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Sprachbar

Überflüssiges

Weiße Schimmel, tote Leichen, Haarfrisur – vielen vertraut, eigentlich aber überflüssig. Allerdings nicht immer. Und, als Stilmittel in der Sprache sind sie manchmal unverzichtbar, die so genannten Pleonasmen.‎

Elternabende sind nicht besonders beliebt. Weder bei den Eltern noch den Lehrern. Einen Grund machte eine Radiomoderatorin einmal aus: Sie fragte sich, wie denn die Eltern in den Klassenräumen auf diesen winzigen Ministühlchen sitzen könnten. Was, bitte schön, sind winzige Ministühlchen? Sitzgelegenheiten für Zwerge? Modellmöbel in stark verkleinertem Maßstab? Oder einfach nur unbequeme kleine Stühle?

Viel Gemoppel

Wahrscheinlich hat die Moderatorin Letzteres gemeint, aber der Zwang originell sein zu müssen, hat wohl diesen dreifachgemoppelten Ausdruck hervorgebracht. Wir kennen den Ausdruck doppelt gemoppelt. Etwas Doppelt-Gemoppeltes bringt eine einzige Bedeutung mehrfach zum Ausdruck. Zum Beispiel ist kaltes Eis so ein Doppelmoppler.

Die Sprachwissenschaft hat für solche Besonderheiten, die keineswegs nur in der Alltagssprache vorkommen, einen Fachausdruck: Pleonasmus heißt er. Wenn man ihn wörtlich übersetzt, haben wir das deutsche Wort "Überfluss". Klar, dass Eis kalt ist. Klar, dass ein Ministühlchen klein ist, zumal die Endung – die Verkleinerungsform "-chen" – ja schon deutlich macht, dass es sich nicht um einen Stuhl für Riesen handelt. Überflüssig also von Ministühlchen zu sprechen; und doppelt überflüssig, sie mit dem Zusatz "winzige" zu versehen.

Ausschlaggebendes Adjektiv

Es gibt jedoch krasse Beispiele, die mitunter auf der letzten Seite eines großen Nachrichtenmagazins zu finden sind. Makaber genug, wenn da eine Schlagzeile zitiert wird, dass "mehrere Leichen nur noch tot geborgen werden konnten". So was passiert. Der alte Greis oder der große Riese gehören ebenso zum Pleonasmenrepertoire der Sprache wie der schon legendäre weiße Schimmel.

Aber Vorsicht: Pferdekenner wissen, dass ein Schimmel keineswegs immer ein weißes Fell haben muss! Wenn es sich bei "Schimmel" nicht um das Tier, sondern um den Pilz handelt, ist das Adjektiv "weiß" durchaus ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, denn Käsefreunde wissen, dass Schimmel auch blau sein kann.

Sinnvolle Überflüssigkeiten

Es gibt Pleonasmen, die so geläufig sind, dass sie überhaupt nicht mehr auffallen: Testversuch ist einer davon. Oder Einzelindividuum. Wer stutzt schon bei Rückantwort oder der LCD-Anzeige. Das "D" ist der eigentliche Pleonasmus, denn "D" steht für Display und bedeutet ja "Anzeige". "La Ola" heißt auf Spanisch "die Welle". Längst ist sie auch in deutschen Stadien angekommen; jene durch das Publikum gehende wellenförmige Bewegung als Ausdruck von Freude und Begeisterung. Sie heißt hierzulande "La-Ola-Welle".

Es gibt unzählige Beispiele für Pleonasmen, für sprachliche Überflüssigkeiten: Die Haarfrisur, die Glasvitrine und so weiter. Bestimmte Redeformen bestehen zu einem Gutteil aus Überflüssigem: "Ich persönlich bin durchaus der Meinung …" oder "Ich möchte das noch einmal wiederholen und in aller Deutlichkeit unterstreichen …". Oft werden solche Floskeln – ob bewusst oder unbewusst – benutzt, um Zeit zu gewinnen, Verlegenheit zu überspielen, bis es dann ans eigentliche Thema geht. Insofern haben die Überflüssigkeiten in der Sprache durchaus ihren Sinn.

Ist überflüssig auch überflüssig?

Apropos: Was heißt eigentlich überflüssig? Es gibt die Adjektive flüssig, dickflüssig und dünnflüssig; aber was ist überflüssig? Nehmen wir einen Eimer. Wenn der schon voll ist und noch mehr Wasser hineingegossen wird, dann fließt es über. Insofern bedeutet überflüssig nichts anderes als "zu viel".

Aber Überflüssiges in der Sprache ist nicht zwangsläufig zu viel. Pleonasmen sind durchaus Stilmittel in gesprochener wie geschriebener Sprache. So ist ein winziges Pflänzchen zwar sehr klein, aber es erregt gerade dadurch unsere Aufmerksamkeit und gerne würde man es hegen und pflegen.

Unbequem, aber niedlich

Wenn man sich die winzigen Ministühlchen vom Elternabend bildlich vorstellt, könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass die so richtig niedlich aussehen. WIR müssen ja nicht drauf sitzen.

Fragen zum Text

Ein Pleonasmus ist: …

1. die runde Kugel

2. der junge Greis.

3. die laute Musik.

Wenn etwas doppelt gemoppelt ist, dann ist es …

1. zweimal miteinander verbunden.

2. mehrfach vorhanden.

3. besonders dick.

Eine La-Ola-Welle findet man überwiegend …

1. in der Oper.

2. im Mittelmeer.

3. in Fußballstadien.

Arbeitsauftrag

Finden Sie weitere Beispiele für Pleonasmen in der deutschen Sprache. Schreiben Sie ein kleines Gedicht, in dem sie diese Pleonasmen verwenden. Zum Beispiel: "Der alte Greis bückte sich nach dem winzigen Pflänzchen …."

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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