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Bücher

Über vergleichende Buchwerbung

Über Buchsortiersysteme, Literatur-Roboter oder Schriftsteller als Autofahrer: hier schreibt Thomas Böhm Kolumnen aus dem Lesealltag.

Aufgeschlagenes Buch mit Gabel daneben

"Finanzhaie würden FDP wählen" – dieses Europa-Wahlplakat der SPD hat mir in Erinnerung gerufen, dass in Deutschland ja längst vergleichende Werbung erlaubt ist, wie in den USA, wo sich Finanzhaifirmen wie Hamburgerketten oder Hersteller koffeinhaltiger Brause einen Kampf ums Monopol, die bessere Pointe, die bissigere Parodie der Werbung des anderen liefern. Schaut man sich die Originalität vieler dieser Fernsehspots an, mit denen ein Wettbewerber dem anderen die Produktschau stehlen will, fragt man sich: Warum gibt es eigentlich keine vergleichende Werbung für Bücher? An kreativen Köpfen, überraschenden Slogans, überzeugenden Inhalten mangelt es doch nicht.

"Wenn Beckett, dann Samuel. Und nicht Simon."

Anhand der aktuellen Bestsellerliste ließe sich das beispielsweise so angehen:

"Mehr Glück als Eckart von Hirschhausen versprechen kann: Lesen Sie Grimms Märchen."

Oder: "Wenn Beckett, dann Samuel. (Und nicht Simon.)"

Oder: "Mehr Biss als Stephenie Meyer: Bram Stokers Dracula.“

Oder: "Wegger als Hape Kerkeling und nicht wiedergekommen: Franz von Assisi"

Solche Werbung würde dem Kanon, dem Buchmarkt und der Bildung Beine machen. Angesichts des Trash in den Verkaufslisten, ist es sicher nur eine Frage der Zeit, bis der erste deutsche Verlag mit der vergleichenden Buchwerbung anfängt.

Porträtfoto Thomas Böhm, Leiter des Kölner Literaturhauses

Thomas Böhm Programmleiter des Kölner Literaturhauses

Vom Löwen erzählen, nicht vom Wolf

Wem die Argumentation vergleichsweise zu brachial war, für den folgt der gleiche Gedanke als rabbinisches Gleichnis: "Einer ging auf einem Weg einher. Ein Wolf traf ihn, und er wurde gerettet. Daraufhin erzählte er die Geschichte vom Wolf. Da traf ihn ein Löwe, und er vor ihm gerettet. Da ließ er die Geschichte mit dem Wolf und pflegte die Geschichte mit dem Löwen zu erzählen."

Redaktion: Gabriela Schaaf

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