sich auch in den Seitenstraßen gleich mehrere Buchläden. Sie haben sich auf harte Zeiten eingestellt.

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Buchhandel: Alles vorrätig haben oder lieber spezialisiert sein?

Das Geschäft von Klaus Bittner ist eine mittelgroße Großstadt-Buchhandlung: 5 Angestellte, 120 qm Verkaufsfläche. Die Regale sind sehr dicht gefüllt. Hier gibt es eine große Auswahl, das sieht man auf den ersten Blick. Und es gibt nicht alles: Bittner hat sich, seit er den Laden 1980 eröffnete, spezialisiert auf Belletristik, Geisteswissenschaften und "Performing Arts", also alles, was mit der Bühne zu tun hat.

In diesem Jahr hat auch Bittner weniger Umsatz gemacht, 3 bis 4 Prozent minus bis August, die letzten Wochen liefen allerdings besser, so dass er zum Jahresende auf eine "schwarze Null" hofft, also darauf, das Jahr wenigstens nicht mit einem Verlust abschließen zu müssen.

Weniger Auswahl bei den Großen

Einen Trend zur Konzentration sieht er durchaus in der Branche. Das liege einfach in den wirtschaftlichen Rahmendaten begründet, denn "in unserer Branche war immer typisch, dass das Eigenkapital zu klein war. Das liegt unter anderem auch an der geringen Ertragsmöglichkeit, die man durch die Ware Buch haben kann. Deshalb werden die Läden ja immer größer, um die Erträge einigermaßen akzeptabel zu machen." Deshalb seien aber auch immer weniger Titel in diesen Läden vorrätig, sagt Bittner. Laut Untersuchungen führen die großen Ketten in England und Amerika nur noch ein Drittel der Ware, die vor fünf oder acht Jahren da noch gestanden hat. Das sei auch in Deutschland festzustellen, glaube er.

Stöbern erwünscht

Was nicht heißt, dass nicht alles bestellt werden könnte. Aber das Angebot im Laden, das einen Leser auch zum Stöbern und Entdecken animieren könnte, das wird geringer und immer ähnlicher. Klaus Bittner sieht für die kleineren Läden darin die Chance bei diesem Schrumpfungsprozess nicht mitzumachen: "Wir haben versucht, noch weiter in die Tiefe zu gehen. Das heißt, ein in vielen Bereichen noch stärkeres Lagersegment anzubieten. Wir haben unsere Lyrik-Abteilung ausgebaut. Wir haben unsere geisteswissenschaftliche Abteilung ausgebaut", erklärt er die Strategie.

Lesungen, Beratung und persönliche Ansprache der Kunden tun ein übriges, um ein festes Stamm-Publikum an Bittners Buchhandlung zu binden: "Ich glaube, dass die Leute Qualität zu schätzen wissen. Und ich habe keine Angst vor dem Wettbewerb. Es hat sich sogar gezeigt, dass die Eröffnungen der beiden Großbuchhandlungen in Köln mir überhaupt nicht geschadet haben", gibt er sich selbstbewusst. Es gab eine kurze Abwanderungsbewegung, aus Neugierde, sagt er. "Und es gab eine fast reumütige Rückkehr zumindest vieler Kunden, mit denen ich darüber gesprochen habe." Dass die Kunden generell weniger lesen, hat Bittner nicht festgestellt. Die Umsätze seien schließlich nicht quer durch alle Sparten rückläufig: "In der Belletristik gehen sie nicht zurück, sondern steigen. Sie sind im Kinderbuch-Bereich gestiegen". Gefallen seien sie im ganzen Segment der Ratgeber, weil viele sich offenbar fragten, ob sie nach dem hundertsten Kochbuch noch eines kaufen müssten. "Ich glaube, da sind die Leute, ich würde mal sagen: Zur Vernunft gekommen."

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