1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Überfall auf russische Oppositions-Aktivistin

Marina Litwinowitsch von der Vereinigten Bürgerfront ist von Unbekannten zusammengeschlagen worden. Oppositionelle führen den Überfall auf die Tätigkeit der Aktivistin zurück und sehen politische Motive für die Tat.

default

Gewalt gegen Oppositionelle

Am 20. März wurde in Moskau Marina Litwinowitsch brutal zusammengeschlagen. Sie ist eine führende Mitarbeiterin der Vereinigten Bürgerfront, die von Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow angeführt wird. Litwinowitsch arbeitet seit Januar 2004 mit Kasparow zusammen. Sie gehört zu den Koordinatoren des Komitees Freie Wahl 2008. Sie leitete den Wahlstab von Wiktor Schendorowitsch, der im Dezember vergangenen Jahres bei den Nachwahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation kandidierte. Das ist nicht der erste Überfall auf Aktivisten der Vereinigten Bürgerfront. Solche Zwischenfälle ereigneten sich aber bisher vorwiegend in der russischen Provinz und nicht in Moskau.

Kein Raubüberfall

Auf die Frage über ihr Befinden nach dem brutalen Überfall sagte Litwinowitsch im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Derzeit geht es mir nicht sehr gut, weil ich unter den Folgen leide. Ich kann nichts essen, die Beine und das Gesicht sind geschwollen." Die Aktivistin der Vereinigten Bürgerfront sagte, sie könne sich an den Hergang des Überfalls kaum erinnern: "Ich kann mich nur schlecht erinnern. Es war ein Schlag, der so stark war, dass ich sofort das Bewusstsein verloren habe, für 40 Minuten." Was in dieser Zeit geschah, weiß Litwinowitsch nicht. Als sie zu sich kam, war niemand mehr da.

Über die Motive für die Tat sagte sie: "Das ist absolut eine politische Sache, weil es kein Raubüberfall und auch nicht Rowdytum war. Nicht ist verschwunden. Sie haben weder Geld noch das Notebook oder das Handy entwendet. Ich führe das auf meine politische Arbeit zurück. Ich arbeite an verschiedenen Projekten: Das sind die unabhängigen Ermittlungen zu Nordost und Beslan, das ist die Unterschriftensammlung für die Entlassung von Verteidigungsminister Iwanow wegen des Falls Sytschow und meine Mitarbeit an verschiedenen Aktionen für Kasparows Vereinigte Bürgerfront."

Ermittlungen gefordert

Viele Menschenrechtler sind der Ansicht, dass die russische Generalstaatsanwaltschaft im Fall Litwinowitsch ermitteln muss. Kasparow erklärte inzwischen, er vermute, Ermittlungen in diesem Fall würden wahrscheinlich zu keinem Ergebnis führen. Sein Pressesprecher Denis Bilunow sagte der Deutschen Welle: "Wir wollen darauf bestehen, dass die Ermittlungen zu einem Ergebnis führen. Wenn sie ergebnislos bleiben, dann wird das nur zeigen, wie unsere Rechtsschutzorgane arbeiten." Was die Motive für den Überfall auf Litwinowitsch angeht, hat Bilunow keine Zweifel: "Das sind politische Motive. Es ist ein Einschüchterungsversuch. Es ist ein Versuch, Marina persönlich unter Druck zu setzen, aber auch unsere Organisation insgesamt."

Sergej Wilhelm
DW-RADIO/Russisch, 21.3.2006, Fokus Ost-Südost

Die Redaktion empfiehlt