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Wirtschaft

Überleben in der digitalen Musikwelt

Auf dem MidemNet Forum in Cannes drehte sich alles um die Frage, wie Musiker auch im digitalen Zeitalter zu ihren Rechten und an ihr Geld kommen. Die meisten Teilnehmer halten ihre Überlebenschancen weiterhin für gut.

US-Sänger Lionel Richie auf der Midem

Midem-Besucher Lionel Richie: Der US-Sänger erlebte seine Hochzeit in der Ära der Schallplatte

Die US-Band Shiny Toy Guns hat es nur durch das Internet geschafft, bekannt zu werden – auf der Plattform MySpace legte sie eine Website an, von der aus sich ihre Songs in der ganzen Welt verbreiteten. Ein Vorteil, den jeder Musiker nutzen sollte, meint Jeremy Dawson, Mitbegründer der Band: "Die sozialen Netzwerke haben keine Grenzen, sie sind global. Du kannst jeden jederzeit erreichen – jede Altersgruppe, jedes Genre – und sie auch für Aufgaben wie Marketing nutzen."

Das Internet - ein Flugzeug

Junge Musik-Fans bei der Verleihung der NRJ Music Awards auf der Midem

Verleihung der NRJ Music Awards auf der Midem: Ohne Fans keine Musikverkäufe

Ohne MySpace hätte die Band wohl jahrelang auf Tour gehen müssen, um den Bekanntheitsgrad zu erreichen, den sie in kurzer Zeit via Internet erlangte. Trotzdem würden diese Netzwerke den "normalen" Markt aus Konzerten und Tourneen nicht ersetzen oder kaputt machen, meint Jeremy. Es ärgert ihn, wenn das behauptet werde. Das Internet sei wie ein Flugzeug - es gäbe jetzt neben Radio und Fernsehen einfach drei statt zwei Flugzeuge, mit denen man fliegen könne. "Diese drei arbeiten als Einheit zusammen, und das eine wird das andere nie zerstören.“

Neue Lizenzsysteme

Auch EMI Music Publishing, der größte Musikverlag der Welt, hat keine Angst vor der Zukunft. "Wir halten soziale Netzwerke und die fortschreitende Expansion in der mobilen Welt für vielversprechend", so EMI Music Publishing-Präsident Roger Faxon. "Wenn wir ein richtiges Lizenzsystem schaffen, wird der Musikmarkt weiter blühen." Falls die Pessimisten doch Recht behielten und die Piraterie blühe, "werden wir das nicht zulassen."

Sängerin Nelly Furtado wird in Cannes mit einem Handkuss begrüßt

Galante Begrüßung in Cannes: Pop-Diva Nelly Furtado

Das Problem dabei: Jede Region der Welt hat ihre eigenen Lizenz-Systeme. In Europa wird sie von den Verwertungsgesellschaften übernommen. Aber mit der Digitalisierung hätten sie sich nicht schnell genug weiter entwickelt, um Urheberrechte zu garantieren, kritisiert Roger Faxon. "Wir kooperieren daher mit den deutschen und britischen Verwertungsgesellschaften GEMA und Alliance, um eine paneuropäische Verwertungsgesellschaft zu schaffen, die die Lizenzierung vereinfacht“, so der Musikverlagsmann.

Künstler an Werbeeinnahmen beteiligen

Ein Beispiel, wie die Finanzierung von Künstlern funktionieren kann, ist der werbefinanzierte Musikdownload-Service Spiral Frog, an dem EMI seit September 2006 beteiligt ist. Spiral Frog sieht seinen Dienst als Konkurrenz für illegale Downloads an und will mit im Vergleich zu Tauschbörsen höherer Qualität der Musik punkten.

Nutzer können die Stücke zwar umsonst herunterladen, die Urheberberechtigten werden aber an den Werbeeinnahmen beteiligt. "Hier zahlt der Endkonsument letztlich indirekt über die Werbung für das Copyright, denn die wird auf die Kosten des Produktes draufgeschlagen, das der Verbraucher hoffentlich irgendwann kauft", sagte Peter Ende, Präsident von EMI Europa.

Plattenfirmen werden weiterhin gebraucht

Black Eyed Peas-Sänger Will.i.am

Black Eyed Peas-Sänger Will.i.am

Und selbst, wenn der Verbraucher später nichts kauft: Der Sänger Will.i.am von den Black Eyed Peas meint, dass finanzielle Verluste auf der einen Seite auf einer anderen wieder gut gemacht werden könnten. Wenn zum Beispiel ein Fan sein Konzert in Peking auf Handy aufgenommen hat und gleich danach über You Tube ins Internet stellt, mag das zwar dem Verkauf einer DVD mit dem Konzertmitschnitt schaden. "Aber unser Name ist dadurch in aller Munde und es nützt unserer Tournee, weil die Leute, die den Mitschnitt bei You Tube gesehen haben, das Konzert danach auch live sehen wollen", so der Rapper, Produzent und Komponist.

Den Black Eyed Peas-Sänger macht es eher nervös, wie zögerlich die Musikindustrie auf die neuen Technologien reagiert. Das "gestrige Modell" CD habe einfach keinen Markt mehr. Zu erwarten, dass Kinder, die mit all dem neuen Spielzeug aufwachsen, das kauften, was ihre Brüder vor zehn Jahren gekauft hätten – das funktioniere nicht. "Eine Band in einer Plastikhülle bedeutet gar nichts mehr." Trotzdem ist Will.i.am überzeugt, dass Plattenfirmen weiterhin notwendig sind - um Superstars aufzubauen. Denn kein Künstler könne sich alleine so vermarkten, dass aus ihm ein neuer Michael Jackson oder Marvin Gay werde. Zumindest bislang nicht.

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