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Kultur

Übergang zwischen zwei Welten

Die Tränenhalle ist Berlins berühmtester Ort der deutschen Teilung. Wo einst BRD- und DDR-Bürger Tränen der Trennung ließen, wird heute gefeiert, gerockt, getanzt oder gelesen.

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Ehemalige Wechselstelle im Grenzübergang - heute ein Kiosk

"Tränenpalast", ein kurioser Name für einen Veranstaltungsort, an dem eigentlich geschwooft und gelacht wird. Der Name soll an das erinnern, was den Bau aus den 60er Jahren vorher beherbergte: Der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstrasse diente zu DDR-Zeiten als Grenzstation zwischen Ost und West. Nur wenige Schritte trennten Sozialismus und Kapitalismus, Familien und Freunde. Aus dem ehemaligen Grenzhaus wurde nach der Wende ein Kulturzentrum, das in diesen Tagen zehnjähriges Jubiläum feiert. Wo heute Gäste dinieren, tanzen oder Lesungen lauschen, haben sich einst acht Millionen West- und Ostbürger durchgedrängelt, und das pro Jahr - der abgenutzte graue Kachelboden ist noch derselbe geblieben.

Von trüber DDR Romantik zum coolen Tanzpalast

Von DDR-Grenzromantik mit kalten Fliesen, engen Kabinen mit grimmig dreinblickenden Volkspolizisten, die stets streng kontrollierten, spürt man selbst heute noch einen Hauch - und der ist gewollt. Chef und Gründer des Kulturortes, Marcus Herold, hat sich das gut überlegt. Den Entschluss fasste er 1991, da fuhr Herold an einem Gebäude vorbei, das kurz vor dem Verfall stand. Das Land hatte beschlossen, die ehemalige Grenzstation in eine Blumenhalle umzuwandeln. Das hat den engagierten Veranstalter empört. Ein Kulturzentrum mit DDR-Charme und präsenten Namen wäre dem Ort gerechter, fand er. Schließlich sei die Halle ein geschichtlicher Ort, der nicht nur erhalten werden, sondern ihn auch erahnen lassen müsse.

Den Namen hatte Herold nach einem Konzert-Erlebnis mit den Toten Hosen aus der Taufe gehoben. Als die 1987 nach einem nicht ganz legalen Auftritt in der Halle wieder in den Westen gingen, weinten ihnen die Fans im Osten angeblich Tränen nach. Freudentränen gab es dann bei dem ersten Gig nach der Wiedervereinigung, im Herbst 1991. Da spielten Nina Hagen und Jimmy Sommerville als erste unter freiem und wiedervereinten deutschen Himmel.

Eingangshalle Tränenpalast in Berlin

Eingangshalle des Tränenpalasts

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